HAPPURG – Zahlreiche Interessierte sind der Einladung der Grünen Ortsgruppe im Albachtal gefolgt: 24 Mitglieder der Ortsverbände von Bündnis 90/ Die Grünen und SPD Happurg, Hersbruck und Pommelsbrunn besuchten die Milchkammer der christlichen Gemeinde in See, darunter einige Stadtrats- und Gemeinderatskandidaten. Auch wenn vielen die Produkte des kleinen Ortes bereits vertraut waren, bot die Führung zahlreiche neue und beeindruckende Einblicke in nachhaltige Landwirtschaft und regionale Versorgung, schreiben die Grünen in ihrer Pressemeldung.
Die Hofmolkerei kann auf eine rund 50-jährige Tradition als Bio-Hof zurückblicken und steht damit beispielhaft für Kontinuität und ökologisches Wirtschaften in der Region. Derzeit hält der Bioland-Betrieb rund 80 Rinder, davon 30 melkende Kühe. Die Tiere liefern täglich etwa 800 Liter Milch, von denen 600 Liter vor Ort weiterverarbeitet werden.
Kürzer könnten die Wege kaum sein: Die Milch gelangt vom Kuhstall über wenige Meter Pipeline direkt in die Milchkammer. Dort werden im täglichen Wechsel Magerquark, Joghurt, Frischkäse und weitere Produkte hergestellt, verpackt und im angrenzenden Dorfladen verkauft. Besonders der Magerquark ist gefragt und wird von Biobäckereien bezogen. Rund die Hälfte der Produkte bleibt im Ort und trägt wesentlich zur Selbstversorgung der christlichen Gemeinde und ihrer Einrichtungen bei.
Soja in See bei Happurg
Großes Interesse fand auch das generationenübergreifende Zusammenwirken von Vater Ernst Scholz und Sohn Bernhard auf dem Hof. Der Juniorchef hat über seine Masterarbeit die Soja-Pflanze für den Anbau in See entdeckt. Soja eignet sich gut für die Fruchtfolge, lockert den Boden und ist nach der Anwachsphase relativ trockenheitsverträglich, was besonders unter dem Aspekt des Klimawandels wichtig ist. Bernhard Scholz erklärte den Besuchern, wie er aus geschrotetem Soja die Sojamilch gewinnt und zu Tofu weiterverarbeitet.
Hutanger als Lösung im Klimawandel
In der Diskussion ging es um die aktuellen Regelungen zur Weidepflicht im Biobetrieb. Die in See gehaltenen Rinder stammen ursprünglich aus einer norddeutschen Rasse, die gezielt auf hohen Milchertrag gezüchtet wurde. Gerade in Hitzephasen seien Tiere auf Schattenplätze angewiesen, was durch die geltenden Vorgaben nicht ausreichend berücksichtigt werde. Hutanger mit ihren natürlichen Schattenplätzen erschienen vielen Teilnehmenden unter diesen Bedingungen eine zeitgemäße Lösung.
Den kulinarische Ausklang der Besichtigung mit in Öl und Kräutern frittiertem Tofu nutzten die Besucher zum regen Austausch und zur orts- und parteiübergreifenden Vernetzung. Dabei stellten sich einige der Happurger Kandidaten vor: die amtierenden Gemeinderäte der SPD, Andy Roller und Jürgen Süß, sowie Thomas Lindner, Bernhard Scholz, Lutz Obenauer und Gisela Wuttig, die für Bündnis 90/ Die Grünen kandieren, und Marco Schramm (SPD).
