„Fair & Mehr“

Gruppe aus Schwaig informiert sich im Regenwald über Bio-Kaffee

Bauer Admir mit seiner Frau beim Pflücken der Kaffeekirschen.
Bauer Admir mit seiner Frau beim Pflücken der Kaffeekirschen. | Foto: Hans Zeller2026/01/992a83ceb1958c00ab8e78fea127ff7e01fab85f_max1024x.jpg

SCHWAIG – Eine Gruppe aus Schwaig hat bei einem Besuch im brasilianischen Regenwald einem Anbauer von Bio-Kaffee über die Schulter schauen können. Der Produzent verzichtet auf den Einsatz von Chemikalien, doch die Arbeit erfordert viel Zeit.

Brasilien erhielt im November durch die UN-Klimakonferenz COP30 viel öffentliche Aufmerksamkeit. In verschiedensten Medien wurden die Umweltsünden Brasiliens aufgezeigt, das unter anderem für die Urwaldrodung verantwortlich gemacht wird. Eine neunköpfige Gruppe mit Mitgliedern des Schwaiger Eine-Welt-Ladens „Fair & Mehr“ sowie der Kirchengemeinde unter Führung von Hans Zeller besuchte vor Kurzem Projekte von Kleinbauern im mittleren Osten Brasiliens, um zu sehen, ob es auch andere Entwicklungen gibt. Die weitere Reise führte die Schwaiger noch nach Peru und Bolivien.

Am Ortseingang der Stadt Santa Maria de Jetibá empfing Willian die Gruppe, der als Ortspfarrer die Gegend gut kennt. Das ist auch wichtig, da der Weg nach einigen Kilometern durch Vorstadtgebiete in eine bergige Landschaft führt und die Asphaltstraße einer Erdpiste weicht. Diese ist von dichten Bäumen und hohen Sträuchern gesäumt. Dazwischen taucht der Bauernhof von Admir auf. Die Betriebsgebäude liegen in einem Tal. Die Farbe der Pflanzungen und des Regenwaldes, der auf dem oberen Teil des Berges wächst, ist beeindruckend. Die Kaffeepflanzungen sind kleinteilig angelegt, dazwischen wachsen Bäume, Bananenstauden und Büsche. Neben dem Wohnhaus stehen Stallungen für Vieh, Wachteln und Hühner. Im Tal neben der Einfahrt zum Hof befindet sich ein Teich, dicht umwachsen von Büschen, das Betriebsgebäude ist umgeben von Natur.

Verschiedene Geschmäcker

Bei der Begrüßung durch eine Gruppe von Bauern und Kaffeeexperten durfte die Gruppe den eigenen Kaffee probieren. Es gibt Kaffee mit leichtem Apfel-, Zuckerrohr- und Zitronengeschmack. Fachberater Jorge erklärt, dass der Kaffee Romavary – so nennt Admir seinen Kaffee – zur Spitzenqualität gehört und seit 2002 nach ökologischen Kriterien zertifiziert ist.

Die Geschichte des Kaffees Romavary begann 1986, als Admir ein Grundstück in der Gemeinde Santa Maria de Jetibá erwarb. „Ich arbeitete als Teilpächter auf großen Kaffeeplantagen, hatte aber mit Pestiziden zu tun. Als ich mein Land kaufte, wollte ich das ändern. Ich wollte den Einsatz von Chemikalien reduzieren, bis ich gar keine mehr verwenden würde“, erzählte er. Bei Bio-Kaffee wird Kompost aus Hühnermist, Holzmehl und Asche verwendet. Diese Art der Produktion erfordere mehr Arbeit und Zeit, aber die Produktionskosten seien geringer, da die Kompoststoffe billiger seien als chemische Düngemittel.

Die Wachteln dürfen frei herumlaufen, damit sie Schädlinge sammeln. Die Tiere sind für die Kreislaufwirtschaft wichtig, denn auf dem Betrieb werden die Abfälle recycelt und als Dünger oder zur Schädlingsbekämpfung verwendet. Allerdings ist der biologische Anbau mit Mehrarbeit verbunden, was zu höheren Kosten bei biologisch fair gehandeltem Kaffee führt. Admir bewirtschaftet zusammen mit seinem Sohn Messias 16 Hektar, von denen der Kaffeebauer die Hälfte als Regenwald stehen lässt. Er betont: „Wir machen das, da wir der Überzeugung sind, dass nur mit einer reichen Biodiversität ein gesundes Leben existieren kann.“

Leidenschaftlich betreibt Admir zusammen mit seiner Familie den biologischen Kaffeeanbau. Die Bohnen werden von Hand gepflückt. Auch die weiteren Schritte bis hin zur Röstung erfolgen auf dem Hof. Beim Rösten probiert Admir immer wieder neue Formen aus, um unterschiedliche Geschmacksrichtungen zu erzeugen.

Hohe Hürden

Durch den Besuch wurde der Gruppe deutlich, dass mit dem Genuss von fair gehandeltem Biokaffee in Deutschland ein Beitrag zur Erhaltung des Regenwaldes geleistet werden kann. „Mit unserer Kaffeewahl entscheiden wir mit, ob Biodiversität gestärkt wird“, so Hans Zeller, der hofft, dass Amirs Kaffee irgendwann auch im Eine-Welt-Laden in Schwaig verkauft werden kann. Die Hürden dafür seien aber hoch.

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