Innovation

Gruppe aus Hersbruck informiert sich über besondere Form der Energiegewinnung

Die Besucherinnen und Besucher aus Hersbruck und Landshut in der Heizzentrale des Landratsamts, in der Mitte Ulrike Eyrich, Angelika Pflaum, Tom Schaffer, Stefan Steinkohl, Harry Schmidt, schräg dahinter Bauamtsleiter Thomas Stöckl.
Die Besucherinnen und Besucher aus Hersbruck und Landshut in der Heizzentrale des Landratsamts, in der Mitte Ulrike Eyrich, Angelika Pflaum, Tom Schaffer, Stefan Steinkohl, Harry Schmidt, schräg dahinter Bauamtsleiter Thomas Stöckl. | Foto: privat2026/05/Das_Bild_zeigt_die_Besucherinnen_und_Besucher_aus_.jpg

HERSBRUCK – Auf Initiative der Grünen-Stadtratsfraktion haben Mitglieder von Partei und Stadtrat das neue Landshuter Landratsamt besucht – und über eine Heiztechnologie gestaunt, die Energie beim Gefrieren des Wassers abgreift.

Die Hersbrucker folgten einer parteiübergreifenden Einladung von Kommunalpolitikern aus dem Landkreis Landshut, heißt es in der Pressemeldung der Grünen. Das neu gebaute Landratsamt bietet auf drei Ebenen rund 600 Arbeitsplätze. Gesamtkosten: 108 Millionen Euro, reine Gebäudekosten: 95 Millionen Euro. Höhepunkt der Tour war der Eisspeicher im Keller, gefüllt mit 450 Kubikmetern Wasser.

Das Prinzip dahinter ist verblüffend schlicht: Wenn Wasser zu Eis gefriert, gibt es mehr Energie ab als beim bloßen Abkühlen von Wasser. Der Eisspeicher macht sich genau das zunutze. Im Tank befinden sich Rohrleitungen, durch die ein Kältemittelgemisch fließt. Dieses entzieht dem Wassertank Wärme und bringt das Wasser zum Gefrieren – dabei wird Kristallisationswärme frei. Eine Wärmepumpe „hebt“ diese Niedertemperaturwärme auf ein für die Gebäudeheizung nutzbares Niveau von 35 bis 55 Grad Celsius. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert dafür den Strom.

Im Sommer kehrt sich das Prinzip um

Im Sommer läuft das Prinzip umgekehrt: Die Abwärme des Gebäudes gelangt in den Speicher und taut das Eis langsam wieder auf – natürliche Kühlung. Die Wärmepumpe ist das Bindeglied: Sie nimmt die auf niedrigem Temperaturniveau gespeicherte Energie aus dem Eisspeicher auf und verdichtet sie so weit, dass sie der Raumheizung und Warmwasserbereitung dient. Vereinfacht gesagt: Die Wärmepumpe ist der Motor, der Eisspeicher der Tank – und das Wasser darin ist sowohl Träger- als auch Speichermedium in einem. „Das Faszinierende ist die Menge an Energie, die im Wechsel zwischen Eis und flüssigem Wasser steckt“, erläuterte der Leiter des Bauamts, Thomas Stöckl. Das mache den Eisspeicher zu einem kompakten und wartungsarmen Langzeitspeicher.

Das Besondere am Energiekonzept des neuen Landshuter Landratsamts sei nicht eine einzelne Technologie, sondern ihr intelligentes Ineinandergreifen. Vier Komponenten bilden ein abgestimmtes Gesamtsystem, das über alle Jahreszeiten hinweg funktioniert: Photovoltaik mit Batteriespeicher, Eisspeicher, Wärmepumpe und Luftwärmepumpe sowie Solarthermie. Letztere ergänzen bei jahreszeitlichen Schwankungen den Heizungsbedarf und regenerieren den Eisspeicher.

Einhellige Reaktionen über Fraktionen hinweg

Die Reaktionen der Besucherinnen und Besucher fielen einhellig aus – und das über alle Fraktionsgrenzen hinweg. „Ich hätte nicht gedacht, dass man mit Wasser, das gefriert, ein Gebäude dieser Größe beheizen kann“, sagte ein Besucher nach der Führung. „Mich überzeugt zusätzlich die Verwirklichung der Schwammstadt-Idee: Das Regenwasser wird in Mulden zurückgehalten, bis es im Grundwasser versickert. Die Sickermulden fügen sich naturnah in die Außenanlagen ein“, so Ulrike Eyrich beim anschließenden Austausch mit den Landshuter Kommunalpolitikerinnen und -politikern.

Das Landshuter Modell eigne sich für jeden Neubau öffentlicher Gebäude. Doch ließe es sich auch auf das private Eigenheim übertragen? Mit Einschränkungen, heißt es in der Pressemeldung der Grünen. Für Bestandsgebäude mit Heizkörpern sei die Technologie nur bedingt geeignet, denn Eisspeicher-Wärmepumpen arbeiten nur effizient bei niedrigen Vorlauftemperaturen.

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