LAUF – 19 überlebensgroße Porträts, persönliche Geschichten und die Frage, was es bedeutet, fliehen zu müssen: Am 28. September eröffneten die Integrationslotsen Nürnberger Land die Wanderausstellung „Schau mich an – Gesicht einer Flucht“ im Industriemuseum in Lauf. Die Ausstellung ist noch bis 11. Oktober zu sehen.
Die aus Nordrhein-Westfalen stammende Ausstellung möchte dazu anregen, genauer hinzusehen, wenn es um Menschen geht, die ihre Heimat verlassen mussten. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die abstrakte Zahl von Geflüchteten, sondern der einzelne Mensch mit seiner persönlichen Geschichte.
Integrationslotsin Carina Fiebich-Dinkel griff diesen Gedanken in ihrer Begrüßung auf. Es gehe darum, sich den Menschen zuzuwenden, die in Deutschland Schutz vor Verfolgung, Krieg und zerstörten Lebensgrundlagen suchen, ihre Geschichten anzuhören und den einzelnen Menschen wahrzunehmen – jenseits von stereotypen Zuschreibungen und Vorurteilen.
Umgeben von 19 überlebensgroßen Porträts meist junger Menschen aus Ländern wie Eritrea, Irak, Syrien oder Afghanistan und ihren persönlichen Erzählungen bekam dieser Appell eine besondere Eindringlichkeit. Gleichzeitig zeigen die Porträts: Flucht und Vertreibung sind keine Erscheinungen unserer Zeit. Auch Menschen, die im Zweiten Weltkrieg oder während der DDR fliehen mussten beziehungsweise vertrieben wurden, sind Teil der Ausstellung. Ihre Geschichten schlagen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Auch Landrat Armin Kroder ging in seinem Grußwort auf die zunehmende Härte ein, die geflüchteten Menschen entgegenschlägt. Gleichzeitig verwies er auf die vielfältigen Integrationsleistungen, die viele Geflüchtete erbringen – gerade in einer Zeit, in der Zuwanderung verstärkt gebraucht werde. Die Zweite Laufer Bürgermeisterin Erika Vogel betonte ebenfalls, wie wichtig es sei, sich den Menschen zuzuwenden, ihr individuelles Schicksal wahrzunehmen und sie als Teil unserer Gesellschaft zu begreifen.
Zwei persönliche Geschichten machten anschließend besonders anschaulich, was hinter einer Flucht steht: Die Schwestern Lara und Sara erzählten von ihrem Weg aus dem Irak nach Deutschland. Gemeinsam mit ihren Eltern flohen sie über mehrere Länder und begannen hier ein neues Leben. Heute machen sie eine Ausbildung beziehungsweise sind berufstätig. Bei der Vernissage berichteten sie eindrücklich von ihren Erfahrungen – von den schönen Gefühlen des Willkommenseins und des Neubeginns, aber auch von Ablehnung und Schwierigkeiten.
Dass Integration dabei keine Einbahnstraße ist, zeigt ihr eigenes Engagement. Integrationslotse Frank Durta ist voll des Lobes: „Sara und Lara haben wie viele andere auch bei uns eine Ausbildung zu Laiendolmetscherinnen gemacht und leisten auf diese Weise einen großen Beitrag zur gegenseitigen Verständigung.“
Auch die parallel präsentierten Werke zweier Künstler nähern sich dem Thema Flucht und Heimat auf ganz eigene Weise. Der syrische Maler Kojow, alias Ez Eddin Omar, zeigt 27 Ölgemälde, die vor allem seine ländlich geprägte Heimat in Syrien darstellen. Der Erlanger Fotograf Andreas Lechner präsentiert eine sechsteilige Porträtserie der ukrainischen Musikerin Tetiana Yuriivna. Ihre Bilder erzählen von Verlust, Flucht und dem schwierigen, aber hoffnungsvollen Weg des Neuanfangs.
Info: Die Ausstellung ist noch bis 11. Oktober von 11 bis 17 Uhr im Industriemuseum Lauf (Stahllager), Sichartstraße 5–25, 91207 Lauf a. d. Pegnitz, zu sehen. Aufgrund einer Treppe ist sie leider nicht barrierefrei zugänglich. Der Besuch ist im regulären Museumseintritt enthalten.
