Vom neuen Nahverkehrsplanprofitieren vor allem die ländlichen Gebiete

Deutlich mehr Busse im Schnaittachtal

Ab 2024 fahren deutlich mehr Busse durch den Landkreis. Wobei es sich bei Rufbussen, die nur auf Bestellung kommen, oft um Taxis handelt. | Foto: PZ-Archiv2019/10/Bus_bearbeitet.jpg

Nürnberger Land – Das Nürnberger Land baut auf den öffentlichen Nahverkehr. Am Montag ist im Kreistag mit zwei Gegenstimmen die zweite Fortschreibung des Nahverkehrsplans verabschiedet worden.

Größtes Novum in dem Papier: Künftig sollen alle Gemeinden in der Zeit zwischen etwa 5 und etwa 20 Uhr stündlich mit Bussen oder Bahnen angebunden sein – mindestens per Rufbus (siehe unten). Bislang wurden viele Orte im ländlichen Raum, etwa im Schnaittachtal, nur wenige Male am Tag von Bussen angesteuert.

Künftig 19 statt elf Fahrten auf der Linie 341

So gibt es auf der Linie 341 (Schnaittach – Simmelsdorf – Strahlenfels und zurück) bisher montags bis freitags elf Fahrten je Richtung. Künftig soll es mittels Rufbus weitere acht Fahrten im Stundentakt geben. Die Gemeinden mussten stündliche Fahrten, wenn sie sie denn wollten, bisher selbst bezahlen. Künftig macht das der Landkreis.

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In Lauf oder Röthenbach, im sogenannten Verdichtungsraum (siehe Karte), gibt es sowieso bereits eine gute Anbindung mit Linien- und Rufbussen. Dort soll der Stundentakt durch zusätzlichen Festverkehr, also Linienbusse, erreicht werden.

Nahverkehrsplan für den Landkreis Nürnberger Land – Zum Zoomen anklicken – Quelle: VGN2019/11/Nahverkehrsplan_nuernberger_land.jpg

Deutlich höhere Kosten

Der Landkreis lässt sich diesen Schritt allerdings einiges kosten. Zwischen einer und 1,7 Millionen Euro jährliche Mehrkosten kommen auf das Nürnberger Land zu, schätzt man im Landratsamt. In diesem Jahr bezahlt das Nürnberger Land für Verträge mit den Verkehrsunternehmen etwa 4,9 Millionen Euro. Die Kostensteigerung liegt also etwa zwischen 20 und 33 Prozent. Diese Mehrausgaben gibt der Landkreis über die Kreisumlage an die einzelnen Kommunen weiter.

Bis die Umstellungen bei den Bürgern ankommen, dauert es allerdings noch mindestens fünf Jahre. Denn die bestehenden Verträge mit den Busunternehmen laufen erst zwischen 2024 und 2027 aus. „Wir versuchen, im Rahmen der bestehenden Verträge vereinzelt Verbesserungen zu ermöglichen“, sagt Uwe Scharrer, der Sachgebietsleiter des Bereichs Öffentlicher Personennahverkehr zwar. In Masse ändern sich die Fahrpläne aber eben erst ab 2024.

Direkverbindung Altdorf-Hersbruck denkbar

Bei der Präsentation des neuen Nahverkehrsplans wurde auch die vor Kurzem eröffnete Schnellbuslinie zwischen Lauf und Altdorf angesprochen. Diese sei bisher gut ausgelastet. Sollte sie sich etablieren, ist eine weitere Direktverbindung zwischen Altdorf und Hersbruck denkbar, so Jonas Hüsam vom ÖPNV beim Landratsamt.

Im Kreistag gab es für den neuen Plan viel Zuspruch. Landrat Armin Kroder lobte, der öffentliche Nahverkehr werde im Landkreis „auf eine neue Qualitätsstufe gehoben“. Dabei erwähnte er aber auch die deutliche Kostensteigerung.

Robert Ilg, Fraktionssprecher der Freien Wähler, sah „viele Verbesserungen“, sprach aber auch die höheren Kosten an. „Wir werden uns finanziell dauerhaft aus dem Fenster lehnen“, so Hersbrucks Bürgermeister.

Mehr Werbung für ÖPNV nötig?

Horst Topp (Grüne) sagte, mit dem Plan werde eine langjährige Forderung der Grünen umgesetzt. Der Altdorfer setzte sich für eine schnellere Verfügbarkeit von Rufbussen ein und forderte, dass es mehr Werbung für den ÖPNV geben solle. Dafür sprach sich auch Bruno Schmidt (SPD) aus. Der Reichenschwander Bürgermeister wünscht sich, den öffentlichen Nahverkehr „ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken“.

Man sei durch den neuen Plan „auf dem richtigen Weg“, so Schmidt, die Landgemeinden seien künftig ganz gut angebunden. Christa Heckel (Grüne) sagte, der Landkreis müsse sich für mehr Elektrifizierung einsetzen. Und das Gremium solle sich bereits jetzt Gedanken über die Zukunft machen. „Nach dem Nahverkehrs­plan ist vor dem Nahverkehrsplan“, so die Hersbruckerin.

Von Horst Topp und Cornelia Trinkl (CSU) wurde der Wunsch nach einer App angesprochen, mit der man Tickets für den ÖPNV kaufen könnte. Mit der VGN-App geht das bereits, damit kann man Fahrkarten für den Schienen- und Buslinienverkehr erwerben. Ein derartiges Angebot für den Rufbus fehlt allerdings.

Bei Anruf Bus

Rufbusse ergänzen den Linienbusverkehr im gesamten Nürnberger Land. Sie fahren in Zeiten, in denen kein Linienbus kommt, beispielsweise morgens und abends. Rufbusse fahren aber, wie der Name schon sagt, nur nach Anruf, man muss sie also telefonisch bestellen, ähnlich wie Taxis – teilweise handelt es sich sogar um Taxis, die als Subunternehmer die Busfahrten übernehmen. Der Vorteil: Für eine Fahrt mit dem Rufbus wird der gleiche ÖPNV-Tarif bezahlt, als wäre es ein normaler Bus. Wer also beispielsweise eine Mobicard für den Verbundraum besitzt, fährt damit kostenlos.

Der Unterschied zum Taxi: Die Rufbusse sind liniengebunden, man muss also zu den genannten Zeiten an der Haltestelle zusteigen und kann als Ziel auch nur eine der anderen Haltestellen auf der regulären Buslinie angeben. Eine Fahrt etwa von Kersbach nach Altdorf ist nicht möglich, auch wird man nicht bis zur eigenen Haustür gefahren.

Mindestens eine Stunde vorher anrufen

An den regulären Haltestellen gibt es Fahrpläne, die auch die optionalen Fahrten von Rufbussen (RBU) anzeigen. Wer diese in Anspruch nimmt, muss den Bus aber mindestens eine Stunde vorher telefonisch bestellen. Die Telefonnummer steht unter anderem auf den Fahrplänen vor Ort.

Künftig, also mit Inkrafttreten der neuen Verträge ab dem Jahr 2024, profitieren etliche Orte im ganzen Landkreis von diesem Angebot. Bisher hätten sich die Kommunen selbst um ein stündliches Rufbus-Angebot kümmern können. Beispielsweise in Schnaittach und Simmelsdorf war dies aber nicht der Fall. Viele Orte im Schnaittachtal werden aktuell deshalb nur wenige Male am Tag angefahren.

Per Rufbus zum Bahnhof

Die Zeiten sollen sich im neuen Nahverkehrs­plan auch nach den Anschlussmöglichkeiten richten, sagt Uwe Scharrer, Sachgebietsleiter vom ÖPNV beim Landratsamt, also etwa nach der Schnaittachtalbahn. Grob gesagt wird es Rufbusse als Ergänzung zum Linienverkehr an allen Haltestellen zwischen etwa 5 Uhr und 20 Uhr geben.

Die stündliche Verfügbarkeit des ÖPNV auch im ländlichen Raum bezeichnet Scharrer als „Meilenstein“. Nun ginge es darum, das Angebot in der Bevölkerung bekannter zu machen. 

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer