8000 Patienten

Der Stationäre Alkoholentzug am Krankenhaus Altdorf ist 15 Jahre alt

Ein großes Team kümmert sich am Altdorfer Krankenhaus um die Patientinnen und Patienten, die einen stationären Alkoholentzug machen möchten. | Foto: Krankenhäuser Nürnberger Land2022/08/Team-Alkoholentzug-K_kenhaus-Altdorf-2-scaled.jpg

ALTDORF/NÜRNBERGER LAND – Das Altdorfer Krankenhaus feiert heuer ein kleines Jubiläum: Seit 15 Jahren gibt es den stationären Entzug in der Klinik – ein einmaliges Angebot innerhalb der Metropolregion.

„Wenn ein Mensch bereits deutliche körperliche und seelische Beeinträchtigungen durch den Alkohol hat, muss der Entzug stationär erfolgen und fachärztlich eng begleitet werden“, sagt Dr. med. Peter Heepe, Facharzt für Psychiatrie und Suchtmediziner am Klinikum Nürnberg, zu dem das Altdorfer Krankenhaus gehört.

Gemeinsam mit den Fachärzten der Internistischen Abteilung des Altdorfer Krankenhaus, Psychotherapeuten, Sozialpädagogen, Physiotherapeuten und einer Ernährungsberaterin begleitet er den zehntägigen Aufenthalt der Patienten auf der seit 2006 eigens dafür existierenden Station im 3. Stock des Altdorfer Krankenhauses.

Im 3. Stock des Altdorfer Krankenhauses sind die Patienten untergebracht, die an einem stationären Alkoholentzug teilnehmen. / Foto: Uwe Niklas2022/08/Krankenhaus-Altdorf-1-scaled.jpg

Die Nachfrage nach dieser Kombination aus stationärer internistischer Betreuung und begleitender psychotherapeutischer Hilfe sei in der Metropolregion durchgehend hoch, so das Klinikum Nürnberg. Seit 2006 haben haben mehr als 8000 Patientinnen und Patienten das Programm durchlaufen, teilt das Klinikum Nürnberg in einer Pressemeldung mit.

Alkohol schadet Organen

Rund 1,6 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren gelten laut Zahlen des Bundesministeriums für Gesundheit als alkoholabhängig. Bei vielen von ihnen hat der übermäßige Konsum bereits zu chronischen Erkrankungen geführt. Besonders Herz, Leber und Kreislauf sind betroffen.

Unsere Patienten haben oft bereits Folgeerkrankungen bis hin zu Einschränkungen der Organe. Wir checken sie deshalb gleich zu Beginn internistisch von Kopf bis zum Fuß“, sagt Dr. Adrian Vizireanu, Ärztlicher Leiter der Inneren Abteilung des Altdorfer Krankenhauses. „Nicht selten entdecken wir dabei leider auch etwas, das zusätzlich therapiert und behandelt gehört.“

Strukturen im Alltag

Therapiert wird in Kleingruppen zu acht Personen. Ein fester und strukturierter Tagesablauf, medizinische Untersuchungen, Bewegung und Einzel- und Gruppengespräche sind wichtiger Bestandteil des Aufenthaltes. Oft Folgeerkrankungen vorhanden

Die allermeisten der Patienten, die zum Entzug nach Altdorf kommen, tun dies freiwillig, sie wollen loskommen vom Alkohol und kommen mit großen Erwartungen auch an sich selbst. Genauso wichtig wie der körperliche Entzug ist es deshalb, sie seelisch zu stabilisieren und darin zu bestärken, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. „Es hilft einem Alkoholkranken nichts, wenn der Körper entgiftet ist, aber das Leben, das ihn in diese Abhängigkeit gebracht hat, danach in gleicher Weise weitergeht. Er wird früher oder später in alte Muster zurückfallen und wieder zu trinken beginnen“, weiß Psychiater Dr. Peter Heepe.

Hohe Rückfallquote

Grundsätzlich sei die Rückfallquote insbesondere bei Alkoholabhängigkeit sehr hoch. „Das hat auch etwas damit zu tun, dass Alkoholabstinenz in Teilen unserer Gesellschaft leider nach wie vor nicht respektiert wird und es große Standhaftigkeit braucht, um Nein zu sagen, wenn alle im Umfeld Alkohol
trinken“, so Heepe.

In Einzel- und Gruppengesprächen schauen die Therapeuten und Ärzte in Altdorf während der zehn Tage deshalb auch die jeweilige Lebenssituation genau an. „Wie ist das soziale Umfeld, wo braucht der Patient, wenn er wieder in häuslicher Umgebung ist, Unterstützung,“ sagt Sozialtherapeut Stephan Remdt. Zeige sich, dass der Betroffene eine akute Krise habe, könne eine Reha helfen, um Abstand zu gewinnen. „Wir geben den Patienten eine Reihe von Hilfen an die Hand. Das ist ein ganz entscheidender Faktor für den dauerhaften Erfolg des Entzugs“, so Remdt.

Den Körper wieder lieben lernen

Den Blick auf den eigenen Körper lenken Zum Stationären Alkoholentzug am Krankenhaus Altdorf gehört es auch, die Patientinnen und Patienten – der Anteil der Frauen beträgt rund 40 Prozent zu mobilisieren und ihren Blick wieder auf den eigenen Körper zu lenken. Viele haben sich durch die Abhängigkeit kaum mehr bewegt, wissen durch die Krankheit nicht mehr, wie man sich gesund ernährt. „Sie müssen lernen, wieder auf ihren Körper zu achten, sich selbst Gutes zu tun“ sagt Ernährungsberaterin Gabi Weigl, die die Patienten schult.

Im hauseigenen Fitnessraum des Krankenhauses trainieren die Patienten mit Therapeuten Beweglichkeit und Ausdauer. Auch Spaziergänge und Geschicklichkeitsspiele gehören zum Programm. „Es hat mir ungemein geholfen, zu erkennen, dass ich körperlich noch etwas kann“, sagt eine Patientin. „Ich hatte mich in der Krankheit komplett verloren“.

Anonym und familiär zugleich

Im April 2022 hat das Krankenhaus Altdorf nach einer Pause wegen Corona das Programm des Stationären Alkoholentzugs wieder aufgenommen. Die Patientinnen und Patienten kommen aus der gesamten Metropolregion Nürnberg, teilweise sogar von weit weg, nach Altdorf. „Zum einen sind viele froh um die Anonymität, dass Familie und berufliches Umfeld nicht mitbekommen, dass sie einen Entzug machen. Andererseits schätzen die Patienten das familiäre Klima unseres kleinen Hauses und dass sie auch internistisch betreut werden“, sagt Dr. Adrian Vizireanu. „Das hilft, ins Gespräch zu kommen und Perspektiven zu entwickeln, wie die Patienten nach dem Entzug wieder Fuß fassen und sich ein Leben ohne Sucht aufbauen können.“

Mehr Infos

Für eine Aufnahme in den Stationären Alkoholentzug in Altdorf ist eine Überweisung des behandelnden Arztes und eine persönliche telefonische Kontaktaufnahme notwendig. Akute Notfälle werden nicht aufgenommen. „Für sie sind die Notfallpraxen und Notaufnahmen in der Region und am Klinikum Nürnberg die richtige Anlaufstelle“, betont Dr. Adrian Vizireanu.

Hier geht’s zur Homepage des Krankenhauses Altdorf und einem Film über den
Stationären Alkoholentzug.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren