Nürnberger Land – Wie lässt sich Menschen besser helfen, die zugleich an einer Suchterkrankung und einer psychischen Erkrankung leiden? Dieser Frage widmete sich das Forum „Cannabis und psychische Erkrankungen“, zu dem rund 25 Fachkräfte aus der Region Nürnberger Land im Don-Bosco-Haus in Hersbruck zusammenkamen. Eingeladen hatte die Psychosoziale Beratung des Gesundheitsamts Nürnberger Land im Rahmen des Arbeitskreises Sucht.
Arbeitskreis und Forum sind im Regionalen Steuerungsverbund im Landkreis Nürnberger Land verankert – einem Zusammenschluss der Leistungsträger und Leistungserbringer im psychiatrischen, psycho- und suchttherapeutischen sowie psychosomatischen Handlungsfeld. Entsprechend breit war das Spektrum der Teilnehmenden: aus Suchthilfe und Psychiatrie, aus Kliniken, dem Sozialpsychiatrischen Dienst, dem ambulant Betreuten und Stationären Wohnen, der Ergo- und Arbeitstherapie, der Bewährungshilfe, der Selbsthilfe sowie aus der Streetwork.
Keine leichtfertige Verschreibung
Den fachlichen Auftakt bildete ein Impulsvortrag von Dr. Kiderman, Oberarzt an der Frankenalb-Klinik Engelthal. Er beleuchtete die Zusammenhänge zwischen Cannabiskonsum und psychischen Erkrankungen und ordnete die besonderen Herausforderungen ein, die sich für die Versorgung ergeben. Dabei warnte er ausdrücklich vor einer unkritischen Verschreibung von Medizinalcannabis: „Medizinalcannabis ist nur für bestimmte Erkrankungen offiziell zugelassen, für eine Behandlung psychiatrischer Erkrankungen wie ADHS gibt es aktuell keine Evidenz. Die leichtfertige Verschreibung von Medizinalcannabis kann schwerwiegende Folgen für die Betroffenen haben und psychiatrische Erkrankungen verschlechtern.“
Vertieft wurde das Thema anschließend in drei Workshops. Sie widmeten sich der Frage der Therapiefähigkeit bei fortbestehendem Konsum, dem Spannungsfeld zwischen Schadensminderung und Abstinenz in der Beratung sowie den Schnittstellen und Versorgungslücken in der Begleitung von Menschen mit Doppeldiagnose. Im abschließenden Plenum trugen die Gruppen ihre Ergebnisse zusammen. Deutlich wurde, wie unterschiedlich die Perspektiven der einzelnen Professionen auf denselben Fall ausfallen – und wie sehr der direkte Austausch hilft, Zuständigkeiten zu klären und Brüche in der Versorgung sichtbar zu machen.
„Die Veranstaltung hat gezeigt, wie viel entsteht, wenn Klinik, Suchthilfe, Eingliederungshilfe, Justiz und Selbsthilfe an einem Tisch sitzen. Doppeldiagnosen lassen sich nicht von einer Stelle allein bewältigen – es braucht genau diesen abgestimmten Blick“, erklärte Imanuel Ziefle, Organisator des Forums. Eine Fortsetzung der Reihe ist bereits angedacht. Dann geht es um das Thema Bedarfsplanung mit Christopher Weyerich vom Bezirk Mittelfranken, um zu prüfen, wie der Arbeitskreis Sucht seine Funktion im Regionalen Steuerungsverband mit Bedarfsanträgen besser unterstützen kann.
Info: Näheres bei der Psychosoziale Beratung des Gesundheitsamtes Nürnberger Land. Ansprechpartner ist Imanuel Ziefle: Telefon: 09123/9506541 oder E-Mail an [email protected].
