PPG Hersbruck

118 Abi-Zeugnisse

Haben den Abschluss in der Tasche: 118 freudestrahlende Abiturienten mit ihren Zeugnissen. | Foto: Schoberfoto2019/07/800_47891.jpeg

HERSBRUCK – 118 Schüler haben ihr Abi in der Tasche. Sie seien jetzt „rehABIlitiert“, verkündeten sie auf ihrer Abschlussfeier stolz, und dürfen nun ihre Anstalt, das PPG, verlassen.

Die beiden Abiturienten Theo Knodt und Eugene Esperante führten charmant und witzig durch den Spätnachmittag. Vor allem Letzterer erntete viel Applaus, war er doch im vergangenen Jahr noch durch das Abitur gerasselt. Diesmal aber meisterte er die Prüfungen. Seine Ehrenrunde bereue er nicht, habe er in diesem Jahr doch wunderbare Menschen kennengelernt, so Esperante.

Auch Bürgermeister Robert Ilg ging in seiner Rede auf den jungen Mann ein, lobte das Schulsystem, das eine zweite Chance gewähre, und das „tolle Gemeinschaftsgefühl“ unter den Abiturienten. „Ihr seid ein außergewöhnlicher Jahrgang“, so Ilg.

Das zeigte sich nicht zuletzt auch daran, dass Jonna Wunderlich, die das PPG im vergangenen Jahr vorzeitig verlassen hatte, quasi aus der Anstalt geflüchtet war, wie sie es formulierte, nun zur Abifeier ihrer ehemaligen Mitschüler gekommen war und auf der Bühne selbst geschriebene Texte über jedes ihrer Jahre am PPG vortrug. Da war vom schlechten Mensa-Essen die Rede, von Mathe-Problemen und von Lehrern und ihre Schwierigkeiten, Fenster richtig zu schließen.

Auch drei Abiturienten begeisterten das Publikum mit einem Poetry Slam. Katharina Katharina Struck philosophierte über Reclam-Hefte, die einem eine „Aura von Intellektualität“ verleihen oder zumindest als Untersetzer für wacklige WG-Tische gut sind. Anna Sollner und Lennart Schmidt hatten für jeden ihrer Mitschüler ein paar gereimte Verse übrig, meinten am Schluss aber: „Ihr seid so viel mehr als zwei Zeilen. Man könnte ein ganzes Buch über euch schreiben.“ Da würde dann selbst Goethe sagen: „Krass.“

Happy End am Schluss

„Das Kapitel Schule schließt sich für euch mit einem Happy End“, sagte Tanja Heidner vom Förderverein des PPG. „Ihr könnt stolz auf euch sein.“ Und das waren die 118 Abiturienten auch. Sie freuten sich sichtlich, endlich die psychiatrische Praxisgemeinschaft, respektive das PPG, verlassen zu dürfen.

Das Therapieziel sei ganz gut erreicht worden, fanden Stella Mandl und Katharina Struck, die die Abiturrede hielten. Ihren „Ärzten“ und allen, die an ihrer Genesung beteiligt gewesen seien, dankten sie. Und für PPG-Chef Klaus Neunhoeffer gab’s sogar ein kleines Abschiedsgeschenk: eine Tasse mit der Aufschrift „Anstaltsleitung“. „Damit es Ihnen heiß und kalt wird, wenn Sie an uns denken“, so die beiden.

Neunhoeffer nahm das Geschenk dankend an und forderte die Abiturienten auf, sich in der Gesellschaft zu engagieren und sich einzumischen – gerade in Zeiten, in denen aufgrund der Anonymität in den sozialen Netzwerken Enthemmung und Aggressivität immer mehr zunehmen. „Seid offen und tolerant“, sagte er. Den Schülern, die bei „Fridays for Future“-Demos die Einhaltung der vereinbarten Klimaschutzziele einfordern, zollte er – unterstützt von lautem Applaus aus dem Publikum – Respekt.

„Engagiert euch, arbeitet mit in Vereinen, Parteien, Rettungsorganisationen“, wünschte sich auch stellvertretende Landrätin Cornelia Trinkl von den Abiturienten. „Ihr habt jetzt gelernt, wie man selbstständig denkt“, sagte sie. Genau das sei auch das Anliegen der Lehrer gewesen. „Wir bemühten uns, unsere Insassen auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten“, erklärte Oberstufenkoordinator Jochen Engert und griff damit das diesjährige Abi-Motto „RehABIlitiert – Wir verlassen die Anstalt“ wieder auf.

Schnitt von 2,32

Der Abischnitt der 64 jungen Frauen und 54 jungen Männer liege bei 2,32. Die drei Besten, die zudem von der Raiffeisenbank Hersbruck ausgezeichnet wurden, sind: Patricia Himml (1,0), Philipp Wiedemann und Katharina Grötsch (beide 1,1).

Freudestrahlend liefen die Abiturienten schließlich zu selbst gewählten Liedern ein und nahmen ihre Zeugnisse entgegen. Dazu gab es vom Förderverein für jeden eine Rose und einen Kugelschreiber mit dem eigenen Namen und dem Schriftzug des PPG. „Ich hoffe sehr, dass Ihr dieses Haus lieben gelernt habt“, hatte zuvor Christl Schäfer-Geiger vom Elternbeirat in ihrer Rede zu den Abiturienten gesagt. Sie wünschte den jungen Frauen und Männer viel Glück für das, was jetzt komme und erinnerte daran: „Reich ist nicht der, der viel hat, sondern der, der nicht viel braucht.“

Im Rahmen der Abiturfeier wurden neben den drei besten noch weitere Abiturienten für besondere Leistungen geehrt. Den Bio-Zukunftspreis der Stiftung Natur Mensch Kultur ging zum Beispiel an Florian Niebler. Philipp Wiedemann erhielt einen Buchpreis für seine Seminararbeit in Physik. Der Förderpreis der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg ging an Julian Klöss. Ein Mint EC-Zertifikat bekamen Julian Klöss und Jasmin Campagna.

Und für hervorragende Physikleistungen wurden von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft geehrt: Philipp Wiedemann, Vanessa Geyer, Sascha Hofmann, Julian Klöss, Kai Jonathan Kuhn, Florian Niebler und Tamara Sucker.

N-Land Katja Bub
Katja Bub