„Was Bamberg leistet, ist beeindruckend“

Schlicker zieht den Hut

Läuft es nicht nach Plan, kann Feuchts Trainer Florian Schlicker am Seitenrand schon einmal wild werden. Zuletzt gab ihm seine Mannschaft beim 3:1-Sieg über den ASV Cham jedoch keinen Grund dazu. Auch gegen den Tabellenzweiten FC Eintracht Bamberg sollen die Punkte im Feuchter Waldstadion bleiben. | Foto: Sportfoto Zink2021/10/SC-Feucht-Florian-Schlicker-scaled.jpg

Bayernliga Nord: In der Partie zwischen dem SC Feucht und dem FC Eintracht Bamberg trifft das
heim- auf das auswärtsstärkste Team. Dementsprechend groß ist der gegenseitige Respekt bei beiden Trainern.

Wir fühlen uns im Waldstadion einfach pudelwohl“, sagte SC-Trainer Florian Schlicker bereits vor einigen Wochen gegenüber dem Boten auf die Frage, warum seine Mannschaft zu Hause so gerne und konstant Punkte hamstert. Kein anderes Team ist in der laufenden Bayernligasaison auf dem eigenen Rasen erfolgreicher als die Zeidler, sechs Siege und zwei Unentschieden stehen nach acht Heimspielen zu Buche.

Ob sich der Aufsteiger auch Freitagabend um kurz vor 21 Uhr noch als ungeschlagen bezeichnen darf? Immerhin ist mit dem FC Eintracht Bamberg nicht nur der Tabellenzweite zu Gast im Waldstadion (19 Uhr), sondern zugleich auch das auswärtsstärkste Team der Liga. Mit 42 erzielten Treffern stellt Bamberg obendrein die gefährlichste Offensive, Angreifer Jakob Tranziska führt die Torschützenliste mit 16 Treffern an, Mannschaftskollege Franz Helmer traf bereits zehnmal – jede Menge Offensivpower, die da auf Feuchts Abwehrchef Tamino Gratz und Co. zukommen wird.

„Grundsätzlich hat man ja immer zwei Möglichkeiten: Hinten reinstellen und hoffen, dass man kein Gegentor fängt. Oder selbst agieren und versuchen, das eigene Spiel durchzubringen. Ich will Letzteres. Wir werden auch gegen offensivstarke Bamberger unsere Spielphilosophie nicht ändern“, stellt Florian Schlicker klar.

Hochachtung vor Bamberg

Respekt hat Feuchts Cheftrainer ohnehin vor jedem Gegner, vor der Leistung des FC Eintracht Bamberg ist der aber noch einmal größer. „Ich hatte Bamberg vor der Saison ehrlich gesagt gar nicht so auf dem Schirm“, gesteht Schlicker, ehe er ausführt: „Was sie in dieser Saison bislang zeigen, ist schon beeindruckend. Das, was ich rund 60 Minuten lang beim Auswärtsspiel in Neumarkt am vergangenen Wochenende gesehen habe, war richtig stark. Das Tempo, die fußballerische Klasse – Hut ab“, beschreibt er die starke Leistung der Bamberger, mit der sie sich in Neumarkt verdient mit 4:2 durchgesetzt haben.

Gründe für den sportlichen Aufschwung beim Kontrahenten sieht Schlicker nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz: „Es ist eine sehr junge Truppe, die aber bereits seit vielen Jahren zusammenspielt und jetzt eineinhalb Jahre Zeit hatte, um zu reifen. Dazu haben sie mit Julian Kolbeck einen guten Griff auf der Trainerposition gemacht.

Apropos Kolbeck: Was erwartet der Bamberger Trainer für ein Spiel? „Es wird mit Sicherheit eine Partie auf spielerisch hohem Niveau, beide Mannschaften spielen aktiv nach vorne. Man merkt, dass Feucht viele Spieler aus Nachwuchsleistungszentren hat, sie sind technisch richtig gut aufgestellt. Wir wollen natürlich unsere Welle weiterreiten und auswärts punkten. Aber wir wissen auch, dass es ein schweres Spiel werden wird.

„Frische und moderne Spielidee“

Als Grundstein für den bisher so erfolgreichen Saisonverlauf nennt Kolbeck mehrere Gründe. „Viele unserer Spieler kommen aus der Region oder aus Bamberg selbst und spielen seit einigen Jahren zusammen. Es herrscht ein großer Zusammenhalt im Team, jeder gibt für den anderen alles, jeder gönnt dem anderen alles. Bislang haben wir eine gute Balance zwischen guter Offensive und kompakter Defensive gefunden. Und wir haben eine frische, moderne Idee. Heißt: Wir legen großen Wert auf attraktiven Fußball, wollen spielerische Lösungen finden und nicht kick and rush spielen. Dazu kommt hohes Pressing, kompaktes Verteidigen und vor allem Zielstrebigkeit im Spiel nach vorne.

Frisch und modern – diese beiden Adjektive treffen nicht nur auf das Bamberger Fußballspiel, sondern auch auf den Trainer selbst zu. Aufgrund vieler Verletzungen hat Kolbeck seine aktive Karriere 2018 bei der SpVgg Bayreuth aufgegeben, für die Oberfranken und die SpVgg Greuther Fürth II absolvierte er 143 Regionalligaspiele.

Ich hatte schon immer großes Interesse am Trainerwesen und wollte schon früh ins Trainergeschäft schnuppern. Es freut mich natürlich, dass ich bereits jetzt so gut Fuß fassen konnte. Als erstes ist es mein Ziel, mit Bamberg etwas aufzubauen und eine gewisse Spielkultur zu etablieren. Aber ich denke schon auch, dass die Bayernliga nicht Endstation für mich ist. Ich habe ambitionierte Ziele, setze mich aber nicht unter Druck. Ich bin ganz entspannt und schaue, was da in Zukunft noch kommen wird“, sagt der 27-Jährige bescheiden. Erst einmal legt Kolbeck seinen Fokus auf das Spiel am Abend in Feucht.

Klare Spielidee, klare Ansagen: Bambergs Trainer Julian Kolbeck beim 4:2-Auswärtssieg beim ASV Neumarkt vergangenen Sonntag. Foto: Sportfoto Zink2021/10/Bamberg-Eintracht-Kolbeck-Julian-scaled.jpg

Florian Schlicker muss indes erneut auf wichtige Spieler verzichten: Wie eine eingehende Untersuchung ergab, hat sich Innenverteidiger Max Hering schwerer an der Syndesmose (Sprunggelenk) verletzt als gehofft. Er wird den Zeidlern für längere Zeit fehlen. Neben Hering fallen auch die beiden Mittelfeldspieler Maximilian Höhenberger und Salim Ahmed aus.

Der zweite Anzug sitzt

Über mangelnde Alternativen konnte sich Schlicker zuletzt gegen den ASV Cham jedoch nicht beschweren, Felix Spielbühler, Jonas Köstler und Nico Wessner haben ihre Aufgaben mit Bravour erledigt und sich auch für einen Startelfeinsatz gegen Bamberg empfohlen. „Ich habe mich noch nicht final entschieden, wer auflaufen wird. Das hängt auch ein bisschen davon ab, was wir taktisch vorhaben. Aber im Training war auf jeden Fall mega viel Zug drin unter der Woche, die Jungs machen es mir wirklich schwer, mich zu entscheiden“, beschreibt Schlicker die Trainingsleistungen seiner Mannschaft.

Sicherlich nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um im Topspiel gegen Bamberg zu bestehen und dabei zu punkten. Schließlich wollen die Zeidler auch nach dem Abpfiff im Waldstadion noch ungeschlagen sein.

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