Feucht verliert in Neumarkt

Für ein Derby zu wenig

Ein Bild mit Symbolcharakter: Während Neumarkts Verteidiger Henrik Brüggen (links) auf Tuchfühlung mit dem Feuchter Tim Ruhrseitz geht, fanden die Feuchter im ersten Durchgang kaum in die Zweikämpfe. | Foto: Daniel Frasch2021/10/SC-Feucht-Tim-Ruhrseitz-Zweikampf-ASV-Neumarkt-scaled.jpg

Bayernliga Nord: Aufgrund einer schwachen ersten Hälfte verliert der SC Feucht beim ASV Neumarkt 0:2.
Trainer Florian Schlicker spricht Klartext und kritisiert die Einstellung seiner Mannschaft: „Sie haben uns den Schneid abgekauft“.

Ein bisschen mehr hätte es schon sein dürfen – auf und neben dem Platz: Zum Bayernliga-Derby zwischen dem ASV Neumarkt und dem SC Feucht Sonntagvormittag kamen nach offiziellen Angaben der Gastgeber 350 Zuschauer – weit weniger, als sich die beiden Trainer Jürgen Schmid (ASV Neumarkt) und Florian Schlicker im Vorfeld erhofft hatten. Letzterer konnte darüber hinaus mit der Leistung seiner Mannschaft in der ersten Hälfte überhaupt nicht zufrieden sein, bereits nach 45 Minuten lagen die Feuchter verdient mit 0:2 in Rückstand.

Dabei hatte der SC gut begonnen und in den ersten zehn Spielminuten das Spiel diktiert, wenngleich er sich keine nennenswerte Torchance erspielen konnte. Mit dem ersten guten Angriff der Gastgeber in der 12. Minute änderte sich das Spielgeschehen jedoch grundlegend. Zwar verpasste Neumarkts Angreifer Daniel Haubner bei seinem Pfostenschuss die Führung, doch die Aktion gab den Hausherren spürbar Aufwind und sorgte bei den Gästen für große Verunsicherung.

Defensiv ungewohnt anfällig

Allen voran Feuchts Hintermannschaft, die im bisherigen Saisonverlauf sicher stand und nur 14 Gegentore in 13 Partien hinnehmen musste, offenbarte in der Oberpfalz ungewohnte Lücken. So auch beim 1:0 des ASV: Nach einem Ballverlust tief in der Neumarkter Hälfte (Missverständnis zwischen Marco Weber und Salim Ahmed, die sich den Ball gegenseitig abnahmen), schalteten die Gastgeber blitzschnell um, der umtriebige Daniel Haubner spielte den Ball perfekt in die Schnittstelle der Feuchter Abwehr auf Jonas Marx. Der Ex-Feuchter (2012 bis 2016) legte quer auf den mitgelaufenen Christian Schrödl, der den Ball ins leere Tor einschieben konnte (17.).

Der Treffer hinterließ Spuren beim Team von Florian Schlicker, in der Offensive verpufften die Angriffsversuche meist bereits weit vor dem Neumarkter Tor, in der Defensive hatten nicht nur die beiden Innenverteidiger Tamino Gratz und Max Hering große Probleme, die ASV-Angreifer in den Griff zu bekommen. Auch der Regionalliga-erfahrene Rechtsverteidiger Julian Schäf hatte nicht seinen besten Tag erwischt – er wurde zur Pause ebenso wie Marco Weber ausgewechselt.

In der 28. Minute hatte Haubner das 2:0 auf dem Fuß, sein Schuss wurde von Hering in letzter Sekunde noch zur Ecke geklärt. In der 37. Minute musste Feuchts Torhüter Andreas Sponsel sein ganzen Können aufbieten, um einen Schuss von Christian Schrödl mit dem Fuß zu parieren. In der 42. Minute war Sponsel jedoch machtlos: Nach einem Eckball von Marx kam Daniel Haubner zentral vor dem Tor unbedrängt zum Kopfball, die Kugel schlug im langen Eck ein – 2:0 für den ASV Neumarkt.

„Leidenschaft, Laufbereitschaft, Aggressivität: Da hat uns Neumarkt den Schneid abgekauft, das muss man ehrlich sagen. Der ASV wollte es mehr als wir“, fasst Schlicker die dürftige Vorstellung seiner Mannschaft in den ersten 45 Minuten zusammen und ergänzt: „Dazu hatten wir viele Ausfälle arrivierter Spieler. Diese Kombination ist tödlich.“

Immerhin: Nach einer „etwas lauteren“ (Schlicker) Kabinenansprache zur Pause wurde der Auftritt der Gäste im zweiten Durchgang besser. Die Hereinnahme von Patrick Tekeser (für Julian Schäf) zahlte sich aus, immer wieder schob Feuchts Nummer 24 auf der rechten Seite an und war an vielen Offensivaktionen beteiligt. Kurz nach Wiederbeginn scheiterte Tekeser aus halbrechter Position an Neumarkts Schlussmann Nicolas Herzig (47.). Da sich die Gastgeber in der Folge auf die Defensive konzentrierten und mit schnellen Kontern die Entscheidung erzwingen wollten, kam Feucht besser in die Partie und erspielte sich eine Reihe guter, teils hundertprozentiger Torchancen.

Erst traf Tim Ruhrseitz einen auf der Linie positionierten Neumarkter Abwehrspieler, dann strich eine Kopfballverlängerung nach einem weiten Einwurf von Niculae Oltean am langen Pfosten vorbei. In der 71. Minute zappelte der Ball schließlich im Neumarkter Tor, doch der Treffer von Ruhrseitz wurde vom Linienrichter wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung zurückgenommen. Doch die Gäste blieben dran und übten weiter Druck auf die ASV-Hintermannschaft aus: In Minute 83 dann eine Dreifach-Chance für den SC: Doch beim munteren Scheibenschießen aus rund elf Metern blockten die aufopferungsvoll kämpfenden Gastgeber jeden Schuss weg, Neumarkts Kapitän Alexander Braun feierte die Szene im Anschluss wie einen eigenen Treffer – ein weiterer Beleg für die große Moral, mit der die Gastgeber gegen den SC zu Werke gingen. Dass sie dabei jedoch Glück hatten und Schiedsrichter Lothar Ostheimer ein klares Handspiel übersehen hatte, konnte unter dem Motto Glück des Tüchtigen verbucht werden.

„Wir hatten es nicht verdient“

„Das passt dann natürlich auch noch zu so einem Spiel: Der Neumarkter fällt mit beiden Händen auf den Ball, ein klarer Elfmeter. Aber sei’s drum: Am Ende des Tages muss man festhalten, dass wir es einfach nicht verdient hatten“, resümiert Florian Schlicker. Mit der Leistung im zweiten Durchgang konnte er dennoch zufrieden sein, versuchte seine Mannschaft doch bis zum Schlusspfiff, das Spiel noch zu drehen. „Mental können wir auf der zweiten Hälfte aufbauen, da waren wir deutlich besser im Spiel und auch zielstrebiger“, fasst Schlicker die zweiten 45 Minuten zusammen, wohl wissend, dass im Heimspiel am kommenden Freitag (19 Uhr) auch gegen den Tabellensechzehnten ASV Cham eine gute Hälfte nicht reichen wird, um drei Punkte einzufahren.

Für den SC Feucht spielten: Andreas Sponsel, Niculae Oltean, Tamino Gratz (88. Noah Mengi), Max Hering, Julian Schäf (46. Patrick Tekeser), Marco Weber (46. Felix Spielbühler), Fabian Klose (60. Nico Wessner), Junior Betsi Mbetssi (74. Gabriel Jessen), Salim Ahmed, Tim Ruhrseitz, Stephan König.
Tore: 1:0 Schrödl (18.), 2:0 Haubner (42.).
Zuschauer: 350.
Schiedsrichter: Lothar Ostheimer (TSV Sulzberg).

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