SC Feucht bangt um drei Stammkräfte

„Extremausbeutung an den Jungs“

Zur feinen Technik kommt in dieser Saison auch eine neue Zweikampfstärke: Offensivspieler Salim Ahmed (links) zählt bislang zu den auffälligsten Akteuren beim SC Feucht. | Foto: Rainer Schnelle2021/08/SC-NEU-Feucht-Salim-Ahmed-scaled.jpg

FEUCHT – Vor dem Heimspiel gegen die SpVgg Bayern Hof kritisiert Trainer Florian Schlicker erneut den straffen Spielplan des Verbands.
 Gegen die Oberfranken ruhen die Feuchter Hoffnungen auf Salim Ahmed, der eine tolle Entwicklung hinter sich hat und Technik mit Kampfgeist vereint.

Dass sie nicht nur über spielerische Fähigkeiten verfügen, sondern auch Comeback-Qualitäten besitzen, haben die Spieler des SC Feucht unter der Woche unter Beweis gestellt. Im Auswärtsspiel beim ATSV Erlangen kämpften sie sich zurück, drehten die Partie innerhalb weniger Minuten und ergatterten am Ende einen wichtigen Zähler (2:2). Doch der Punktgewinn beim Aufstiegsanwärter war teuer erkauft: Mit Fabian Klose, Marco Weber und Julian Schäf mussten drei Stammkräfte vorzeitig vom Feld. Vorsichtsmaßnahmen von Trainer Florian Schlicker, nachdem sich bei allen drei muskuläre Probleme bemerkbar machten und der Coach schlimmeren Verletzungen vorbeugen wollte.

Für wen die kurze Regenerationszeit für das Heimspiel heute Nachmittag gegen die SpVgg Bayern Hof (von 16 Uhr auf 15 Uhr vorverlegt) ausreichend war, wird sich erst kurzfristig entscheiden. „Wir arbeiten fieberhaft daran, die Jungs wieder fit zu bekommen. Aber ob es reicht, werde ich wirklich erst Samstagvormittag wissen“, bestätigt Feuchts Trainer Florian Schlicker.

„Es ist eine Farce“

Noch immer ist beim 40-Jährigen der Ärger über den straffen Spielplan zu Beginn der Bayernligasaison groß. „Was momentan abgeht, ist eine einzige Farce. Was man mit den Jungs hier macht, ist Extremausbeutung. Wenn ich mir den Spielplan anschaue und sehe, dass wir im August nur englische Wochen haben, im September dann aber keine einzige, dann frag ich mich schon, wer sich so etwas Verrücktes ausdenken kann“, kritisiert er die Verantwortlichen des BFV.

Tatsächlich wird den Zeidlern extrem viel abverlangt: Zwischen dem 3. August (2:2 in Erlangen) und dem 28. August (Heimspiel gegen TSV Großbardorf) müssen die Feuchter allein sechsmal in der Liga ran, dazu steigt in der kommenden Woche das Toto-Pokalspiel gegen die SpVgg Ansbach. Sieben Spiele innerhalb von 25 Tagen, während es im September nur vier Partien in 30 Tagen sein werden. Eine vernünftige Trainingssteuerung sei unter diesen Umständen kaum möglich. „Mit dem Großteil der Mannschaft kann ich eigentlich nur Regeneration machen. Mit einer Handvoll Spielern, die nicht verletzt sind oder noch nicht so oft zum Einsatz kamen, kann ich was machen, beim Rest geht es darum, den Körper zu pflegen“, stellt Schlicker klar.

Probleme, mit denen allerdings auch der kommende Gegner, die SpVgg Bayern Hof, zurechtkommen muss: Die Oberfranken bestreiten im August sechs Partien, heute sind sie im Feuchter Waldstadion zu Gast.

Unberechenbare Hofer

Die Spielvereinigung ist ein Bayernliga-Dino. Eine Mannschaft, die sich mittlerweile gefestigt hat“, blickt Schlicker voraus. Nach dem 1:1 zum Auftakt gegen den ASV Neumarkt kam Bayern Hof bei Eintracht Bamberg mit 1:7 unter die Räder, um anschließend Don Bosco Bamberg mit 4:1 abzufertigen. Zuletzt folgte ein 1:1 beim 1. FC Sand. „Den Ergebnissen nach zu urteilen, ist Hof schon eine kleine Wundertüte, aber ich erwarte erneut eine schwere Partie, so wie es die bisherigen Heimspiele auch waren“, sagt Feuchts Trainer.

Besonderes Augenmerk gilt es in der Feuchter Defensive auf Tomas Petracek zu legen. Der 27-jährige Angreifer kam im Sommer von der BSG Chemie Leipzig aus der Regionalliga Nordost nach Oberfranken, in der abgelaufenen Spielzeit traf er in elf Partien zweimal. Seine bislang erfolgreichste Saison hatte der 1,83 Meter große Tscheche 2017/18, als er zum ersten Mal für die SpVgg Bayern Hof aktiv war und in 32 Bayernligaspielen 20 Treffer erzielte. „Der weiß schon, wo das Tor steht“, sagt Schlicker. Anstatt ihn an die Kette zu legen und einen persönlichen Bewacher auf die Füße zu stellen, setzt Feuchts Coach jedoch auf das Kollektiv im Abwehrverbund.

Doch auch die Hausherren haben einen Spieler in den Reihen, der sich in den vergangenen Partien mehr und mehr in den Fokus spielte: Salim Ahmed. Der 26-Jährige, der im Sommer 2018 vom SC 04 Schwabach nach Feucht wechselte, traf nicht nur sehenswert zum 2:2-Ausgleich gegen den 1. FC Sand in den Winkel, sondern steuerte auch den zwischenzeitlichen 2:1-Führungstreffer unter der Woche beim ATSV Erlangen bei.

„Zum Zungeschnalzen“

Als „Mega-Sahne-Tor“ bezeichnete Schlicker den Treffer seines Mittelfeldspielers und bescheinigt ihm eine deutliche Leistungssteigerung. „Dass der Limmi ein begnadeter Fußballer ist, wissen wir schon lange. Was er am Ball alles kann, das ist einfach zum Zungeschnalzen“, schwärmt er über den großgewachsenen Spieler, der in der vergangenen Saison jedoch nicht immer sein Leistungsvermögen ausschöpfen konnte. „Er hat sein enormes Potenzial in den Spielen nicht immer so rüberbringen können. Mittlerweile kommt zu seiner unglaublichen Technik aber auch ein sehr gutes Zweikampfverhalten. Wenn ich sehe, wie viele Meter er allein im Spiel beim ATSV Erlangen gefressen hat, das war schon groß“, lautet Schlickers Extralob an Ahmed.

So steht Ahmed exemplarisch für die Mischung, die es braucht, um als Aufsteiger in der Bayernliga bestehen zu können: Spielerische Klasse gepaart mit kämpferischer Einstellung. Die müssen die Feuchter auch heute zeigen, um den zweiten Saisonsieg einzufahren.

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