SC Feucht ist beim ASV Neumarkt zu Gast

Alte Liebe rostet nicht

Anfang der 2000er trug Jürgen Schmid (rechts) drei Jahre lang das Trikot des SC Feucht, 2003 gelang ihm dabei sogar der Aufstieg in die Regionalliga. In 23 Spielen steuerte Schmid damals zwölf Treffer bei. | Foto: Dirk Meier2021/10/Feucht-SC-Schmid-Juergen.jpg

Bayernliga Nord: Im Derby beim ASV Neumarkt am Sonntagvormittag hofft Trainer Florian Schlicker auf 800 Zuschauer. Für ASV-Trainer Jürgen Schmid wird es eine Reise in die Vergangenheit: Anfang der 2000er spielte er drei Jahre für die Zeidler.

Volle Ränge, gutes Wetter und mit dem SC Feucht und dem ASV Neumarkt zwei Mannschaften, die nicht nur räumlich, sondern auch spielerisch eng beieinander liegen: Die Rahmenbedingungen, die es für ein tolles Fußballfest braucht, sind gegeben. Am 14. Spieltag kommt es auf der Sportanlage am Deininger Weg am Sonntagvormittag (11 Uhr) zum Derby der beiden Aufsteiger, die bislang eine außerordentlich gute Saison spielen und sich mit 26 (ASV Neumarkt) beziehungsweise 24 Punkten (SC Feucht) zurecht in der oberen Tabellenhälfte befinden.

Mit einem für Aufsteiger eher atypischen Spielstil mischen beide Klubs bislang die Liga auf und haben sich bereits früh möglicher Abstiegssorgen entledigt. Im Gegenteil: Mit nur vier Zählern Rückstand auf Relegationsrang zwei (SpVgg Ansbach) schielen die Oberpfälzer nach oben und haben weiter Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen.

Der gegenseitige Respekt könnte bei beiden Trainern kaum größer sein, sowohl Feuchts Florian Schlicker als auch Neumarkts Jürgen Schmid halten viel vom Kontrahenten. „Der SC Feucht hat eine sehr eingespielte Truppe. Obwohl sie einige Verletzungsprobleme hatten, spielen sie sehr konstant. Der Trainer macht einen guten Job, mit Stephan König haben sie einen Knipser und mit Andreas Sponsel einen erfahrenen, alten Hasen im Tor“, lautet Schmids Fazit zum SC Feucht.

Ganz ähnlich klingt Schlickers Einschätzung zum ASV: „Neumarkt ist eine sehr disziplinierte Truppe, die geschlossen auftritt und auch als Mannschaft gut verteidigt. Außerdem haben sie viel Power nach vorne, mit Jonas Marx und Alexander Braun zwei Antreiber und mit Daniel Haubner und Christian Schrödl zwei echte Waffen im Angriff – die muss man erst einmal kontrolliert bekommen.

„Weißwurst und Weizen“

Kein Wunder also, dass Schlicker von einer „spannenden Aufgabe“ spricht, die seine Mannschaft am Sonntagvormittag erwartet. „Da wird es schon darauf ankommen, wer die ungewöhnliche Zeit besser annimmt und damit besser zurecht kommt“, kommentiert Schlicker die frühe Anstoßzeit, die wie gemacht sei für „Weißwürste und ein Weizen“, wie er ergänzt. Die Vorfreude auf die Begegnung ist dem 40-Jährigen während des Gesprächs am Donnerstagnachmittag anzuhören, ginge es nach ihm, er würde am liebsten schon heute spielen. „Wir freuen uns volle Kanne auf dieses Derby, wir sind heiß – und wir spielen natürlich auf Sieg“, stellt er klar.

Das kann er auch, immerhin sind unter der Woche mit Fabian Klose, Noah Mengi und Maximilian Höhenberger drei Spieler ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, die ihm „extrem viele Optionen“ bieten, wie er betont. Ein Luxusproblem, das Schlicker seit Beginn dieser Bayernligaspielzeit nie vergönnt war, Woche für Woche musste Feuchts Trainer bislang drei, vier oder gar fünf potenzielle Startelfspieler ersetzen.

Im Tor, da legt sich Schlicker bereits fest, wird in Neumarkt wieder Andreas Sponsel stehen. Feuchts etatmäßige Nummer eins saß im Heimspiel gegen den Würzburger FV (1:0) vergangenen Freitag überraschend auf der Bank, für ihn stand Kevin Kosuchowski zwischen den Pfosten. „Ich wollte Kevin einfach mal ein Spiel geben. Er zeigt seit Wochen richtig starke Leistungen im Training und hat sich einen Einsatz verdient“, erklärt Schlicker die Rochade im Tor. Gegen die offensivstarken Neumarkter aber kann er Sponsel, den unumstrittenen Kapitän, sehr gut brauchen. Denn der 35-jährige Routinier fungiert auf dem Feld als Schlickers rechte Hand, mit lautstarken Kommandos dirigiert er von hinten heraus seine Vorderleute und gibt so immer wieder taktische Hilfestellung insbesondere in der Rückwärtsbewegung.

Das Momentum ist auf Seite des SC Feucht

Den besseren Lauf können aktuell die Zeidler vorweisen: Gegen den TSV Karlburg (2:0), den TSV Abtswind (1:0) und den Würzburger FV (1:0) fuhren die Feuchter zuletzt drei Siege in Folge ein. Neumarkt hingegen schwächelte und holte aus den vergangenen drei Partien nur einen Punkt gegen Karlburg, zuvor setzte es eine 1:3-Niederlage gegen die DJK Vilzing und eine überraschende 0:2-Pleite beim Schlusslicht Vatan Spor Aschaffenburg. Wieso läuft es nach dem guten Saisonstart plötzlich nicht mehr rund?

Wir haben zu Saisonbeginn richtigen Vollgasfußball gespielt“, erklärt Jürgen Schmid und ergänzt: „Unser Spielstil ist nun einmal sehr kräfteraubend, das geht irgendwann an die Substanz – vor allem nach den vielen englischen Wochen zu Beginn. Dazu kommt, dass wir eine extrem junge Mannschaft haben, zwei meiner Spieler sind vor dieser Saison erst aus der A-Jugend gekommen. Jetzt haben wir ein Tief, aus dem wir uns natürlich so schnell wie möglich herausziehen wollen. Aber dafür gibt es sicherlich leichtere Aufgaben als den SC Feucht“, weiß auch Schmid um die Stärken des kommenden Gegners.

Wie Florian Schlicker ist auch bei Schmid die Vorfreude auf die Begegnung groß, schließlich trug der 39-Jährige Anfang des Jahrtausends drei Jahre lang das Trikot des SC und feierte darin große Erfolge. Mit sensationellen 84 Punkten stiegen die Zeidler in der Saison 2002/2003 in die Regionalliga auf – damals noch die dritthöchste Spielklasse Deutschlands. Als 19-Jähriger war Schmid 2002 von FC Bayern München II ins Feuchter Waldstadion gewechselt. Zu Schmids damaligen Mannschaftskollegen zählten namhafte Akteure wie der spätere Nationalspieler Roberto Hilpert, der aktuelle Trainer von Bundesligist Arminia Bielefeld, Frank Kramer, sowie die Ex-Profis Alexander Contala und Marco Christ.

„Feucht war meine schönste Station“

Eine Zeit, die Schmid auf gar keinen Fall missen möchte. „Feucht war meine schönste Station, die werde ich nie vergessen. Wir hatten sehr viel Erfolg, was schön war. Die Menschen waren herzlich und es herrschte eine familiäre Atmosphäre. Wir hatten tolle Fans, die zu jedem Auswärtsspiel mit einem Fanbus gefahren sind. Ob wir verloren oder gewonnen haben: Die Stimmung bei den Fans war immer positiv. Und nach den Heimspielen – das werde ich auch nie vergessen – war im Sportheim immer eine ganz tolle Stimmung. Das habe ich bei meinen weiteren Stationen so nie mehr wieder erlebt. Zudem war es schon überragend, welche tolle Mannschaft Manfred Kreuzer da zusammengestellt hatte – und das doch eigentlich alles bei einem Dorfverein“, blickte Schmid bereits vor wenigen Monaten auf seine Zeit beim SC Feucht zurück. Nun, rund 20 Jahre später, steht Schmid auf der anderen Seite und versucht, seinem Herzensverein die Punkte abzuluchsen.

Etwas, das beide Trainer freilich nicht beeinflussen können, ist das Wetter. Doch die Prognosen stehen gut: Sechs Stunden Sonnenschein und Höchstwerte bis zu 23 Grad Celsius versprechen volle Ränge im Stadion am Deininger Weg. „Da kann man sich schon mal von der Couch erheben und auf den Sportplatz gehen“, sagt Feuchts Trainer Florian Schlicker und hofft auf eine Kulisse von rund „800 Zuschauern“. Jürgen Schmid ergänzt: „Unsere Heimspiele waren bislang alle gut besucht, da das Wetter mitspielt, dürfen wir uns auf was freuen.

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