Kirchenkabarett in Vorra

Ein Abend „Tür an Tür mit Luther“

Martin Luther und Ulrich Zwingli lieferten sich ein Streitgespräch im Stile Loriots. | Foto: S. Fuchs2018/10/weiss-blaues.jpg

VORRA – Mit seinem bis zur letzten Minute kurzweiligen und vollkommen unterhaltsamen Programm „Die spinnen, die Römer“ sorgte das – laut Eigendarstellung — älteste und bekannteste Kirchenkabarett Deutschlands „Das weißblaue Beffchen“ in der bis auf den letzten Platz besetzten Vorraer Schulturnhalle für mitreißende Stimmung und Begeisterung beim Publikum.

Der über zweistündige Kabarettabend begann, wie schon der Programmtitel vermuten ließ, mit einem Zusammentreffen von Obelix, alias Lutherix, alias Martin Luther, und Cäsar, alias römisch-katholischer Papst. Denn vor 500 Jahren war die ganze Christenheit noch von Römern besetzt, nur ein kleines Dorf widersetzte sich, stellte sich gegen Sündenzoll, Ablasshandel und verlangte Freiheit des Glaubens.

Was die Kinder der Reformation, aber auch ihre „römischen“ Kirchenbrüder und -schwestern seither erleben mussten, schilderten die vier Akteure – eine Pfarrerin und drei Pfarrer – treffsicher in rasch aufeinander folgenden Szenen, Dialogen und Einzelauftritten. So beleuchteten sie den kirchlichen Alltag zwar mit frechen Texten und viel Humor, aber auch hintergründig formuliert mit teils vieldeutigen Pointen, die Zuhörer zum Mitdenken anhaltend.

Wenn der Osterhase in den Himmel auffährt

Die fast realen Schauplätze reichten von Episoden aus dem Religionsunterricht, einem Beerdigungsgespräch bis hin zu einer Himmelsszene, in der ein Katholik gegenüber dem Engel Petrus den Eintritt ganz entsetzt verweigert: Dies sei doch nicht das Paradies, denn hier befände sich ja schon Martin Luther. Und ein Religionslehrer jammerte über das heutige Bibelwissen seiner Schüler – bereits in der Klasse 1 b: Für die sei an Ostern der Osterhase in den Himmel aufgefahren, und auf die Frage, wo Jesus seine Jünger vor dem Abendmahl getroffen habe, hätte ein Knabe „Im Biergarten“ gerufen.

Ob ein Trauergespräch mit dem Pfarrer wegen der Beerdigungskosten realistisch wiedergegeben wurde, scheint nicht ganz abwegig zu sein: Man könne ja sparen, meinte das trauende Ehepaar, etwa durch eine Seebestattung im eigenen Gartenteich, durch eine Urnenbestattung bei Verbrennung mit dem eigenen Hochleistungsgrill oder gar an eine Kompostierung wäre zu denken, denn „Mutti war ja bei den Grünen“.

In Loriot-Manier

Ganz im Stile von Loriot – hier merkte man die Lust der geistlichen Komödianten an immer neuen Verkleidungen – lieferten sich der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli und sein deutsches Pendant Martin Luther ein Streitgespräch, bei dem es um die göttliche Substanz in Brot und Wein ging. Letztendlich maßen sie sich im Zweikampf, wer die Hostie länger in den Wein eintauchen konnte – die Bühnen-Scheinwerfer erloschen und erlösten, bevor ein Sieger fest stand.

Den Akteuren machten ihre witzigen und oftmals derben Gags sichtlich genauso viel Spaß wie den Besuchern, so dass sie vor lauter Lachen sogar im eigenen Text stecken blieben. Und wer sind die vier in unterschiedliche Rollen schlüpfenden, geistlichen Laienschauspieler? Das sind Irene Geiger-Schaller, Pfarrerin in Oberhaching und Neuperlach, seit 20 Jahren beim „Beffchen“, der Bayreuther Hannes Schott, der das Pfarrersein als seinen Traumberuf bezeichnet, Olaf Stegmann, in München tätig und sächsisch sprechend wie Martin Luther und zu guter Letzt Josef Höglauer, Pfarrer in Trostberg, der am Klavier für die musikalische Umrahmung sorgte und dabei nicht nur die kurzen Umbauphasen überbrückte.

Luther würde sich im Grab umdrehen

Nach einer vom Vorraer Kirchenvorstand kulinarisch umsorgten Pause ging es weiter mit der ersten Kirchenvorstandsitzung aller Zeiten, gefolgt von einer TV-Jubiläumsverkaufsschau mit Lutherbier, -socken und vielem mehr. Wenn so etwas Luther noch sähe, er würde sich in seinem Grab umdrehen und verzweifelt ausrufen: „Hier drehe ich mich, ich kann nicht anders!“

Absoluter Höhepunkt der singenden und spielenden Geistlichen war der Auftritt von Hannes Schott, dem wohl besten Howard-Carpendale-Imitator Bayerns. Bei „Tür an Tür mit Luther“ bebte die Turnhalle und alle sangen lautstark mit. Klar, dass erst nach einigen Zugaben die „gnadenlos“ Agierenden und zur Selbstironie Neigenden mit viel Applaus verabschiedet wurden.

Pfarrer Björn Schukat hatte bei seiner Begrüßung treffsicher auf den Abend eingestimmt, Luther zitierend: „Religion, Glaube, Kirche, eine bierernste Sache? Nein, denn wo der Glaube, da ist auch Lachen!“

N-Land Siegfried Fuchs
Siegfried Fuchs