Solo für Irlinger

Erlangen-Höchstadts Landrat Eberhard Irlinger hat schon im Juli die SPD-Kreistagsfraktion verlassen. Offiziell hat er den Kreistag aber bis heute noch nicht informiert.2010/08/Irlinger_Eberhard_Landr_ERH.jpg

ERLANGEN-HÖCHSTADT — Eberhard Irlinger, Landrat des Kreises Erlangen-Höchstadt, steht oft im Licht der Öffentlichkeit. Das liegt an seinem Amt, aber auch an seiner überaus offensiven Pressearbeit. Mit der Meldung, dass er schon Ende Juli aus der SPD-Kreistagsfraktion ausgetreten ist, ist der Landkreischef wesentlich zurückhaltender umgegangen. Offiziell wurde nicht einmal der Kreistag informiert – geschweige denn die Bürger.

Der Grund für den Zwist zwischen Irlinger und seiner Fraktion – nicht seiner Partei, denn Mitglied der SPD ist er nach wie vor – war die Entscheidung über die Standortwahl für das geplante neue Landratsamt. Irlinger, der selbst in Hemhofen lebt, hatte sich von Beginn der langwierigen Debatten an für Herzogenaurach ausgesprochen. Entschieden aber hat das Gremium mehrheitlich für Erlangen (wir berichteten).

„Die Entscheidung über das Landratsamt war wohl der Auslöser für diesen Schritt, aber was den Landrat auch sehr verärgert hat, war das ganze Prozedere im Vorfeld, bei dem es auch innerhalb der SPD-Fraktion sehr unharmonisch zuging“, sagt Annika Fritzsche, Irlingers Pressesprecherin. Der Landrat selbst ist in Urlaub.

Derzeit verbringt er einige Tage in Berlin, wo er unter anderem eine Filmpremiere mit der aus Marloffstein stammenden Schauspielerin Elke Sommer besuchte – darüber zumindest informiert er in einer aktuellen Pressemeldung.

Auf die Frage, ob es nicht seine Pflicht gewesen wäre, seine Wähler über seinen Schritt zu informieren, kann Fritzsche nicht antworten. Man wird abwarten müssen, bis Irlinger aus dem Urlaub zurück ist.

Austritt per Brief

Einer, der bereits seit jener Kreistagssitzung am 19. Juli Bescheid weiß, ist der Eckentaler SPD-Kreis- und Gemeinderat Konrad Gubo. Er war unter denjenigen gewesen, die für den Neubau des Ämtergebäudes in Erlangen gestimmt hatten – und damit gegen den Landrat. „Eberhard Irlinger hat unserem Fraktionsvorsitzenden Jörg Bubel nach der Sitzung einen Brief gegeben, in dem er seinen Austritt erklärte“, sagt Gubo. An die Öffentlichkeit sei die Fraktion „aus verständlichen Gründen“ nicht von selbst gegangen.

Wie es jetzt weitergehe? „Wir sind jahrelange Weggefährten und ich will jetzt nichts übers Knie brechen. Ich hoffe, dass er sich das noch einmal durch den Kopf gehen lässt. Die Landratsamt-Entscheidung ist schließlich demokratisch gefallen“, so Gubo. Dass man auf der sachlichen Ebene weiter wird zusammenarbeiten können, das hofft Gubo. Ansonsten müsse nun die Fraktion ein „eigenes Profil ausbilden“.

Die Gräben zwischen Irlinger und seiner Fraktion seien schon seit längerem deutlich sichtbar gewesen, sagt der Eckentaler CSU-Kreisrat Martin Hofmann. Offiziell über den Austritt Irlingers informiert worden seien die Räte der anderen Fraktionen aber bis heute nicht. Hofmann wundert sich zwar über den Weg, den Irlinger gewählt hat, nimmt ihn aber zugleich in Schutz: „Immerhin ist er nur aus der Fraktion, einem mehr oder weniger freiwilligen Gebilde also, ausgestiegen. Ein Parteiaustritt wäre sicher etwas anderes gewesen, da hätte er die Öffentlichkeit informieren müssen“, meint Hofmann.

„Sicher wäre es transparenter gewesen, die Bürgerschaft zu informieren“, sagt Manfred Bachmayer, grüner Kreisrat und Irlingers Stellvertreter. „Die Arbeit im Kreistag allerdings wird nun ganz normal weitergeführt. Die Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt, da ist der Landrat nicht so entscheidend.“

Daran, dass Irlinger seinen Schritt überdenken und im Streit um das neue Landratsamt einlenken könnte, glaubt Bachmayer aber nicht: „Es steht ja noch ein Bürgerbegehren gegen Erlangen als Standort im Raum. Möglicherweise wird er auf diesem Weg versuchen, die Entscheidung des Kreistags auszuhebeln.“

N-Land Julia Ziegler
Julia Ziegler