Neues Gewerbegebiet

Bebauungsplan war jahrzehntelang verschwunden

Wie kann es sein, dass ein rechtskräftiger Bebauunsplan nach Jahrzehnten aus der Versenkung auftaucht? Für Altdorfer Bürger ergeben sich eine Reihe von Fragen. | Foto: Blinten2018/06/Altdorf-Bebauungsplan-18.jpg

ALTDORF – Mitarbeiter im Altdorfer Rathaus finden einen Bebauungsplan, der vor 40 Jahren aufgestellt und rechtskräftig wurde, dann in der Schublade verschwand und ganz offenbar in Vergessenheit geriet. Einen Plan für ein Gewerbegebiet an der Neumarkter Straße. Das gibt es nicht? Gibt es doch. Vor zwei Jahren entdeckte man den Bebauungsplan Nummer 18 beim „Aufräumen“, wie Bürgermeister Erich Odörfer den verdutzten Stadträten damals erklärte.

Nachdem jetzt gebaut werden soll, ergeben sich für die interessierten Bürger eine Reihe von Fragen:
1. Wie konnte ein rechtskräftiger Bebauungsplan einfach in einer Schublade verschwinden und in Vergessenheit geraten?
2. Warum haben sich niemals betroffene Grundeigentümer bei der Stadt gemeldet? Immerhin geht es hier um viel Geld.
3. Woher kam der Anstoß für die jetzt vorgesehene Bebauung des Gebiets?
4. Was geschieht, wenn die Stadt den Bebauungsplan Nummer 18 einfach einstampfen würde?
Auf die letzte Frage gab es bei einem Ortstermin, zu dem Bürger aus dem Oberpfalzviertel eingeladen hatten, eine konkrete Antwort: Altdorf müsste Schadensersatz an die betroffenen Grundeigentümer leisten. Hier geht es um Millionenbeträge, stellte Dr. Johann Peter Pöllot (CSU) vor Ort klar. Dafür wird sich im Stadtrat keine Mehrheit finden.

Kleine Grundstücke

Rund fünf Hektar groß ist das betreffende Gebiet an der Neumarkter Straße, auf dem laut Bebauungsplan Nummer 18 Gewerbe entstehen kann. Dem geht aber ein kompliziertes Umlegeverfahren voraus, in dem unter anderem die Beteiligung an der verkehrsmäßigen Erschließung und der Zuschnitt der Grundstücke festgelegt wird. Hier hat die Stadt die Möglichkeit, auf die Größe der Einzelgrundstücke Einfluss zu nehmen. Pöllot als Mitglied des Umlege-Ausschusses versprach, für einen Zuschnitt auf kleine Grundstücke zu sorgen, so dass für große Unternehmen, Logistiker etwa, gar kein Platz sein wird.
Den zahlreichen Bürgern, die sich im strömenden Regen von den Stadträten vor Ort Informationen erhofften, genügte das nicht. Sie forderten darüber hinaus, dass der aus der Versenkung aufgetauchte Bebauungsplan nun unbedingt angepasst werden müsste. Ihnen geht es um mögliche Lärmbelastung und um das Stadtbild. Soll jetzt auch der bisher grüne Stadtrand im Altdorfer Osten bald so aussehen wie sein Pendant im Westen an der Nürnberger Straße? Pöllot versuchte zu beruhigen: Die entstehenden Gewerbegrundstücke müssten unbedingt eingegrünt werden. Die Chance besteht durchaus, auch weil die Stadt selbst mit bestem Beispiel vorangehen kann. Zum einen ist sie mit einem Grundstück Eigentümerin in dem Gebiet, zum anderen gehen über die Umlegung automatisch zehn bis zwölf Prozent der Fläche in ihr Eigentum über.

„Können Lage nicht ändern“

Wie das Gewerbegebiet später einmal aussieht, ist die eine Sache – ein aus Sicht der Bürger mindestens ebenso großes Problem ist die Verkehrsanbindung. Weil das Gebiet weit entfernt von den Autobahnauffahrten ist, wird der Verkehr durch Wohngebiete fließen müssen. Stimmt so, räumte Pöllot ein, das wäre sicher auch ein Argument gewesen, wenn man den Bebauungsplan jetzt neu aufstellen würde. Er ist aber seit 1972 rechtskräftig. „Wir können die Lage nicht ändern“, bedauerte Pöllot deshalb. Ein offenes Wort, dem sich SPD-Fraktionschef Martin Tabor vor Ort anschloss. Ehrlich sein müsse man, die Stadt brauche das Gewerbegebiet. Einnahmen hat die Kommune aus der Einkommensteuer ihrer Einwohner und mit der Gewerbesteuer der ortsansässigen Betriebe. Damit finanziere man den Aus- und Umbau von Schulen, Turnhallen, die Mittagsbetreuung, die Musikschule und vieles mehr, betonte Tabor. Den Protest im Altdorfer Osten gegen den neuen Bebauungsplan kann er trotzdem nachvollziehen. Aber: „Es ist halt so, überall wo Gewerbegebiete entstehen sollen, beschweren sich die Bürger.“
CSU-Fraktionschef Thomas Kramer war mit den Plänen vor Ort. Wegen des strömenden Regens hatte Kramer die Karten und Erläuterungen zum Bebauungsplan in Plastikhüllen gesteckt. Ein Gerücht jedenfalls entkräften die Erläuterungen zum Bebauungsplan Nummer 18: Auf dem Gebiet an der Neumarkter Straße wird definitiv kein Industriegebiet entstehen.
Stadtrat Peter Kellermann (CSU) ist Grundeigentümer in dem betreffenden Gebiet. Dass für seinen Grund ein Bebauungsplan existiert, erfuhr er erst, als dieser vor zwei Jahren gefunden wurde, versicherte er im Telefongespräch mit der Redaktion. Allerdings wurde er vor etwa vier Jahren von der Stadt angeschrieben, als es um die Planung einer Straße ging, die das Gebiet durchschnitten hätte. Dass über viele Jahre ein rechtskräftiger Bebauungsplan in einer Schublade liegt und die betroffenen Grundeigentümer davon nichts wissen, ist auch für Kellermann völlig unerklärlich.
Bürgermeister Erich Odörfer will demnächst in einer Bürgerversammlung darüber informieren, wie es mit dem Gewerbegebiet an der Neumarkter Straße weitergeht. Ein Termin steht noch nicht fest.

Der Bebauungsplan Nummer 18 kann auf der Webseite der Stadt www.altdorf.de unter dem Link „Planen und Bauen“ online eingesehen werden.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten