Areal an der Neumarkter Straße

Aus dem Industrie- wird ein Gewerbegebiet

Am Bauhof der Stadt Altdorf soll sich Kleingewerbe ansiedeln. Einen rechtskräftigen Bebauungsplan für das Gebiet gibt es seit den 70er Jahren. | Foto: Blinten2018/11/Altdorf-Bebauungsplan-vergessen1.jpg

ALTDORF – Der über Jahrzehnte in der Versenkung verschwundene Bebauungsplan Nummer 18 für ein Gebiet an der Neumarkter Straße weist für das Areal in der Nachbarschaft des Altdorfer Bauhofs ein Industriegebiet aus. Das bleibt nicht so. Auf seiner jüngsten Sitzung hat der Stadtentwicklungsausschuss beschlossen, dem Stadtrat die Umwidmung in ein Gewerbegebiet zu empfehlen. Nur Margit Kiessling und Eckart Paetzold von den Grünen sprachen sich dafür aus, den Plan ganz aufzuheben. Nun muss der Stadtrat entscheiden, wie es mit den Grundstücken an der Neumarkter Straße weiter gehen kann.

Zwischenzeitlich steht fest, dass die Stadt keine Entschädigung an Grundstücksbesitzer zahlen muss, sollte sie den Bebauungsplan aufheben – ausgenommen sind die Eigentümer der schon bebauten Grundstücke in der Nähe des Bauhofs. Ein beauftragter Rechtsanwalt informierte die Stadt, dass diese Regelung für das Gebiet an der Neumarkter Straße zutrifft, weil hier nach Aufstellung des Bebauungsplans in den 70er Jahren sieben Jahre lang auf vielen Grundstücken nichts passierte.

Obwohl die Stadt nun von hohen finanziellen Belastungen befreit bleibt – Dr. Johann Pöllot sah schon Millionen-Forderungen der Grundstückseigentümer auf Altdorf zukommen – wird der Bebauungsplan nicht aufgehoben, sondern lediglich insofern geändert, als das aus einem Industriegebiet ein Gewerbegebiet wird. Grundstücke für Gewerbe werden nämlich in Altdorf dringend gebraucht – das ist jedenfalls die Überzeugung der überwiegenden Mehrheit im Stadtrat.

Platz für neues Feuerwehrhaus

Bürgermeister Erich Odörfer machte im Stadtentwicklungsausschuss deutlich, dass für ihn ein Industriegebiet, wie in den 70er Jahren für das Areal an der Neumarkter Straße geplant, nicht in Frage kommt. Damit ist er sich einig mit allen Stadträten. Aus Sicht des Bürgermeisters bietet sich das Gebiet an der Nürnberger Straße aber für die Ansiedelung von Kleingewerbe an, außerdem könnte hier auch das neue Feuerwehrhaus der Stadt Altdorf entstehen.

„Dafür brauchen wir einen Bebauungsplan“, betont Odörfer und macht deutlich, dass er eine Aufhebung des bestehenden Plans ablehnt. Die SPD ist ebenfalls gegen ein Industriegebiet, Michael Gleiß sprach sich dafür aus, in Richtung Gewerbegebiet weiter zu arbeiten.

Ursula Weser gab aber zu bedenken, dass es bei einer möglichen Erweiterung der Wohnbebauung des Oberpfalzviertels möglicherweise zu Konflikten mit dem neuen Gewerbegebiet kommen kann. Allerdings hat der Stadtrat in der Vergangenheit genau diese Erweiterung abgelehnt – nicht zuletzt auf Wunsch vieler Bürger, die im Oberpfahlzviertel wohnen. Daran erinnerte Bürgermeister Odörfer.

„Wir wollen weder ein Industriegebiet noch ein Gewerbegebiet“, sagte dagegen Margit Kiessling (Grüne). Stattdessen sei es besser, den alten Bebauungsplan Nummer 18 aufzuheben. Altdorf habe mehr als genug Gewerbegebiete. Eckart Paetzold verwies in diesem Zusammenhang auch auf Ziele der Landespolitik, den Flächenverbrauch zu begrenzen.

„Quatsch“

Hat Altdorf wirklich genug Gewerbeflächen? Dr. Johann Pöllot (CSU) bezeichnete Kiesslings Einwurf als „Quatsch“, weil die bestehenden Gewerbegebiete doch alle voll seien. Im Gebiet an der Neumarkter Straße finde Kleingewerbe einen guten Platz. Die Empörung der Bürger aus dem Oberpfalzviertel über den aus der Versenkung aufgetauchten Bebauungsplan Nummer 18 richtete sich in erster Linie gegen dessen Auslegung als Industriegebiet. So sieht das Thomas Dietz (FW/UNA).

Wenn die Stadt das jetzt zum Gewerbegebiet umwidme, müsse man sich an den rechtlichen Gegebenheiten orientieren und Lärmschutz und andere Auflagen beachten. „Wir haben viele Firmen, die in Altdorf Gewerbeflächen suchen. Und wir brauchen Steuereinnahmen“, betonte Dietz.

Wie das Gebiet gestaltet wird, das hat die Stadt mit ihrer Planungshoheit in der Hand. Auf jeden Fall solle man das Areal auf Kleingewerbe auslegen, machte Dr. Bernd Eckstein (CSU) deutlich.

Am Ende beschloss der Stadtentwicklungsausschuss, dem Stadtrat eine Veränderungssperre für den Bebauungsplan Nummer 18 und die Aufstellung einer Tektur für Gewerbeflächen zu empfehlen.

Margit Kiessling und Eckart Paetzold (Grüne) und Michael Gleiß (SPD) lehnten das ab.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten