Zu wenig Regen

Trockenheit macht Bauern im Landkreis zu schaffen

Die Gerste leidet unter dem wenigen Regen – die Böden im Nürnberger Land sind derzeit extrem trocken. | Foto: PeacePix/GettyImage2018/05/PeacePixGettyImages-586160698-1.jpg

NÜRNBERGER LAND — Auch wenn der Wetterbericht seit Tagen Gewitter verspricht: Im Nürnberger Land herrscht seit Anfang April extreme Trockenheit. Sie macht vor allem den Landwirten zu schaffen.

Wenn der Wetterbericht im Radio mal wieder ein „Traumwochenende“ mit Temperaturen von deutlich über 25 Grad verspricht, schüttelt Werner Wolf den Kopf. Für die Bauern im Nürnberger Land ist das Wetter seit Wochen nämlich alles andere als traumhaft, weiß der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth/Hersbruck. Im Gegenteil, „ganz, ganz dramatisch“ sei die Lage, so Wolf, der momentan beim Spargelstechen auf dem Hof seines Bruders in Ottensoos mithilft. Der Spargel hat die große Trockenheit, die seit Anfang April herrscht, zwar gut weggesteckt, aber die Wiesen sind braun und verbrannt, das Getreide wächst kaum mehr und viele Obstbäume tragen wegen der Hitze nur noch die Hälfte ihrer Früchte. „Ich kann mich an keine Phase erinnern, in der es im Mai so lange trocken war“, sagt Wolf.

Das allerdings ist ein lokales Problem: Während der Landwirtschaftsdirektor in Ottensoos seit Mitte April nur 18 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen hat und ein Heuchlinger Gartenbesitzer von gerade einmal acht Litern im gleichen Zeitraum berichtet, hat die Wetterstation am Nürnberger Flughafen über 70 Liter verzeichnet. Dort war der April zwar sehr trocken, aber im Mai regnete es durchschnittlich viel. Wolf: „Die Regenzone ging immer nur bis Nürnberg, Richtung Osten sind die Gewitter ausgeblieben.“ Von Pottenstein im Norden bis Neumarkt im Süden zieht sich deshalb ein Band über die Landkarte, in dem es weitgehend trocken blieb. Sein östlicher Rand reicht fast bis Tschechien.

Schlechte Ernteaussichten

„Ist der Mai kühl und nass, füllt‘s dem Bauern Scheun‘ und Fass“: Geht man nach dieser Bauernregel, bedeutet der heiße und trockene Mai nichts Gutes für die Ernte im Nürnberger Land. Beate Schmidt aus Reuth in der Gemeinde Leinburg ist dementsprechend skeptisch. Das Getreide wachse derzeit kaum, „und für den Mais wird es auch problematisch“, sagt sie. Familie Schmidt lebt von der Milchviehhaltung. Das Futter für die rund 200 Kühe und Kälber auf dem Hof produziert sie selbst. „Das wird in diesem Jahr wahrscheinlich gerade so reichen“, sagt Schmidt. Kurz vor Pfingsten haben sie und ihr Mann die Wiesen zum ersten Mal gemäht, jetzt haben sie Heu gemacht, „normalerweise hätten wir damit noch ein wenig gewartet“.

„Das Grünland hat schon braune, gelbe Stellen“, sagt Fachmann Wolf, „das kennt jeder Gartenbesitzer von seinem Rasen daheim“. Bei Getreide, insbesondere auf sandigen Böden, „können die Halme gar nicht wachsen, Körner und Ähren können sich nicht ausbilden“. Stroh, sagt die Bäuerin, werde sie in diesem Jahr wahrscheinlich nicht verkaufen können. Sonst sind zum Beispiel Pferdehöfe gute Abnehmer.

Obstbäume tragen wenig

Auch mancher Obstbauer erwartet eine geringere Ernte. Georg Potzner hat einen kleinen Kirschgarten in Großengsee (Gemeinde Simmelsdorf). Seine Bäume, sagt er, hätten zum Teil mehr als die Hälfte der Fruchtknoten verloren, „sie tragen bei weitem nicht so viel wie normal“. Ende vergangener Woche habe es in Großengsee zwar geregnet, „aber das kam drei Wochen zu spät“.


Bei Kirschen und Äpfeln behelfen sich viele Landwirte inzwischen mit Bewässerungsanlagen. Die Mehrkosten werden in der Regel durch einen höheren Ertrag ausgeglichen. Karl Roth aus Oberwindsberg etwa, der wie Potzner Kirschen anbaut, fürchtet dank seiner Bewässerungsanlage im Augenblick noch keine großen Einbußen. Gerade bei jungen Bäumen sei das Wasser ohnehin wichtig, sie hätten schwache Wurzeln, sagt er, „ein alter Baum hält sich bei Trockenheit besser“.

Wolf vom Landwirtschafts­amt hofft nun wenigstens auf ein bisschen Regen. „Wir brauchen ausgeglicheneres Wetter, nicht diese Extreme“, sagt er – wohlwissend, dass die Extreme in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Schmidt, die Bäuerin aus Reuth, hat noch einen anderen Wunsch: „Vielleicht merkt der Verbraucher ja auch einmal, dass landwirtschaftliche Produkte vom Wetter abhängig sind und nicht immer in der gleichen Menge verfügbar.“

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