Stelldichein von „echt starken Mädchen“

„Echt stark“ was die Mädchen zum Abschluss der Konferenz beim Bühnenprogramm in der Altdorfer Stadthaller boten2010/11/starkemaechen1_New_1289312641.jpg

ALTDORF – „Echt starke Mädchen“ dieses Lob kann man guten Gewissens an die rund 400 Teilnehmerinnen der „7. Konferenz für Mädchen und Frauen mit Behinderung“, die im Altdorfer Wichernhaus stattfand, verteilen. Aus ganz Deutschland waren die Teenager und jungen Frauen angereist, um ein Wochenende in der Gemeinschaft mit anderen zu verbringen, um neue Freundschaften zu schließen, jede Menge Spaß und Aktionen zu erleben, neue Sachen auszuprobieren oder heiße Diskussionen zu führen. 23 Workshops für die Teilnehmerinnen und drei für die Begleitpersonen standen auf dem Programm. Hinzu kamen Pausenangebote mit verschiedenen Entspannungstechniken, Schminken und Malen.

Obwohl die Teilnehmerinnen weit angereist waren, etwa aus Lübeck, Gelsenkirchen, Berlin oder Saarbrücken, ließ sich kaum eine die Begrüßungsrunde im historischen Hof und die Live-Musik mit Sängerin Klara Annabell Stubenrauch und der Mädchenband „Goldbird“ in der Werkstattcafeteria entgehen. Auch interessante Kurzfilme waren im Angebot. Dann allerdings fielen die „Girls“ doch ziemlich müde in die Betten, die für alle 400 Teilnehmer „zum ersten Mal bei einer Mädchentagung im Umkreis von nur 500 Metern aufgestellt waren“, wie Heide Adam-Blaneck vom „Bundesverband für körper- und mehrfach behinderte Menschen“ bei ihrem Resümee betonte.

Die Auswahl der Workshops brachte neue Kontakte für alle. Die Teilnehmerinnen erlebten, dass deutschlandweit Mädchen mit den gleichen Problemen leben, die sie auch haben. Neue Fähigkeiten konnten entdeckt werden, manches ausprobiert werden, was man sich schon lange gewünscht hatte.

Die meisten Kurse fanden in den Räumen des Wichernhauses statt, zum Reiten und Klettern und Spinning allerdings fuhr man in die entsprechenden Sportstätten: in die Reithalle nach Röthenbach, in die Kletterhalle des Alpenvereins und ins Provita. Für die Teilnehmer mit Rhythmus im Blut gab es einen Trommelworkshop, den Stimmlust-Chor oder den Gutelaune-Chor, Tanzworkshops für einfühlsame Jugendliche oder für solche, die es fetzig mögen. Am Computer konnte eine eigene Fotoshow zusammengestellt werden.

In der Kreativwerkstatt Papier wurde ein Wandbehang zum Mitnehmen gestaltet. Die Mädchen konnten aber auch sägen, hobeln und schleifen und sich ein Schatzkästchen oder eine kleine Truhe basteln.

Und natürlich geht es bei jungen Damen auch um das Aussehen. Tipps und Tricks zum Haarstylen und Schminken, Anleitung zur Herstellung von Cremes und Ölen, Stil- und Farbberatung wurden angeboten und gerne angenommen.

Vor allem für die Rollstuhlfahrerinnen waren praktische Hinweise zum Umgang mit Hunden und mit aggressiven Menschen wertvoll. Es war faszinierend anzusehen, wie zwei Rollifahrerinnen aus dem Wen Do Kurs zwei „Scherzbolde“, die sich von hinten am Rollstuhl zu schaffen machten, kurzerhand auf die Matte legten.

Träumen durften die Teilnehmerinnen beim Nachdenken über das eigene Leben im Jahr 2015 und bei der entspannenden chinesischen Massage mit Klangschalen. Auch Märchenhaftes wurde erarbeitet: ein Schwarzlichttheaterstück von der Rübe und eine Aschenputtelstory.

In Gesprächsrunden wurden Themen um die Entwicklung, um Sexualität und Liebe behandelt und auch, wie man sich besser durchsetzen und die eigene Meinung gut vertreten kann, wurde in Workshops geübt.

Aus all diesen Aktionen wurde ein zweieinhalbstündiges Showprogramm zusammengestellt, das am Sonntagmorgen, quasi als Abschiedsgeschenk an alle, in der Altdorfer Stadthalle gezeigt wurde. So konnte jeder Teilnehmer einen Überblick über die 7. Mädchenkonferenz gewinnen.

Als Gäste wurden der Leiter des Wichernhauses, Diakon Volker Deeg mit Gattin, Heinrich Feeling, der zweite Vorsitzende des Bundesverbands für körper- und mehrfach behinderte Menschen, der Behindertenbeauftragte des Landkreises Prof. Norbert Lompa und Uli Reuter vom Arbeitskreis mobil mit Handicap begrüßt.

Ein herzliches Dankeschön ging an die Hausmeister des Wichernhauses, die in kürzester Zeit eine stabile Rampe gezimmert hatten, damit die vielen Rollstuhlfahrer auch die Bühne der Halle erreichen konnten.


Heide Adam-Blaneck, die Leiterin der Konferenz, dankte der Leitung des Wichernhauses für die Möglichkeit, die Konferenz in Altdorf durchzuführen, ihrer Mitstreiterin Anne Ott vom Bundesverband mit dem Planungsteam, und den Haupt-Koordinatorinnen, Marina Korinth-Lochner und Martina Zapf vom Altdorfer Wichernhaus. In der Rummelsberger Einrichtung hatte man vorbildliche Organisationsarbeit geleistet, denn neben dem Herrichten von Räumen für die Veranstaltungen, Übernachtungsmöglichkeiten, Verpflegung der Teilnehmer und Transportaufgaben, galt es auch noch den speziellen Bedarf der Referenten und für die Behinderten bereit zu stellen. Trotz aller Hektik, die eine Tagung mit 400 Teilnehmern mit sich bringt, blieb die Atmosphäre entspannt und gelöst, die jungen Besucherinnen hatten erkennbar Freude bei ihrem Aufenthalt in Altdorf.

Auch die Bühnenshow in der Stadthalle, an der sogar ein Hund mitwirkte, lief fast reibungslos ab, und die Blumen für die „Macherinnen“ – natürlich in mädchenfarben pink – waren mehr als verdient. Die Moderatorin verstand es geschickt, Umbaupausen mit kurzen Film- und Fotobeiträgen zu überbrücken. So entwickelte sich ein bunter Bilderbogen, zusammengetragen aus einem erlebnisreichen Wochenende, das sicher bei allen Teilnehmerinnen in guter Erinnerung bleiben wird, schließlich hatte sich auch das Wetter von der besten Seite gezeigt.

Auf der Bühne wurde getrommelt und gesungen, es wurden Modelle entwickelt, Textbeiträge abgeliefert und Theater gespielt.

Und ganz zum Schluss wurde es noch einmal richtig laut, nämlich als Tanzlehrerin Elke Bezold mit ihrer Workshopgruppe „Tanzen wie die Stars“ zu aktuellen Rhythmen über die Bühne rockte. Die Besucher im Saal ließen sich mitreißen, klatschten mit und forderten erfolgreich eine Zugabe ein. Heide Adam-Blaneck blieb nur noch Zeit für eine weitere Dankesrunde an die 50 Helferinnen, die für einen reibungslosen Ablauf gesorgt hatten und an das Küchenteam, dann standen schon Busse und Bahn bereit. Bei der nächsten Mädchenkonferenz sind sicher wieder viele Teilnehmerinnen mit dabei. sb/16

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