Fachakademie für Sozialpädagogik

Was wollt ihr?

„Einsatz in vier Wänden“ hatten die Studierenden der Rummelsberger Fachakademie für Sozialpädagogik (von rechts) Theresa, Denis und Alexander ihr Projekt mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen genannt. Hier stellten sie es gerade ihren Kommilitonen am Projekttag vor. | Foto: Krätzer2016/12/FakS_ProjektPraes_4Waende.jpg

RUMMELSBERG – Ein Projekt durchführen, ja gut, aber welches? Diese Frage stellt sich jedem Jahrgang von Studierenden des zweiten Studienkurses (SK2) der Rummelsberger Fachakademie für Sozialpädagogik (FakS). Während ihres Praktikums in einer Einrichtung, von der sie sich vorstellen können, dort später einmal zu arbeiten, geht es darum die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe kennen zu lernen.

Das Praktikum führt die angehenden Erzieherinnen und Erzieher in die unterschiedlichsten Einrichtungen: zu Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Jugendhilfe, zu unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, zu Menschen mit einer Behinderung. Als Abschluss dieser Praxiserfahrung steht die Aufgabe, ein Projektthema zu finden und seine Durchführung zu begleiten.

Was ihr wollt

Was wollt ihr? Bei dieser Frage könnten ganz utopische und fantastische Projekte entstehen. Die Antwort könnte aber auch etwas ganz Naheliegendes sein, etwas, das für andere so zur Normalität zählt, dass sie daran keinen Gedanken verschwenden. Beispielsweise ein eigenes Zimmer gestalten, in das man sich zurückziehen kann. Oder gemeinsam einen Rap texten, ein Kickerturnier veranstalten, einen Lagerfeuerabend organisieren. So nämlich lauten vier von insgesamt elf Projekten, die die Studierenden des SK2 am Projekttag ihren Dozenten und Mitstudierenden in der FakS vorstellten.

Nach der gleichnamigen Fernsehsendung hatten Denis, Theresa und Alex ihre Aktion in der Nürnberger Clearingstelle mit minderjährigen Flüchtlingen „Einsatz in vier Wänden“ getauft. Doch bevor sie ihr Projekt in der FakS überhaupt vorstellten, sollten sich ihre Kommilitonen den Seminarraum selbst einrichten – die nötigen Stühle, Sessel und Sofaelemente hatten die drei zuvor im Nebenraum gestapelt.

Danach ging’s an die Vorstellung des „Einsatzes“ und der Situation der Jugendlichen in der Clearingstelle. Sie kämen aus den verschiedensten Ländern wie Albanien, Eritrea oder Afghanistan, hätten untereinander Sprachbarrieren und ethnische Vorurteile. „Sie haben die gleichen Bedürfnisse wie wir, wollen Spaß haben, feiern, eine sichere Zukunft und Perspektiven.“

Beim Zimmer Einrichten Barrieren abbauen

Beim Ideensammeln kristallisierte sich schnell der Wunsch nach einem selbst eingerichteten Raum heraus, in dem sich die Jungen zurückziehen können. Anhand einer Filmdokumentation zeigten die drei Studierenden, mit welchen geringen Mitteln sie einen gemütlichen Raum gestalteten: mit viel Eigeninitiative und kreativen Ideen aller sowie einem Fundus von ausrangierten Möbeln.

Eine Sitzecke mit Sofas, Spieleschränke, eine Pinnwand mit Weltkarte, eine kleine Teeküche, indirekte Beleuchtung sowie Grünpflanzen – an alles hatten die jugendlichen Innarchitekten gedacht. Ein Gemeinschaftsprojekt, von dem sie viel profitierten, nicht zuletzt dadurch, dass sie untereinander Barrieren abbauten und lernten, sich und ihre Ideen einzubringen.

Erfahrungen gesammelt

Mit den Einrichtungspraktika sammeln die Studierenden der FakS Erfahrungen in ihren späteren Arbeitsbereichen. Mit und für ihre Klienten sollen sie dort das Projekt entwickeln – ein kreatives Ausprobieren, das Spaß macht. Doch dahinter steckt viel Überlegung, steht die durchdachte und geleitete pädagogische Arbeit. Dazu zählt das Formulieren und Überprüfen von Prinzipien und Zielen von Projektarbeit, beispielsweise die Öffnung nach außen, sprich der Aufbau vom Kontakten zu anderen.

Tanzen stand gleich über zwei Projekten – mit Kindern des Kinderheims St. Michael in Fürth und Mädchen des Jugendhilfezentrums in Schnaittach. Um jeweils gemeinsam eine Choreografie zu entwickeln mussten die jungen Tänzer lernen, sich mit den anderen abzusprechen, vom Gegen- zum Miteinander zu kommen.

Ob verschiedene Musikvideos bei „Fürth – Whatever“ oder der Schwarzlicht-Tanz, geschminkt mit Neonfarben – wertvolle Erfahrungen auch für die angehenden ErzieherInnen, die mit viel Engagement und Begeisterung ihre Projekte begleiteten. Viel Beifall gab’s bei den Projektpräsentationen für die anregenden Ideen und ihre kreative Vorstellung.

N-Land Dorothée Krätzer
Dorothée Krätzer