Schnaittachs gelungener Milleniums-Festakt

Bürgermeister Georg Brandmüller bei seiner Rede, im Hintergrund die Chorgemeinschaft.2011/07/DSC_0114.jpg

SCHNAITTACH — In einem absolut würdigen Rahmen und mit gelungenen Reden hat Schnaittach die heiße Phase seines Festjahres begonnen. Knapp 180 geladene Gäste erlebten den Festkommers im Saal des „Tausendschön“ mit, bei dem kein wesentlicher Aspekt der tausendjährigen Geschichte ausgeblendet blieb.

Der ehemalige Bundesbauminister Oscar Schneider, dessen Frau Jossy aus dem bekannten Schnaittacher Gasthof Kampfer stammt, trug in der Hauptrede fundiert die historischen Details vor, die den Gästen noch einmal das Bewusstsein für die spezielle Rolle des Ortes zu Füßen der Festung am Rothenberg schärfte. Während die Chronik-Autoren Ina Schönwald und Martin Schieber anhand einer Aquarellserie mit Blick vom Rothenberg auf den Ort die Entwicklungsschritte Schnaittachs über die Jahrhunderte gut veranschaulichten, widmete Bürgermeister Georg Brandmüller seine Worte den Menschen, die die Gemeinde aufbauten und durch alle machtpolitische Unbill am Leben hielten.

Anders als Schneider und Schönwald/Schieber spannte Brandmüller den Bogen in die Gegenwart. Er erinnerte an die Gebietsreform Anfang der 70-er Jahre, die Schnaittach zur Großflächengemeinde mit vielen neuen und teuren Aufgaben machte. Das Anliegen sei seither, die Dörfer und den Ort voranzubringen, auch in der Lebensqualität, was „uns in den vergangenen Jahren stark beschäftigt und gefordert hat“.

Er erinnerte daran, dass „vieles, was unseren Ort liebenswert macht, durch gemeinsame Anstrengungen erreicht wurde“. Dies bestätigt sich auch im Jubiläumsjahr. Denn der Ortsgemeinschaft ist es gelungen, das von Landrat Armin Kroder als „wirklich fulminant“ gelobte Festprogramm auf eigene Kosten zu tragen und zu schultern. „Dieser Aufgabe haben sich unsere Vereine, Organisationen, Kirchen und Privatpersonen mit viel Engagement angenommen“, lobte Brandmüller. Er bedankte sich für „dieses großartige bürgerschaftliche Engagement“.

Die heimische Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler hob einen weiteren Brandmüller-Satz hervor. In der Festprogramm-Broschüre erinnert dieser daran, dass es nie zuvor in der tausendjährigen Geschichte „eine so lange Friedensepoche“ gab wie die aktuelle. Sie pflichtete ihm bei, dass dies zuversichtlich für die Zukunft stimme. Das erhoffte Schnaittacher Wir-Gefühl im Jubiläumsjahr meinte sie, genauso wie Landrat Kroder, bereits festzustellen.

Der Chef der Kreisverwaltung hielt eine launige Rede, indem er zum Beispiel auf das leidige Freibad-Thema kam (wir berichteten). Er hoffe, dass er bald wieder in Schnaittach schwimmen könne wie in seiner Jugend. „Ich glaube ans Bad“, sagte er und erntete für diesen Satz geteilte Reaktionen. Er sagte der Stiftung „LebensWerte“, die die Freibadsanierung zahlt, spontan eine Spende des Landkreises zu.

Vor allem aber zeigte sich Kroder  beeindruckt von dem, was Schnaittach sonst darstellt und was es zum Jubiläum aufzieht. Das Interesse hochkarätiger Gäste – unter anderem Städtetagspräsident Hans Schaidinger, Ministerialdirektor Hans Schleicher (Wirtschaftsministerium), der Vorsitzende des Sparkassenvorstands Matthias Everding, Bezirkstagsvizepräsident Norbert Dünkel und Landtagsabgeordneter Kurt Eckstein – und auch die Anwesenheit aller vier Landräte bei einem Termin im Juli sei „außergewöhnlich“.

Regierungspräsident Thomas Bauer gratulierte im Namen aller höheren politischen Ebenen zu einem „selbst im geschichtsträchtigen Bayern“ doch besonderen Jubiläum. Bezogen auf Schnaittachs Nachkriegsgeschichte, in der der Ort sehr viele Flüchtlinge aufnehmen musste, lobte er die Gemeinde als „ein Beispiel einer gelungenen Integration in Bayern“. Auch Simmelsdorfs Bürgermeister Perry Gumann gratulierte dem Nachbarn im Namen seiner Gemeinde.

Voll des Lobes waren die Gäste am Mikrofon und am Rande der Veranstaltung ob der Rede Oscar Schneiders, der sich eigens tief in die Schnaittacher Geschichtsbücher vertiefte, wie er erzählte. Er bezog sich auf Fritz Schnelbögl und lobte sehr die „Schnaittacher Häuserchronik“ von Karl Kroder und Birgit Kroder-Gumann von 2002 sowie die kürzlich erschienene Ortschronik von Schönwald/Schieber.

Schneider betonte stark die Bedeutung der Festung am Rothenberg für das Wohl und Wehe Schnaittachs. Er zeichnete die Entwicklung kenntnisreich nach, ordnete in gesamthistorische Zusammenhänge ein. Die Geschichte stimme zuversichtlich, sodass „die Schnaittacher mutig und hoffnungsfroh“ in ihr zweites Jahrtausend gehen dürfen.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz