Politik und Kabarett einmal nicht gegeneinander

Die Übergänge zwischen Politik und Kabarett sind fließend: Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly und die Kabarettistin Andrea Lipka bei ihrem Auftritt im Tausendschön. Foto: Rauenbusch2011/09/30579_malylipkatausenschoen3_New_1317397862.jpg

SCHNAITTACH — Eine überaus abwechslungsreiche Mischung aus Politik und Kabarett ist Andrea Lipka und Ulrich Maly im Tausendschön in Schnaittach gelungen. Die Kabarettistin und zweite Bürgermeisterin aus Simmelsdorf gestaltete zusammen mit Nürnbergs Oberbürgermeister (beide SPD) einen kurzweiligen Abend, bei dem weder der Humor noch die Politik zu kurz kam. Veranstaltet wurde der Abend von der SPD Schnaittach.

Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, als Schnaittachs Bürgermeister Georg Brandmüller die Ehrengäste begrüßte und dem Publikum viel Vergnügen wünschte. „Das wird ein politischer, aber kein parteipolitischer Abend“, fügte er noch hinzu, bevor er Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly das Rednerpult überließ.

In einer kurzen Rede gab Maly dem Publikum einen Einblick in die Griechenlandkrise aus seiner Sicht. Als ehemaliger Student der Volkswirtschaftslehre konnte er den Gästen die Problematik anschaulich erklären. Zum Schluss seiner Rede richtete er noch einen Appell an das Publikum „Wenn wir über Geld reden, geht es nicht um einen Verteilungskampf“. Sein Ziel sei es, die Welt ein bisschen besser und gerechter zu machen.

Andrea Lipka stellte gleich zu Beginn klar, dass es sich bei der Veranstaltung um keinen klassischen Polit-Talk handle. Vielmehr ginge es darum Politik mit Kabarett zu verbinden. Lipka, die zuvor fleißig in Wikipedia recherchiert hatte, blickte kurz auf die bisherige Karriere Malys zurück. Schon mit sieben sei er politisch aktiv gewesen, 2002 wurde er dann zum Oberbürgermeister gewählt. Bei der Wiederwahl 2008 setzte er sich gegen acht Mitbewerber durch. „Na ja, man muss als Bürgermeister die Menschen mögen, auch die Schrägen unter ihnen“, antwortete Maly.

Andrea Lipka schlüpfte nun in die Rollen einiger solcher schrägen Typen und leitete nach ihren kurzweiligen Szenen geschickt in eine politisch unterhaltsame Fragerunde mit Maly über. Der humorvolle Oberbürgermeister antwortete auf alle Fragen spontan. Dabei handelten die Beiden nahezu die komplette Bandbreite an aktuellen politischen Themen ab – von der Familienpolitik über die Piratenpartei bis hin zur CDU/FDP Krise – immer mit einer gewissen Portion Humor.

Zunächst stand der Euroraum auf dem Prüfstand. Maly ist der Meinung, dass dieser stark genug ist, die Finanzkrise zu überwinden. Er selbst mache sich keine Sorgen, Geld zu verlieren. „Ich lege mein Vermögen nicht in Aktien an, sondern lieber in Essen und guten Wein“, so der Politiker. Das Publikum erfuhr unter anderem, dass Maly ein Befürworter der Frauenquote ist und er Münchens Oberbürgermeister Christian Ude als geeigneten Ministerpräsidenten sieht. „Er ist allerdings sehr münchnerisch“, so Maly. Da müsse man etwas ändern. Aber das sei das erste Mal, dass die Sozialdemokraten für die „Christianisierung“ Bayerns sind, stellte er mit Blick auf Udes Vornamen fest.

Mit alltäglichen Geschichten zog Lipka anschließend das Publikum in den Bann und hatte die Lacher auf ihrer Seite. Sie erzählte von geselligen Tupperabenden und frustrierenden Einkaufstouren mit ihrem Mann, von überflüssigen Antifaltencremes und Männern, die nicht mehr als vier Worte am Tag reden. So schlüpfte die Kabarettistin kurzerhand in einen Kittel und spielte eine unzufriedene Hausfrau. Von ihrem Mann würde sie kaum Unterstützung bekommen. Doch was macht Ulrich Maly eigentlich im Haushalt? Vor seiner Zeit als Bürgermeister habe er noch jeden Tag gekocht, handwerklich sei er aber weniger begabt. Und auch im Bügeln ist er eher schlecht. Die Gartenarbeit mache ihm dafür aber großen Spaß.

„Als Bürgermeister darf es nicht um Geld oder Berühmtheit gehen. Ich versuche jeden Tag das Beste zu geben“. Mit diesem Schlusswort beendeten die Beiden den überaus gelungenen Auftritt und wurden mit einem langem Applaus belohnt.

Das Publikum lernte an diesem Abend sowohl den politischen als auch den privaten Maly besser kennen. Einen Oberbürgermeister, der sich auch während seiner Arbeitszeit um Humor bemüht und der dafür sorgt, dass in den Sitzungen einmal befreit aufgelacht werden kann. „Nicht immer haben die anderen Verständnis dafür“, sagte er im Gespräch mit der PZ. Man dürfe sich aber selbst nicht zensieren lassen. Lipka teilt diese Meinung vollkommen „Politik trifft Kabarett“ – eine Mischung, die sich nicht nur Andrea Lipka und Ulrich Maly auch in Zukunft gut vorstellen können. Luisa Rauenbusch

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung