Es bleiben noch Fragen

Die Delegation aus Schnaittach in einem Studio, das schon für die Weihnachtssendung von Carolin Reiber dekoriert wurde. Links Produktionsleiter Stefan Schäfer, der die Gäste durch die Studios in Unterföhring führte2010/11/11499_New_1290099362.jpg

UNTERFÖHRING/ SCHNAITTACH — Eine 16-köpfige Delegation aus Schnaittach war nach Unterföhring gereist, um die Sendung „Jetzt red i“, die am Mittwochabend ausgestrahlt wurde, zu begleiten. Im BR-Studio konfrontierte Moderator Andreas Bönte die Verantwortlichen mit den Fragen, die die Schnaittacher drei Wochen zuvor im Tausendschön gestellt hatten. Doch die Antworten fielen recht mager aus.

Produktionsleiter Stefan Schäfer hatte die Schnaittacher vor der Sendung empfangen und durch die Studios in Unterföhring geführt. Er erklärte die Organisation einer Fernsehübertragung und den Aufbau des BR, der in München mehrere Standorte hat. In Unterföhring werden Publikumssendungen wie „Blickpunkt Sport“ aufgezeichnet. Das Bildmaterial wird dann nach Freimann übertragen, wo die Sendung überarbeitet und auf einem Server gespeichert wird. Erst danach gehen Bilder über Kabel an die Sendestation.

Dann wurde es ernst. Während der Aufzeichnung herrschte absolutes Redeverbot für die 16 Gäste aus Schnaittach, die als Einzige live dabei sein durften. Handys mussten ausgeschaltet werden, Beifall war nicht erlaubt.

Der BR hatte vorab aus den vielen Themen, die in Schnaittach angesprochen worden waren, eine Auswahl getroffen. Nicht jeder Schnaittacher war davon begeistert. So kam der heruntergekommene Bahnhof, der vielen am Herzen liegt, nicht zur Sprache. Grund: In der Rubrik „Nachgehakt“, die sich am Ende der Sendung mit Fragen aus früheren Ausstrahlungen beschäftigt, war genau das – ein heruntergekommener Bahnhof in Windischeschenbach – auch schon Thema gewesen.

In die Sendung schafften es am Ende sieben Schnaittacher Anliegen. Hedwig Hacker von der Initiative „Hilfe für Frauen und Kinder in Not“ hatte um höhere Zuschüsse gebeten, den zurzeit bekommt der Verein nur knapp über 2000 Euro. Die Antwort von Staatssekretär Markus Sackmann vom Sozialministerium war ernüchternd. Er wolle zwar das ehrenamtliche Engagement in Bayern nicht schwächen, Tatsache sei aber, dass für ehrenamtlich betriebene Organisationen genau diese Fördersumme vorgeschrieben sei. „Würde der Verein zumindest eine hauptamtliche Kraft beschäftigen, gäbe es 20 000 Euro“. Man solle sich deshalb nach Sponsoren umsehen und sich auch an Richter wenden. Die könnten bei ihren Urteilen nämlich festlegen, an welche Einrichtung Geldstrafen gezahlt werden.

Helmut Lindner hatte sich darüber beschwert, dass es in Schnaittach nur Fahrkartenautomaten gibt. Vor allem ältere Bürger hätten damit ihre Probleme. Er schlug vor, einen Ticketshop im Schreibwarenladen oder im Reisebüro einzurichten. Als Antwort habe er von der Bahn aber nur ein Schreiben bekommen, in dem ihm eine Schulung für die Automaten angeboten wird. Genau dieses Angebot bekräftigte Klaus-Dieter Josel von der Deutschen Bahn noch einmal. Ein „personenbedienter Verkauf“ sei in Schnaittach nicht lukrativ. Nur etwa 800 Ein- und Aussteiger täglich habe man dort gezählt. Auch über den Ticketpreis ließe sich nichts machen, schließlich gehöre Schnaittach zum VGN, der eine einfache Tarifstruktur habe. Die Automaten in der Marktgemeinde seien aber auf dem neuesten Stand und mit nur ein paar Klicks ganz einfach zu bedienen.

Im denkmalgeschützten Siechenhaus in Schnaittach wohnt Irmi Vollmuth. Sie wollte Solarzellen auf ihrem Dach anbringen, doch das wurde vom Denkmalamt abgelehnt. Sie fordert, dass Denkmalschutz und erneuerbare Energien miteinander vereinbar sein müssten. Grundsätzlich sei dies auch der Fall, antwortete Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch. Man wolle den Antrag von Irmi Vollmuth aus dem Jahr 2006 noch einmal prüfen. Prinzipiell gelte aber, dass man gerade in Bayern eine gewisse Optik bei alten Häuser bewahren möchte. Vollmuth könne aber versuchen, zum Beispiel für eine Dämmung Fördermittel zu bekommen.

Auch Motelbesitzer Adolf Zimmermann aus Hormersdorf kam zu Wort. Er hatte einen 35 Meter hohen Werbeturm an der A 9 aufstellen wollen, als Hinweis auf seine Unterkunft. Doch der Antrag wurde abgelehnt. Besonders ärgerlich für Zimmermann: Nur wenige Kilometer weiter wirbt in Plech ein solcher Turm für MacDonald‘s und Aldi. Josef Poxleitner von der Obersten Baubehörde wies darauf hin, dass sich der Pylon im Fall Hormersdorf nicht in unmittelbarer Nähe des 800 Meter von der Autobahn entfernten Motels befände. „Würde man das allen erlauben, hätten wir überall Pylonen, die die Autofahrer ablenken.“ Trotzdem, so versprach er, will er für Zimmermann ein Gespräch mit der Autobahndirektion Nordbayern vermitteln. Vielleicht könne er ja zumindest auf den Autobahnparkplätzen um Schnaittach werben. Das Werbeschild für Aldi in Plech wolle man zudem auch überprüfen.

Großes Thema: Windkraft

Großen Raum nahm wie zu erwarten das Thema Windkraft ein, zu dem sich gleich mehrere Redner gemeldet hatten. Wolfgang Lazik, Amtschef des Umweltministeriums, sagte im Bezug auf die von den Bürgern geforderten Mindestabstände von Windrädern zur Wohnbebauung, dass die Länder hier keine einheitliche Regelung wünschten. Er gab den Schwarzen Peter an Landrat Kroder weiter, der schließlich im Planungsausschuss sitze, der über die Vorrangflächen zu entscheiden habe. Zudem könne das Landratsamt in Sachen Immissionsschutz, Naturschutz und Beeinträchtigung des Landschaftsbildes Einwände gegen Windkraft anmelden. Genau das hatte Kroder bei der Aufzeichnung in Schnaittach auch den Bürgern erklärt. Der Haken aber: Meldet der Landkreis Bedenken an, könne man ihm eine „Verhinderungspolitik“ vorwerfen.

Elisabeth Hensel von der Chorgemeinschaft Schnaittach hatte sich mehr singende Männer gewünscht. Hier war Minister Heubisch mit ihr einer Meinung und bot spontan an, er könne im Jubiläumsjahr 2011 ja als Sänger einspringen. Ernster fügte er hinzu, dass man Möglichkeiten finden müsse, nicht nur Männer, sondern generell junge Menschen für Chöre zu motivieren. Hier müsse man auch über das Liedgut nachdenken und dieses moderner gestalten. Auf die Kritik Hensels, das schon in den Schulen zu wenig gesungen würde, ging er nicht ein.

Zuguter Letzt kamen die Großbellhofener an die Reihe, die seit Jahren eine Ortsumgehung fordern. Poxleitner von der Baubehörde erklärte, Großbellhofen sei in die „Dringlichkeitsstufe zwei“ eingeordnet worden. Das heißt: Umgehung ja, aber nicht in den nächsten Jahren. Die Angst der Bürger, dass in die Beurteilung der Orte die Ergebnisse der Verkehrserhebung von 2005 einfließen könnten, konnte er aber nehmen. Man würde auf jeden Fall die Werte von 2010 heranziehen, die zugegebenermaßen um rund 25 Prozent höher lägen. Für die lärm- und verkehrsgeplagten Großbellhofener ein schwacher Trost.

Nach der Sendung wurden die Schnaittacher zu einem Imbiss eingeladen. Dabei wurden die Gespräche mit dem Moderator und den Rednern der Behörden noch vertieft.

N-Land Tina Chemnitz
Tina Chemnitz