Bayern blickt auf Schnaittach

Und Action: Vier Kameramänner und ebensoviele Mikrofonträger hielten die Aufzeichnung im Tausendschön in Bild und Ton fest . Fotos: Chemnitz2010/10/10078_New_1288193463.jpg

SCHNAITTACH — Der Bayerische Rundfunk erteilte den Schnaittachern das Wort und die hatten richtig viel zu sagen. Rund 20 Themen wurden am Dienstagabend bei der Aufzeichnung der Bürgersendung „Jetzt red i“ im Tausendschön angeschnitten (Wer sagte was: ein bebilderter Überblick). Ausgestrahlt wird die Sendung am Mittwoch, 17. November, ab 20.15 Uhr im BR.

Eine Bildergalerie vom Abend gibt es aber schon vorab, hier auf N-Land.

Noch zehn Minuten. Im Saal haben es sich die meisten der rund 160 Zuschauer, die eine Karte für die Sendung ergattern konnten, an Tischen bequem gemacht und bestellen fleißig Getränke bei den flinken Bedienungen. Auf der Bühne unterhält die Blaskapelle Rothenberg die Besucher mit zünftiger Musik. Währenddessen treffen die rund 20 Fernsehleute die letzten Vorbereitungen. Zusätzliche Stühle werden angeschleppt, weil ein paar Gäste mehr als gedacht gekommen sind, Kabel werden ausgerollt und die Kameramänner und Tontechniker überprüfen ein letztes Mal die Elektronik.

Moderator Tilmann Schöberl begrüßt schon einmal seine Gäste und zeigt sofort, dass er ganz Vollprofi ist. Er beginnt mit der Feststellung, dass Mittelfranken ja die Region sei, in der „zurzeit der beste bayerische Fußball gespielt wird“, und erntete dafür tosenden Beifall – spätestens jetzt hat er das Publikum ganz auf seiner Seite. Noch ein paar Bemerkungen zum Ablauf der Aufzeichnung und die nicht ganz ernst gemeinte Bitte: „Wenn die Kamera auf Sie gerichtet ist, tun Sie wenigstens einigermaßen interessiert und verhalten Sie sich so, als ob Sie der Diskussion folgen würden. Also nicht schlafen und nicht in der Nase bohren.“ Dafür erntet er einige Lacher.

Punkt 19 Uhr geht es los. Die Regie, die in einem Raum hinter der Bühne alles auf Monitoren verfolgen kann, gibt das Zeichen und Schöberl spricht seine einleitenden Sätze in die Kamera, untermalt vom begeisterten Applaus der Schnaittacher. Vier Kameramänner – in jeder Ecke des Raumes postiert – gleiten in einer lautlosen Choreographie durch die Reihen, fangen Stimmungen ein und zeigen einander mit Handzeichen an, wohin der Kollege am besten rücken sollte. Alles ist perfekt einstudiert. Im Schlepptau haben sie je einen Mann der Freiwilligen Feuerwehr Schnaittach. Eine ganz neue Erfahrung für die Männer, die sonst C-Rohre in den Händen halten, heute werden sie als Kabelträger eingesetzt.

Nacheinander ruft Schöberl die Schnaittacher auf, die etwas zu lokalen Themen zu sagen haben. Und da gibt es viele. Im Akkord werden die Punkte „abgearbeitet“, die den Schnaittachern auf den Nägeln brennen: Da geht es natürlich um Windkraft, die vor allem die Hormersdorfer und Osternoher beschäftigt, um den Lärm, den Lkw und Autos auf der viel befahrenen Staatsstraße durch Großbellhofen und auf der Autobahn verursachen, den erbärmlichen Zustand des Bahnhofs und die Erneuerung der Ortsdurchfahrt in Kirchröttenbach, die den Anwohnern zum Teil teuer zu stehen kommen könnte.

Trotz der Flut an Informationen nimmt sich Schöberl für jeden Redner reichlich Zeit. Er lässt die Leute ausreden, denn schließlich moderiert er hier eine Bürgersendung. Deshalb kommen die Offiziellen auch nur ganz kurz zu Wort: Bürgermeister Georg Brandmüller, der sich zu Kirchröttenbach äußert, Landrat Armin Kroder, der versucht, die komplizierte Lage in Sachen Windkraft zu kommentieren, und Zweite Bürgermeisterin Karin Müller, die gleich zu mehreren Punkten Stellung nehmen möchte, von Schöberl aber ausgebremst wird. Dabei bleibt der Moderator immer freundlich und souverän, ist schlagfertig und geht auf Argumente ein. Er versucht aber auch, auf den Punkt zu kommen und den Rednern ihre Fragen an die übergeordneten Behörden zu entlocken.

Währenddessen wird es im Saal immer heißer. Die rund 50 Scheinwerfer an Decken und Wänden heizen den Raum auf schweißtreibende Temperaturen über 30 Grad auf. Zweimal nur gibt es kurze Unterbrechungen, in denen der Moderator von der Visagistin die Nase gepudert bekommt, und schon geht es weiter. Wieder schlängeln sich die Tonleute mit ihren langen Mikrofonstangen zwischen Tischen und Stühlen hindurch zum nächsten Gesprächspartner. Mit fortgeschrittener Zeit, als beim Publikum Konzentration und Geduld langsam nachzulassen drohen, kommt Schöberl zum Ende. Um Viertel nach neun, nachdem der Schlussapplaus einmal wiederholt werden musste, weil die Schnaittacher den Moderator mit ihrem Klatschen übertönt hatten, ist alles vorbei.

Danach sitzen die Menschen in Gruppen zusammen und diskutieren über das, was sie in den vergangenen zwei Stunden gehört haben. Das Fazit ist durchweg positiv. Auch das von Günter Kiesl. Der Schnaittacher hat alles als Zuschauer verfolgt. Ihm liegt besonders die Fällung der sichtbehindernden Bäume an der Festung Rothenberg am Herzen. Bernhard Britting findet, dass eigentlich alle Themen angesprochen wurden, die im Markt zurzeit anstehen. „Einige Themen sind ja seit Jahren im Gespräch, andere waren für mich ganz neu. Zum Beispiel was Hedwig Hacker über die Frauennothilfe zu sagen hatte.“ Und Norbert Lederer glaubt, „dass die Politiker an einigen Fragen zu knabbern haben werden“, die an diesem Abend aufgeworfen wurden.

Ob das so ist und welche Antworten die zuständigen Ämter und Behörden finden, wird sich in der Live-Aufzeichnung im BR-Studio in Unterföhring am 17. November zeigen. Fortsetzung folgt …

N-Land Tina Chemnitz
Tina Chemnitz