Erstes Schnelltestzentrum im Landkreis

Schnaittach eröffnet Testzentrum

Der Laufer IHK-Vorsitzende Johannes Bisping macht es vor: Speichel unter der Zunge sammeln, das Teststäbchen zehn Sekunden anfeuchten, dem geschulten Personal von MBS zurückgeben, fertig. Das Ergebnis soll man binnen 20 Minuten per App erhalten. | Foto: Andreas Kirchmayer2021/03/Corona-Schnelltest-Johannes-Bisping-Sonja-Berger-MBS-Schnaittac-scaled.jpg

SCHNAITTACH – Von der Anmeldung bis zum Abstrich dauert es nur wenige Minuten, das Ergebnis erhält man binnen 20 Minuten per App, sagt Dominik Berger, Inhaber der Schnaittacher Firma MBS Medizintechnik. Er leitet das erste Schnelltestzentrum im Nürnberger Land, das gestern Nachmittag zunächst testweise seinen Betrieb aufgenommen hat.

Unter den ersten Nutzern waren Mitarbeiter des Marktes, Bürgermeister Frank Pitterlein und der Laufer IHK-Vorsitzende Johannes Bisping, der im Vorfeld an der Organisation beteiligt war.

Genutzt wird ein sogenannter Point-of-Care-Antigen-Test. Den Abstrich unter der Zunge, wo sich genügend Speichel gesammelt haben sollte, macht jeder bei sich selbst, er ist nicht unangenehm oder schmerzhaft. Alles andere erledigt ein Mitarbeiter von MBS, gestern Inhaberin Sonja Berger.

Noch erhält man die Benachrichtigung über das Ergebnis per E-Mail, bald soll es per App funktionieren. Sollte ein positives Ergebnis festgestellt werden, benachrichtigt MBS nicht nur den Bürger, sondern auch das Gesundheitsamt.

Keine hundertprozentige Sicherheit 

Eine hundertprozentige Sicherheit, dass das Ergebnis richtig ist, gibt es bei keinem Testverfahren, sagt Dominik Berger. Der verwendete POC-Test hat eine Spezifität von 96,5 – so hoch ist also die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Nicht-Infizierten das richtige Ergebnis herauskommt. Die sogenannte Sensitivität, also die Wahrscheinlichkeit, dass eine Infektion erkannt wird, liegt noch höher, bei 98,6 Prozent. Alle zugelassenen Tests liegen in diesem Bereich, sagt Berger.

Was aber, wenn man zu denen gehört, die falsch getestet wurden? Wer positiv getestet wird, muss anschließend sowieso einen PCR-Test bei einem Arzt machen, um das Ergebnis zu bestätigen, so Berger.

Symptomfreie Infektionen entdecken

Weil es aber falsch negative Tests geben kann, Infizierte sich also in trügerischer Sicherheit wiegen könnten, solle man dennoch vorsichtig sein. Es gehe nicht darum, sich „gesundzutesten“, so Berger, sondern darum, einen großen Teil der symptomfreien Infektionen zu entdecken und dadurch Infektionsketten zu durchbrechen. Ärztlicher Leiter der Einrichtung ist Dr. Martin Hiller, der eine Praxis in Ottensoos hat.

Für einen Test kann man sich auf der Webseite www.mbs-med.de anmelden, der Test ist für alle komplett kostenlos – nicht nur für Schnaittacher. MBS geht davon aus, dass die Firma die finanzielle Vorleistung komplett erstattet bekommt, schließlich hat der Bund angekündigt, dass Schnelltests für alle kostenlos sind. 

Wie viele Bürger sich täglich in Schnaittach testen lassen können, steht noch nicht fest, auch die genauen Öffnungszeiten kann Berger noch nicht sagen. Pro Person dauert der Vorgang nach vorheriger Anmeldung aber weniger als fünf Minuten, die von Bürgermeister Frank Pitterlein geplanten rund 100 Bürger pro Tag wären damit machbar. Um eine große Nachfrage bedienen zu können, hofft Pitterlein darauf, dass Ehrenamtliche aus Schnaittach ihre Hilfe anbieten.

Weitere Artikel zum Thema


Auch für die Simmelsdorfer

Klar ist, dass das Testzentrum am Rathausplatz auch als Anlaufstelle für alle Simmelsdorfer zur Verfügung stehen wird, dort soll es keine eigene Einrichtung geben. Bürgermeister Perry Gumann war gestern in Schnaittach und sagte im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung, er sei sehr froh, dass sich sein Schnaittacher Kollege um ein Testzentrum gekümmert habe und auch frühzeitig auf die Nachbargemeinde zugegangen ist. „Das ist für uns ideal, ich muss mich bei Frank Pitterlein bedanken“, so Gumann, der seinen etwa 30 Gemeindemitarbeitern einen Test pro Woche vorschlägt.

Sein Neunkirchener Pendant Jens Fankhänel sah sich das Schnelltestzentrum ebenfalls an. Ob auch die Neunkirchener nach Schnaittach fahren werden oder die Gemeinde selbst ein Schnelltestzentrum eröffnet, könne er noch nicht sagen, so Fankhänel.

MBS, der Betreiber, sitzt seit 2015 im Markt und vertreibt Medizintechnik. Das Unternehmen hatte sich schon in der Frühphase der Pandemie engagiert und in der Schnaittacher Grundschulturnhalle Masken für die Bevölkerung genäht. Man habe die Ressourcen für ein Schnelltestzentrum greifbar, erklärte Berger seine Motivation. Sein Unternehmen wird auch ein bereits geplantes Laufer Schnelltestzentrum mit Tests versorgen.

Nur das erste von vielen

Laut Johannes Bisping von der Laufer IHK soll Schnaittach nicht lange ein Alleinstellungsmerkmal haben, weitere Schnelltestzentren sollen in den kommenden Tagen in weiteren Orten im Landkreis entstehen. „Wir arbeiten daran, dass wir das so schnell wie möglich auch in anderen Kommunen ermöglichen“, so Bisping. Heute wird zudem eine Pressemitteilung zu einer landkreisweiten Schnellteststrategie erwartet. 

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren