Kommunalwahl 2020

Schnaittach : Der Marktgemeinderat wird vielfältiger

Kommunalwahl 2020 - Schnaittach
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SCHNAITTACH – Im Schnaittacher Marktgemeinderat könnte es ab Mai eine Fraktion mehr als bisher geben – und zwei mehr als noch zu Beginn der Amtsperiode: Grüne und Freie Wähler. Bei der vergangenen Wahl waren CSU (9 Sitze), SPD (7) und Bunte Liste (4) ins Gremium gewählt worden, doch zwischenzeitlich verabschiedete sich Werner Raum von den Bunten und vertritt seitdem als einziger Marktrat die FW. Diese treten wieder mit einer eigenen Liste an, und wegen der Neugründung des Grünen-Ortsvereins stehen nun fünf Listen auf dem Wahlzettel.

Wähle einen von drei, heißt es hingegen bei der Bürgermeisterwahl. Amtsinhaber Frank Pitterlein (CSU) tritt gegen den SPD-Gemeinderat Norbert „Saroddi“ Weber und gegen Andrea Nüßlein (Bunte), die Ortssprecherin von Hormersdorf, an. Der CSU-Mann hatte sich 2014 gegen Thomas Winter (Bunte) und Ulrich Weber (SPD, mit seinem Namensvetter nicht verwandt) durchgesetzt, Pitterleins Vorgänger Georg Brandmüller war 2014 nicht mehr angetreten.

Nüßleins Heimatort rückte in den vergangenen Jahren in den Mittelpunkt der Debatten im Schnaittacher Marktgemeinderat und darüber hinaus. Denn bei Hormersdorf an der A 9 sah die Verwaltung einen geeigneten Standort für ein Gewerbegebiet. Auch ein Investor war schnell gefunden.

Für die Kommune hätte das bedeutet: Höhere Gewerbesteuereinnahmen ohne finanzielles Risiko. Doch der Widerstand aus der Bevölkerung war größer als erwartet. Ein Landschaftsschutzgebiet hätte beschnitten werden müssen, der Investor beharrte auf einer Tankstelle.

Sorge ums Grundwasser

Die Bürger sorgten sich um das Grundwasser, die Tierwelt, das Landschaftsbild. In Hormersdorf wurde demonstriert, etliche kritische Leserbriefe gingen bei der PZ ein. Und so sprachen sich in der entscheidenden Sitzung des Marktgemeinderats nicht nur die Bunte Liste, sondern auch die SPD und der einzige FW-Vertreter Werner Raum gegen das Projekt aus.

Dass das Gewerbegebiet scheiterte, ärgert Bürgermeister Frank Pitterlein heute immer noch merklich. Er spricht von „Ängsten“ in der Bevölkerung des Ortsteils, die nicht greifbar gewesen seien. Die Argumente der Gegenseite hält er für nicht überzeugend.

Grundsätzlich blickt Pitterlein (verheiratet, zwei Kinder) zufrieden auf die Amtsperiode zurück. Seit er 2014 ins Rathaus einzog, ist im Markt einiges passiert: Das Gewerbegebiet an der Kirschenleite ist randvoll, die alte Schulturnhalle wurde abgerissen und eine neue ist fast fertig, es entstand ein Waldkindergarten, eine weitere Kita kam im Sparkassengebäude dazu, für eine langfristige Lösung sucht der Markt ein Grundstück.

Pitterlein betont, wie gut die Kommune mit dem Thema Flüchtlinge umgegangen ist. Im Markt gibt es mehrere Asylbewerberunterkünfte. „Wir haben auf kommunaler Ebene viel dazugelernt, die gesellschaftliche Herausforderung ist aber noch nicht überwunden.“ Schnaittach habe „ein Beispiel gegeben, wie es andere Kommunen auch machen können“. Man habe sich gegenüber den zuständigen Ämtern „nicht mit Händen und Füßen gewehrt“, gegenüber der Bevölkerung gleichzeitig „nichts verschwiegen, nichts schöngeredet“.

Vor seiner Amtszeit habe es einen Investitionsstau gegeben, Themen wie der Breitbandausbau oder der Neubau der Grundschulturnhalle seien nicht angegangen worden. „Man braucht Mut in dem Amt. Mut, zu sagen: ‚Das muss jetzt sein!‘“ In Sachen Kinderbetreuung habe der große Bedarf die Kommune überrascht, immerhin 95 Prozent der Kinder könne man Plätze anbieten.

Er hoffe, als Bürgermeister alles richtig gemacht zu haben, sagt der 44-Jährige. „Mir ist wichtig, für jeden Menschen der Vertreter der Interessen im Rathaus zu sein“, unabhängig von der politischen Ausrichtung. Das habe er meist geschafft. Er ist jetzt „gespannt auf das Zeugnis“, das ihm die Wähler am 15. März ausstellen. „Es gibt noch viele Hausaufgaben, ich möchte gern noch etwas vorwärtsbringen. Ich bin auf jeden Fall motiviert und habe den Rückhalt meiner Familie, das stärkt ungemein.“

„Saroddi“ glaubt an sich

SPD-Kandidat Norbert Weber ist in Schnaittach bekannt wie ein bunter Hund. Seit sechs Jahren sitzt der 64-Jährige (verheiratet, zwei Kinder, drei Enkel) im Marktgemeinderat. Er ist Vorsitzender des Schnaittacher Museums- und Geschichtsvereins und Archivar in der Kommune. Den Spitznamen „Saroddi“ hat er seit Jahrzehnten, er entstand nach einem lockeren Spruch und leitet sich von der Schokoladenmarke ab. Weber erzählt, er sei gerade von jungen Genossen im Markt zur Kandidatur gedrängt worden. Weber, mittlerweile im Ruhestand, wirbt mit dem ungewöhnlichen, fränkisch-saloppen „Wieso ned?“ und rechnet sich Chancen aus: „Sonst hätte ich mich nicht aufstellen lassen.“ Der 64-Jährige wirbt mit Bürgernähe, durch seine Tätigkeiten im Museumsverein habe er engen Kontakt zur Bevölkerung. Der Markt müsse in Sachen Straßensanierung mehr tun, zudem fordert Weber neue Radwege und bezahlbaren Wohnraum. „Wir müssen mehr investieren. Hinter der schwarzen Null baut sich ein riesiger Berg auf“, kritisiert er den Entschluss der Verwaltung, keine neuen Schulden zu machen. Aktuell müsse so schnell wie möglich ein Standort für einen neuen Kindergarten gefunden werden.

Andrea Nüßlein ist gebürtige Fürtherin, zog aber vor über 30 Jahren nach Hormersdorf. Sie ist verheiratet, hat zwei Söhne und arbeitet in Nürnberg. Seit 2016 ist sie Vorsitzende des Landeselternverbands der bayerischen Realschulen.

Nüßlein: Von der SPD zu den Bunten

Bis vor etwa zwei Jahren war Nüßlein noch in der SPD, auf deren Liste sie 2014 auch noch stand, dann trat sie aus und versucht es nun für die Bunte Liste als Parteilose. „Ich konnte mich mit den Zielen der SPD nicht mehr identifizieren.“ Die 52-Jährige stellt vor allem die Landes- und Kommunalpolitik der Genossen infrage, etwa deren Forderung nach Gemeinschaftsschulen. Im Markt ärgerte sie, dass die SPD dem Hormersdorfer Gewerbegebiet zunächst wohlwollend gegenüberstand.

Nüßlein war bereits als Sprecherin der Schnaittacher Bürgerinitiative gegen eine „Strommonstertrasse“ öffentlich in Erscheinung getreten.

Die Bunte Liste sei auf sie zugekommen und habe ihr die Bürgermeisterkandidatur angeboten.

Nüßlein : Flächenfraß verhindern

„Mein Mann hat gesagt: ‚Mach’s!‘“ Nüßlein möchte „Flächenfraß“ verhindern, die Umwelt liege ihr am Herzen. Sie fordert mehr Transparenz, außerdem müssten die Bürger mehr einbezogen werden, als es aktuell geschehe. Der Markt solle sich besser um alle Generationen kümmern und Kultur fördern.

FW will Gewerbegebiet

Die Freien Wähler treten wieder mit einer eigenen Liste an, die vom einzigen FW-Marktrat Werner Raum angeführt wird. Auf einen Bürgermeisterkandidaten haben sie verzichtet. „Ökologie und Ökonomie, das eine geht ohne das andere langfristig nicht“, sagt die Ortsvorsitzende Christine Karl-Peters. Die 60-Jährige sagt, der Markt brauche dringend ein neues Gewerbegebiet, aber das solle die Kommune in Eigenregie, also ohne Investor, umsetzen, um den heimischen Unternehmen zu ermöglichen, dass sie vor Ort wachsen. Die FW wünschen sich zudem mehr Radwege, auch Mitfahrbänke, wie es sie in Neunkirchen gibt, müsse man diskutieren. Die Kinderbetreuung müsse weiter gefördert werden, für jedes Kind müsse ein Kindergartenplatz vorhanden sein. Drei Markträte sollen es künftig sein. Eine Empfehlung für die Bürgermeisterwahl sprechen die Freien Wähler ebenso wenig aus wie die zweite neue Liste auf dem Wahlzettel, die Grünen.

Grüne für drastische Maßnahmen

Der neu formierte Ortsverein verfolgt vor allem ein Ziel: ein klimaneutrales Schnaittach. „Wir müssen das tun“, ist Grünen-Ortssprecher Paul Raab überzeugt.

Sieben Sofortmaßnahmen schweben ihnen vor, um dieses Ziel zu verwirklichen. So sollen neue Fuß- und Radwege sowie mehr Infrastruktur für Elektroautos die Verkehrswende bringen. Auch der Ausbau von Grünanlagen und der Stopp weiterer Gewerbegebiete stehen auf der Liste. Zudem wünschen sich die Grünen ein kommunales Energieversorgungsunternehmen. Dieses soll ausschließlich erneuerbare Energie produzieren. „Zwei, idealerweise drei“ Sitze im neuen Gremium sollen es für die Grünen werden, sagt Raab.

Drei Gemeinderäte treten bei der Wahl am 15. März nicht mehr an: Alfred Biemann (CSU), Cornelia Pfister (Bunte Liste) sowie Siegfried Ruckriegl (SPD).

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N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer