Stadtspaziergang mit Historiker Johannes Kraus

Rundgang durch die Laufer Geschichte

Geschichtswissenschaftler Johannes Kraus (links) wusste zu vielen Orten im der Laufer Altstadt etwas zu erzählen. | Foto: Privat2020/10/kolpingfamilie-lauf-stadtspaziergang-links-johannes-kraus-foto.jpg

LAUF – Unter dem Titel „Raute – Richter –Revoluzzer. Lauf im Königreich Bayern“ hatte die Kolpingsfamilie Lauf zu einem Rundgang durch die Altstadt eingeladen. Mit dem Historiker Johannes Kraus hatte Vorsitzende Birgitta Pompl einen versierten Kenner der Laufer Geschichte gefunden, der in den Jahren zuvor schon die Spuren der Reformation in Lauf und die Epoche der Laufer Barockzeit einer interessierten Zuhörerschar erschlossen hatte.

Ausgangspunkt war das alte Zollhaus und das Herbrucker Tor. Damit ging es gleich hinein ins erste Gemetzel, das sich in der Nacht des 15. Dezember 1800 kaiserliche Husaren mit den französischen Besatzern in Lauf lieferten. Der bayerische Kurfürst hatte sich auf die Seite der Franzosen geschlagen.

Die Franzosen gewannen mit bayrischer Hilfe und Bayerns Kurfürst erhielt ein Königreich mit einer Kleinstaaterei aus Reichsstädten, Hochstiften und lokalen Fürstentümern. Nach jahrhundertelanger Nürnberger Herrschaft fiel am 15. September 1806 das Nürnberger Wappen am Laufer Rathaus. Seitdem prangen dort Bayerns Rauten. Die damals gut 3000 Laufer nahmen den Wechsel der Herrschaft mit gemischten Gefühlen auf und fügten sich den neuen politischen Gegebenheiten.

Geld für Kindergarten

Seit Einführung der Reformation gab es in Lauf bereits eine Schule. Was in der industriell aufstrebenden Stadt noch fehlte, war eine Schule für die Kleinsten, damit diese nicht nur in den Gassen der Stadt herumstreunten. Mit einem Vermögen von 800 Gulden legte die Laufer Bürgerin Anna Dietz 1838 den Grundstock zur Stiftung einer „Kinderbewahranstalt“, einer der ersten Kindertagesstätten in ganz Bayern, und übergab ihre Verwaltung in die Hände der beiden Laufer Pfarrer.

Es sollten aber noch 12 Jahre vergehen, bis mit einer ordentlichen Zustiftung von Friedrich Eckert mit dem Neubau eines Kindergartens am Alten Schulhof in der Nachbarschaft zum Glockengießerspital begonnen wurde.

Nürnberger Zunftzwang

Gebäude aus der Zeit um 1806 sind in Lauf kaum mehr vorhanden. So manches traditionsreiche Gebäude hatte sich in die wechselvolle Zeit unter bayrischer Herrschaft hinübergerettet. Doch manchem Handwerksbetrieb ging es wie dem Besitzer der Mauermühle. Nürnberger Zunftzwang verhinderte zunächst ein neues Mühlrad, bayrische Gewerbefreiheit erschloss jedoch wenig später neue Märkte.

Mit der schnellen Weiterentwicklung von der Getreidemühle zur modernen Kunstmühle mit Treibriemen und Förderbändern gingen Laufer Mehlsäcke zum Export in alle Welt. Mit den aufstrebenden Industriebetrieben begann für die kleinen Handwerksbetriebe dann doch der Niedergang. Zurück blieben auftragslose Mühlen und arbeitslose Gesellen.

Wohnung im Kaisersaal

Die wechselvollste Geschichte hatte wohl die Kaiserburg auf der Pegnitzinsel. Kontrollposten am Flussübergang, repräsentative Kaiserresidenz des Kaisers, Sitz des Nürnberger Pflegeamts und schließlich die Erhebung zum bayrischen Landgericht. Der Nürnberger Verwaltungsbeamte blieb auch unter bayrischer Herrschaft.

Allerdings musste sich das Gebäude der neuen Zeit anpassen. Der Turm wurde geschleift, der Kaisersaal zur Wohnung umgebaut, im Wappensaal die neue Küche eingerichtet. Das Gefängnis für aufmüpfige Revoluzzer entstand dann doch vor dem Landgericht auf dem Schlossplatz. Von dem vor 90 Jahren abgerissenen Gebäude gibt es nur noch alte Fotos.

Um 1800 wurde an die Verbindungsmauer zwischen Stadtmauer und Pegnitz die Dienstwohnung für den „Einspännigen“ gebaut. Als Exekutivbeamter des Pflegers, dann als königlich bayrischer Gendarm, sorgte er für Recht und Ordnung. 1848 hatten die Ideen zur Gründung eines deutschen Nationalstaats auch in Lauf Einzug gehalten. Der gebürtige Laufer Heinrich Lang hatte mit der „Zeitung für freie Staatsbürger“ die wohl revolutionärste Zeitung Nordbayerns gegründet.

Revolution in Lauf

Auch in Lauf bildete sich ein Märzverein, der die Revolution von 1848 unterstützte. Die Monarchie dachte lange nicht daran aufzugeben und so zog der königliche Förster ins Forsthaus. Schließlich galt es der Jagdwilderei von Bürgern und Bauern Einhalt zu gebieten.

Südlich der Burg war Schluss mit der Bebauung. 1595 entstand dort das Schießhaus mit „viel freiem Feld“, dort wo sich heute die Altdorfer Straße durch den Stadtteil Lauf links der Pegnitz zieht. 1831 wurde das Schießhaus zum Kranken- und Siechenhaus umgebaut. Die erste Pandemie klopfte an die Laufer Stadttore. Die erste ­Cholerawelle zog noch an Lauf vorbei. 33 Jahre später kam die zweite Welle, die sich erneut im dichtbesiedelten Nürnberg und im Nürnberger Umland seine Opfer suchte. Vielleicht war in Lauf das Trinkwasser sauber und die Luft einfach besser. Lauf kam ein weiteres Mal glimpflich davon.

Allgemeine Religionsfreiheit

1803 hatten Bayerns Regenten mit dem Toleranzedikt die allgemeine ­Religionsfreiheit im neuen Königreich ausgerufen. Für die damals 88 Katholiken unter den 3000 Laufern, meist Staatsbedienstete und Hausangestellte, änderte das wenig. Sie mussten am Sonntag ins benachbarte Neunkirchen in ihre Pfarrkirche.

Im Zuge des industriellen Aufschwungs zog es katholische Oberpfälzer und Oberfranken nach Lauf. Der Wunsch nach einer eigenen Kirche wurde drängender. Schließlich kaufte die Pfarrei Neunkirchen das Schießstattfeld. Wenig später gründete sich ein Kirchenbauverein. Neun Jahre später entsteht an der Altdorfer Straße die Kirche St. Otto im neuromanischen Stil.

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