Reserveoffizier recherchierte

Rückblick: Die erste Luftrettung vor 60 Jahren

Einer der zahlreichen Zeitungsartikel, die Reserveoffizier Gerhard Hein über die erste Luftrettung im Hersbrucker Land in alten Chroniken entdeckt hat. | Foto: HZ2022/04/a458277258i0012_max1024x.jpeg

HERSBRUCK/LIERITZHOFEN – Vor 60 Jahren ist in Lieritzhofen ein Hubschrauber der Bundeswehr gelandet, um einen erkrankten Dorfbewohner in eine Klinik nach Heidelberg zu fliegen – die erste Luftrettung im Altlandkreis Hersbruck, sagt Gerhard Hein. Der Hersbrucker ist Reserveoffizier des 2014 aufgelösten Kampfhubschrauberregiments in Roth und betreute bis zuletzt die militärgeschichtliche Sammlung am Fliegerhorst.

In einer alten Chronik der 1962 im Aufbau befindlichen Heeresfliegerstaffel 4 ist Gerhard Hein auf die ungewöhnliche Rettungsaktion gestoßen. Auslöser dafür war die Verletzung von Gastwirt Hans Sörgel in Lieritzhofen. Der damals 36-jährige Familienvater war 1961 von einem Erntewagen gestürzt und hatte sich dabei schwere Rückgratverletzungen zugezogen. Sein Zustand verschlechterte sich zusehends, ein Transport mit dem Krankenwagen in eine Spezialklinik über den holprigen Landweg war aber aufgrund der schweren Rückenverletzungen nicht möglich.

Bundeswehr sagt Ja

Der damalige Kreisrat Leonhard Bruckner und der Alfelder Arzt Dr. Hans Oetterich wandten sich deshalb an die Heeresflieger in Roth, erzählt Gerhard Hein. Von dort kam schließlich die gute Nachricht: Die Bundeswehr fliegt den Patienten in die Uniklinik nach Heidelberg.

Und so landete am Ortsrand von Lieritzhofen am 25. April 1962 kurz nach 9.30 Uhr ein Sikorsky-Hubschrauber. Die waren seinerzeit noch zum größten Teil in Niederstetten stationiert, weiß Hein.

Etliche Zeitungen berichteten damals über die Aktion. In den Artikeln ist zu lesen, wie groß die Anteilnahme der Dorfbevölkerung am Schicksal des Gastwirts war. Viele Bürger waren gekommen, um dem Patienten vor seinem Abflug gute Genesung zu wünschen.

Über eine Stunde Flug

Nachdem der Verletzte eingeladen war, startete der schwere Hubschrauber mit Pilot Hauptfeldwebel Willy Effmert und seiner Crew zu dem rund 80-minütigen Flug nach Heidelberg, hat Hein aus den Zeitungsartikeln von damals recherchiert. Was die allerdings nicht verraten, ist, wie es mit dem verletzten Hans Sörgel weiterging. Nachfragen bei der Familie des Lieritzhofener Gastwirts aber ergaben: Hans Sörgel verstarb noch 1962.

Dem Hubschraubereinsatz folgten jedoch bald weitere. „Somit kann man das Jahr 1962 als Gründungsjahr der Luftrettung mit Hubschraubern im Nürnberger Raum betrachten“, sagt Hein. Die „Lebensrettung per Lufttaxi“ ist ab Mitte dieses Jahres durch Dr. Krach von der Heeresfliegerstaffel 4 in Roth und das BRK Nürnberg aufgebaut worden, hat der Hersbrucker herausgefunden.

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