Turmblick übers Nürnberger Land

30 Meter hoch ist der Turm auf dem 603 Meter hohen Moritzberg, von dem aus man einen Rundblick über das ganze Nürnberger Land hat. Foto: Jahn2010/07/turm_moritzberg_1.jpg

MORITZBERG (gja) — Aus 603 Meter Höhe blickt er auf das Nürnberger Land hinab, der altehrwürdige „Hindenburg-Turm“ auf dem Moritzberg. Vor genau 100 Jahren, am 20. Juli 1910, wurde der erste Baustein für den Aussichtsturm gesetzt. Anlässlich des Jubiläums informierte der „Verschönerungsverein Moritzberg und Umgebung“ mit der sehenswerten Ausstellung „100 Jahre Turmbau auf dem Moritzberg“ über die Geschichte des Turmes. Ein Grund für viele Wanderer und Radfahrer, eine gemütliche Tour auf den „Hausberg“ der Röthenbacher und vor allem der Nürnberger zu machen.

Zur Jubiläumsfeier der Grundsteinlegung hatten sich die Aktiven des Verschönerungsvereins besonders angestrengt, um den markanten Aussichtsturm auf dem Gipfel des Moritzberges im schönsten Licht erscheinen zu lassen. Und auch das Wetter passte am Wochenende, sodass Vorsitzender Klaus-Peter Kreuzer bereits zur Eröffnung, am Samstagnachmittag, zahlreiche Besucher im Vereinszimmer begrüßen konnte.

Mit einer Spende bedankte sich der Röthenbacher Bürgermeister Günther Steinbauer beim „Verschönerungsverein Moritzberg“, der heuer sein 111-jähriges Bestehen feiern kann, für sein ehrenamtliches Wirken, um die Naturschönheit des Moritzberges, der zum Stadtgebiet Röthenbach gehört, zu pflegen und zu erhalten. Anerkennende Worte fand er für alle aktiven Mitglieder, die durch ihren engagierten Einsatz den „Hindenburg-Turm“ wieder zu einem imposanten Anziehungspunkt gestaltet haben – Mauritiuskapelle und Berggasthof mit einbezogen.

Durch zahlreiche Bilder, Urkunden und Zeichnungen offenbart sich den Besuchern die Geschichte des Aussichtsturms. Wäre es nach dem anfänglichen Plan des kunstsinnigen Königs Ludwig I. von Bayern gegangen, hätte wohl der Bau der Walhalla den Moritzbergturm bei weitem übertrumpft. Dies war jedoch genauso wenig finanzierbar wie die spätere Überlegung, dort eine Germania-Statue auf einer 120 Meter hohen Ruhmeshalle aufzustellen.

Stattdessen sollte Reichskanzler Bismarck zu Ehren ein Denkmal errichtet werden, für dessen Ausführung am 11. Juni 1899 der „Verschönerungsverein Moritzberg und Umgebung“ gegründet wurde. Wie es in der Gründungsurkunde steht, war das Unternehmen erst gesichert „als in hochherziger Weise die von Fürer’sche Gesamtfamilie auf Haimendorf einen schönen Bauplatz auf dem Moritzberg zur Verfügung stellte“.

Ein Wettbewerb zur Erlangung von Projektskizzen für einen weithin sichtbaren Turm von mindestens 30 Meter Höhe wurde ausgeschrieben. Da als Baumaterial die ziemlich ergiebigen Schichten des vorhandenen Jurakalks empfohlen wurden, sollten die Baukosten an die 35 000 Reichsmark betragen. Das Projekt des Nürnberger Architekten Theodor Eyrich wurde zur Ausführung bestimmt.

Die folgenden Jahre dienten der Finanzierung des Bauvorhabens, das insbesondere durch den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Kgl. Geheimrat Ritter von Schuh, gefördert wurde. Er übernahm auch den Ehrenvorsitz im Verein.

Am 20. Juli 1910 erfolgte endlich die Grundsteinlegung des Bismarckturms mit Jakob Krieger, 1. Vorstand; Johannes Hölzel, 2. Vorstand; Konrad Schätz, Baumeister in Lauf; Georg Taubmann, Zimmermeister in Schönberg. Erster Vorstand des Bauausschusses war Architekt David Röhm aus Nürnberg. Versorgt wurden damals alle vom Bergwirt Leonhard Hutzler.

Bereits nach einem Jahr stagnierten die bis zum ersten Stockwerk vollführten Bauarbeiten, da die Ausgaben bereits das Vermögen überstiegen. Ein zweites Stockwerk konnte folglich erst 1913 fertiggestellt und mit einem provisorischen Holzdach eingeweiht werden. Nach dem Weltkrieg wurde das Bauwerk in „Hindenburg-Turm“ umbenannt. Da chronischer Geldmangel herrschte, blieb der etwa 22 Meter hohe „Behelfsbau“ fast 50 Jahre lang so stehen, wo ihm die Bäume bald „über den Kopf wuchsen“.

Als Christian Woersch 1958 dem Verschönerungsverein beitrat, ging es wieder aufwärts. Dank seines großen Engagements und der Spenden zahlreicher Bürger aus Stadt und Land, bis hin zur Bezirksregierung, konnte eine Erhöhung des Turms auf 30 Meter finanziert werden. Zur Einweihungsfeier des dreistöckigen Aussichtsturmes mit Fachwerk, am 9. August 1964, begrüßte Vorsitzender Woersch auch Landrat Wilhelm Winkler aus Lauf und Landrat Freiherr von Stromer aus Altdorf.

Zum Schutz vor Wind und Wetter musste der Turm einige Jahre später mit Eternit verkleidet werden, dadurch verschwand auch das Fachwerk. 1982 errichtete die Polizei auf dem Turm einen großen Antennenmast, der auch von der Feuerwehr und der Rettungsleitstelle genutzt wird. Zeitweise bestand Einsturzgefahr: Nach längeren Renovierungsarbeiten konnte Vorsitzender Klaus Emmert zum 100-jährigen Jubiläum des „Verschönerungsvereins Moritzberg und Umgebung“ die Aussichtsplattform 1999 wieder freigeben. Nach umfangreichen Ausholzungen im umgebenden Buchenwald bietet sich dem Besucher jetzt ein herrliches Rundum-Panorama. Ein Orientierungsplakat verweist auf die markantesten Ziele und wer sein Fernrohr mitbringt, hat den Rothenberg oder die Nürnberger Burg haarscharf vorm Auge.

Bei schönem Wetter ist der Aussichtsturm jeden Sonntag geöffnet und wer unter der Woche den Turm besteigen möchte, kann sich den Schlüssel im benachbarten Berggasthof ausleihen. Mit dem Eintritt von einem Euro wird der Erhalt des Jubiläumsturmes unterstützt.

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