Erneute Fischproben waren nur schwach belastet

PFT: Pegnitz ist sauber

Fische aus der Pegnitz wiesen in aktuellen Tests nur geringe Mengen an PFT auf. Foto: PZ-Archiv2015/10/wasser_wehr_pegnitz_fluss.jpg

RÖTHENBACH — Während Fische aus dem Großen Birkensee und dem Röthenbach stark mit potenziell krebserregenden Perfluorierten Tensiden (PFT) belastet sind, gibt es jetzt Entwarnung für den benachbarten Kleinen Birkensee und die Pegnitz, in die der Röthenbach fließt.

Das Erlanger Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat nach Bekanntwerden der Verunreinigung des Birkensees im August weitere Fische aus „Oberflächengewässern im Einzugsbereich des Sees“ untersuchen lassen. Die Resultate teilt das Landratsamt in Lauf jetzt per Pressemitteilung mit. Demnach wies knapp die Hälfte der unter anderem im Kleinen Birkensee und in der Pegnitz unterhalb der Einmündung des Röthenbachs gefangenen Fische keine Rückstände von Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) auf, ansonsten wurden im Labor nur geringe Werte festgestellt. PFOS, einer der wichtigsten Stoffe aus der Gruppe der Perfluorierten Tenside (PFT) war in deutlich erhöhter Konzentration im Birkensee nachgewiesen worden, was zu einem Badeverbot führte, das auch weiterhin gilt (die Pegnitz-Zeitung berichtete mehrfach).

Während das LGL vor dem Verzehr von Fischen aus dem Großen Birkensee und dem Röthenbach warnt, spricht die Landesbehörde ausdrücklich keine solche Warnung für die anderen Gewässer aus. Die vorliegenden Fischproben seien „als nicht gesundheitsschädlich zu beurteilen“, heißt es im LGL-Gutachten wörtlich. Die Messergebnisse bewegten sich noch im Rahmen der „umweltbedingten Hintergrundbelastung“ – PFT, die unter anderem in der galvanischen Industrie oder beim Beschichten von Textilien eingesetzt werden, reichern sich in der Umwelt an. Menschen können sie über die Nahrung, aber auch über die Haut aufnehmen.

Bayernweiter Rekord

Der aktuell höchste gemessene PFOS-Wert lag bei 29,9 Mikrogramm pro Kilogramm Fisch. Zum Vergleich: Die Fische aus dem Großen Birkensee waren im August mit bis zu 1647 Mikrogramm stark belastet. Einen auch nur ansatzweise ähnlich hohen Wert wies keine andere Probe aus dem Freistaat auf, die das LGL laut einer von ihm selbst im Internet veröffentlichten Tabelle zwischen 2006 und 2015 untersucht hat. In Brachsen und Forellen aus dem Röthenbach fanden sich bereits 2013 bis zu 711 Mikrogramm – auch das ein Spitzenwert.

Ob die im Großen Birkensee und im Röthenbach gemessenen Werte zusammenhängen, ist nach wie vor offen. Die Ermittlungen „bezüglich einer möglichen Ursache“, so das Landratsamt, „laufen“. Im Verdacht steht eine ehemalige Mülldeponie nahe des Birkensee-Ufers, aus der PFOS sickern könnte. Dazu passt, dass sich die potenziell krebserregende Säure vor allem in großer Tiefe nachweisen lässt. Die am stärksten belasteten Fische leben dort im Schlamm: Aale und Giebel.

Zwei verschiedene Ursachen?

Stoffe aus der Altdeponie sollten sich allerdings lediglich im Grundwasser, aus dem sich der Birkensee speist, und nicht im Oberflächenwasser finden. Die erhöhten PFOS-Werte im Röthenbach ließen sich darum kaum auf diese Weise erklären. Möglicherweise stammen sie aus der Diepersdorfer Kläranlage, die ihr Wasser in den Finstergraben, einen Zufluss des Röthenbachs, einleitet. Im Finstergraben wurden im vergangenen Jahr zwischen 0,22 und 0,89 Mikrogramm PFOS pro Liter Wasser entdeckt. Idealerweise liegt die PFT-Gesamtkonzentration unter 0,1 Mikrogramm.

Die zuständige Gemeinde Leinburg hat bisher nur erklärt, ihr sei „sehr daran gelegen (…), sachlich und zielführend mit dieser sensiblen Thematik umzugehen“. Alle Fachbehörden und möglichen Verursacher seien „eingebunden und informiert“. Die Pegnitz-Zeitung hatte Ende August konkret nach Messergebnissen aus dem Inneren der Kläranlage gefragt, diese aber nicht erhalten. Das in Diepersdorf ansässige Galvanik-Unternehmen Bolta verwendet PFOS nach eigenen Angaben seit 2012 nicht mehr.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel