Weihnachtsgottesdienste in Pandemiezeiten

Heilig Abend unter dem Sternenhimmel

Einer der Weihnachtsgottesdienste der evangelischen Gemeinde Lauf fand in diesem Jahr im Innenhof des Dehnberger Hof Theaters statt. | Foto: Daniel Decombe2021/12/Weihnachtsgottesdienst-im-Dehnberger-Hof-TheaterDaniel-Decombe.A46I0600-2-scaled.jpg

LAUF/ RÜCKERSDORF – Für viele Bewohner des Nürnberger Lands gehört der Weihnachtsgottesdienst an Heilig Abend und den Weihnachtsfeiertagen einfach dazu. Und der Geburt Jesu zu gedenken, steht fest im Programm der Kirchengemeinden, daran konnte auch die Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht rütteln. Die Kirchengemeinden Lauf und Rückersdorf fanden im Freien eine Alternative zum engen Beisammensein auf den Kirchenbänken, etwa im Innenhof des Dehnberger Hof Theaters.

Im Dehnberger Hof Theater begann der Laufer Pfarrer Jan-Peter Hanstein den Weihnachtsgottesdienst vor etwa siebzig Gläubigen mit den Worten „Ein Sohn ist uns gegeben, nach Jesaja“.Trotz der traditionellen Weihnachtslieder und dem Vorlesen der Weihnachtsgeschichte, war es zum zweiten Jahr in Folge kein Weihnachten wie in gewohnten Zeiten.

In seiner nachdenklichen Predigt verglich Pfarrer Hanstein die aktuelle Zeit mit dem ersten heiligen Abend in Betlehem. Damals habe ein eher angespannter Frieden geherrscht. Die Pax Romana, der römische Frieden, der mit Gewalt durchgesetzt worden war. Selbst das kleine Betlehem sei nicht von der Weisung des Kaisers Augustus, eine Volkszählung in seinem Weltreich vorzunehmen, ausgenommen gewesen. Und die Pax Romana habe laut der Bibel den dort geborenen Jesus später verfolgt und hingerichtet, weil er nicht in das System passte. 

Das römische System entspreche laut Pfarrer Hanstein in einer gewissen Weise der logarithmischen Software-Skalierungen wie sie heute in der Logistikbranche bis hin zu der Facebook-Kommunikation Anwendung fänden. Etwas, dass danach ausgerichtet sei, dass quasi alles zu jeder Zeit verfügbar und möglich sei. Jedoch nicht alles lasse sich mit Algorithmen lösen.

„Liebe lässt sich nicht skalieren“

Gott sei Dank, sagte Hanstein, lasse sich die Liebe nicht skalieren, nicht in Statistik fassen, sie gehe von Mensch zu Mensch, wie der zärtliche Kuss einer Mutter auf die Stirn ihres Kindes. Die Corona-Pandemie sei eine Krise der Menschheit, von denen die Menschen schon viele durchgemacht hätten. Jedoch sei sie nicht das Schlimmste und auch nicht das Ende. Hanstein forderte seine Zuhörer auf, eine Sehnsucht nach der Liebe zu entwickeln, getreu der weihnachtlichen Botschaft: „Fürchtet euch nicht, denn heute ist euch der Heiland geboren“. 

Die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes gestaltete Elisabeth Reich. Zum Abschluss bedankte sich Pfarrer Hanstein bei Ralf Weiß, dem Leiter des Dehnberger Hof Theaters, der den Hof zur Verfügung gestellt hatte. Die Kollekte aller evangelischen Weihnachtsgottesdienste im Laufer Raum gehen an die Aktion „Brot für die Welt“. (Autor: Daniel Decombe)

Premiere auf dem Laufer Marktplatz

Ein weiterer Gottesdienst der evangelischen Gemeinde Lauf fand zum ersten Mal auf dem Laufer Marktplatz statt. Normalerweise sind beim beliebtesten Gottesdienst im Jahr die Bankreihen der Johanniskirche bis in die zweite Empore dicht gefüllt, doch das ist in Pandemiezeiten undenkbar. Die 300 Anmeldungen, die für den Gottesdienst im Vorfeld eingingen, bestätigten die Entscheidung der Verantwortlichen, den Weihnachtsgottesdienst ohne Teilnahmeauswahl im Freien zu feiern.

Familien und Paare, Kinder, Jugendliche und Senioren kamen also an Heilig Abend in die Laufer Altstadt und harrten bei leichtem Nieselregen und zugigem Wind im Dunkel des Oberen Marktplatzes vor dem Lichterbaum aus. Die Dekoration beschränkte sich auf das Wesentliche: die Krippe, ein Stern, eine Botschaft. Mehr brauchte es für die Feier der Geburt der Jesu nicht.

Pünktlich um 16.30 Uhr schaltete sich allerdings die Weihnachtsbeleuchtung an den Häusergiebeln und den Marktplatzbäumen an und sorgte für weihnachtliche Stimmung. 

Nacheinander setzten die Glocken der Johanniskirche ein. Die zwölf Bläser von JohannisBrass intonierten „Tochter Zion freue dich“ und stimmten auf die Weihnacht ein. Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici begrüßte die Zuhörer mit den Worten „Mache dich auf, werde Licht“ und spielte damit auf die Kerzen an, die diese in den Händen hielten.

In Lauf fand zum ersten Mal ein Gottesdienst auf dem Marktplatz statt. Gehalten wurde er von Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici. Foto: Miehling2021/12/Weihnachtsgottesdienst-Lauf-241221-Open-Air-Foto-Miehling.jpg

Eine Botschaft für die Betroffenen von Krisen

Anschließend folgte die Lesung der Weihnachtsgeschichte. „Es begab sich aber zu der Zeit.“ Der Text ist vielen vertraut und doch wird Gottes Ankunft jedes Jahr neu hineingesprochen in das Weihnachtsfest. Pfarrerin Nikol-Eryazici brachte dies in ihrer Weihnachtsbotschaft für das Jahr 2021 auf den Punkt: „Gottes Liebesbotschaft in dem kleinen Kind gilt uns. Das Kind ist zart, verletzbar, bedürftig.“

Es sei eine Botschaft, die den von der Pandemiebetroffenen genauso gelte, wie den von Katastrophen, Kriegen und dem Klimawandel Geschüttelten. „Gott lässt uns nicht allein, er reicht uns im Kind in der Krippe die Hand“, so die Laufer Pfarrerin.

Der Posaunenchor begleitete den Gesang der Gemeinde, der durch die Masken gedämpft wurde. Trotzdem klangen die Weihnachtslieder nicht minder freudig. (Autor: Hans-Peter Miehling)

Christvesper in Rückersdorf

Trotz Nieselregens erfreuten die Gottesdienste der Kirchengemeinden in Rückersdorf zahlreicher Besucher. Der evangelische Pfarrer Volker Klemm und der Kirchenchor unter der Leitung von Josef Laußer gestalteten die evangelische Christvesper mit traditionellen Liedern zur Weihnacht.

Die Gemeinden in Rückersdorf veranstalteten an Heilig Abend unter anderem eine Christvesper und eine Krippenmette. Foto: Link2021/12/Weihnachtsgottesdienst-Ruckersdorf-Open-Air-241221-Foto-Link.jpg

Mit feierlichen und hoffnungsvollen Gottesdiensten erlebte auch die Katholische Pfarrei St. Martin ein ganz besonderes Weihnachtsfest.

Am Heiligabend war der Schulhof der Rückersdorfer Waldschule Schauplatz für die Weihnachtskrippe von Bethlehem. Pastoralreferent Otmar Herzing gestaltete mit Ehrenamtlichen und seinem Akkordeon eine Krippenmette.

Der ganze Hof war von Menschen und Lichtern erfüllt. Die Weihnachtsbotschaft stand in Form eines Rätsels im Zentrum des Gottesdienstes. „Auflösung des Rätsels? Zu finden in den Herzen der Menschen!“ Die Kirche mit der Weihnachtskrippe stand zum stillen Gebet offen. (Autorin: Edith Link)

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