Mehrwert für Natur und Umwelt

Zweites Greening-Jahr: Bauern ziehen Bilanz

Mittelfrankens BBV-Präsident Günther Felßner lobt das Engagement der Landwirte für Natur und Umwelt im Rahmen von Greening. | Foto: BBV2016/11/2016-10-28_BBV-PM-Mfr_Greening-Bilanz_9191.jpg

NÜRNBERGER LAND – Für über 80 Prozent der Ackerflächen in Bayern gilt seit Anfang 2015 das Greening im Rahmen der europäischen Agrarpolitik. Auf diesem Wege ist auch im zweiten „Greening-Jahr“ viel zusätzlicher Lebensraum für Wildtiere, Bienen, Insekten und Wildpflanzen entstanden. Bauern haben in ganz Bayern auf einer Fläche von mehr als 231.000 Hektar „ökologische Vorrangflächen“ (ÖVF) geschaffen. Zum Vergleich: das ist ein Drittel der Gesamtfläche Mittelfrankens mit rund 724.000 Hektar.

„Dieses Engagement für Natur und Umwelt macht sich im ganzen mittelfränkischen Bezirk mit seiner Kulturlandschaft deutlich bemerkbar“, stellt Günther Felßner, Präsident des Bauernverbandes Mittelfranken, fest. „Im Vorjahr waren es in Mittelfranken noch 26.575 Hektar. Nun stieg der Greeningflächen-Anteil im Jahr 2016 sogar auf 26.884 Hektar“, so Felßner, der selbst praktischer Landwirt in Lauf bei Nürnberg ist.

Aus Sicht des Bauernpräsidenten ist der anhaltende Boom beim Anbau von Eiweißpflanzen, den das Greening ausgelöst hat, sehr erfreulich. Allein der Anbau von Luzerne, einer einheimischen Eiweißfutterpflanze, ist von 2015 auf 2016 um rund 4.000 Hektar auf 15.000 Hektar angewachsen. Bereits im vergangenen Jahr war bei Eiweißpflanzen wie Luzerne, Ackerbohnen, Erbsen und Soja ein Anstieg um 70 Prozent auf fast 49.000 Hektar zu verzeichnen gewesen.

Hatten sich die bayerischen Bauern 2015 noch auf 31.500 Hektar an den pflanzenbaulich anspruchsvollen Anbau von stickstoffbindenden Pflanzen gewagt, waren es 2016 schon 35.700 Hektar, entsprechend einem Zuwachs von 13 Prozent. Diese Entwicklung ist in vielerlei Hinsicht erfreulich.

Die sogenannten Leguminosen wirken sich günstig auf die Bodenstruktur aus, erhöhen die Vielfalt in der Kulturlandschaft, sparen mineralischen Dünger ein, weil sie den Stickstoff aus der Luft nutzbar machen können und sind vor allem ein wichtiger Baustein beim Ziel, die Importabhängigkeit von Eiweißfuttermitteln wie Soja aus Übersee zu verringern.

EU plant Restriktionen

Diese positive Entwicklung droht allerdings ein abruptes Ende zu nehmen, wenn die EU-Kommission wie angekündigt, den Anbau von Eiweißpflanzen im Rahmen des Greening deutlich restriktiver gestalten möchte. „Das wäre jammerschade, und wir fordern EU-Kommissar Hogan auf, hier die Kirche im Dorf zu lassen“, erklärt der mittelfränkische Bauernpräsident Günther Felßner.

Verbesserungsbedarf sieht Felßner auch bei den Randstreifen an Gewässern, Feld- oder Waldrändern. Geht man von einer Durchschnittsbreite von zehn Metern aus, haben alle bayerische Bauern als Greening-Maßnahme im Jahr 2016 davon zusammen etwa 2.200 Kilometer angelegt. Dies entspricht einer Strecke von Ansbach nach Athen, also einmal quer durch Europa. „Diese Zahl freut mich. Doch sie könnte noch viel höher sein, wenn die EU-Kommission die komplexen Vorschriften zu den Greening-Streifen vereinfachen würde“, ist Felßner überzeugt.

Spitzenreiter Zwischenfrüchte

Gemessen an der Fläche sind die Zwischenfrüchte Spitzenreiter unter den Greening-Maßnahmen: Bayernweit werden im Rahmen des Greening auf über 160.000 Hektar Zwischenfrüchte angebaut. Beim Spazierengehen oder Vorbeifahren sind die Felder leicht zu erkennen, weil sie bis zu einem Meter hoch wachsen und sich damit deutlich von den anderen Winterkulturen abheben.

Viele Felder mit Zwischenfrüchten sind schon gut entwickelt, bieten dem Wild Unterschlupf in den Wintermonaten und tragen zu Erosionsschutz und Bodenbedeckung bei.

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