Dekanat Hersbruck

Vielfältiger Umgang mit dem Lockdown

Sinnbild für Weihnachten in Corona-Zeiten: Die Dorfkrippe in Reichenschwand ist draußen aufgebaut und auch viele Kirchengemeinden werden im Freien Heiligabend feiern – aber ohne Christmette. | Foto: A. Pitsch2020/12/IMG-20201216-184803.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – „Das ist wirklich ein schönes Weihnachtsgeschenk“, grantelt Pfarrer Wunnibald Forster. Er und seine evangelischen Kollegen müssen ihr sorgsam ausgearbeitetes Weihnachtsprogramm nochmals anpassen – vor allem wegen der Ausgangssperre.

Aufgrund dieser muss Forster die Christmette in Henfenfeld ausfallen lassen. „Die war immer gut besucht, weil die Zeit günstig war.“ Jetzt verlegt er diesen Gottesdienst auf 17 Uhr und nach Hersbruck. Um 19 Uhr folgt dann Reichenschwand: „Da sind halt viele beim Essen oder der Bescherung.“

Fast parallel, nämlich um 19.30 Uhr, ist ein weiterer Gottesdienst in Hersbruck. Ganz gestrichen ist die Christmette in Heldmannsberg; der Gottesdienst um 20 Uhr bleibe aber bestehen, sagt Pfarrer Roland Klein. In Neukirchen wird statt um 22 Uhr bereits um 19 Uhr gefeiert. „Beide Gottesdienste sind mit Anmeldung.“

Damit reduziere sich das Angebot an Heiligabend; die Idee, so die Besucherzahlen zu entzerren, sei gescheitert. „Ich finde die Lösung nicht gut“, stellt Klein klar. Und auch sein Hersbrucker Kollege ist stinksauer: „Die kleine Ausnahme hätte es jetzt auch nicht rausgerissen.“

Kleiner Knacks?

Zudem sei die ganze Diskussion auch „ökumenisch nicht gut gelaufen“, bedauert Forster. Die evangelische Landeskirche habe sich rasch auf die Seite der Politik gestellt, die katholischen Bischöfe hätten bis zuletzt um die Christmette gerungen.

„Sie hat bei den Katholiken einen ganz anderen Stellenwert als bei uns“, kann Dekan Tobias Schäfer Forsters Worte nachvollziehen. Bei aller Gemeinsamkeit zeige Corona auch die Unterschiede zwischen den Konfessionen auf. Auch für ihn persönlich ist der nächtliche Weihnachtsgottesdienst der Termin schlechthin, auf den er diesmal verzichten müsse: „Hier sticht halt geltendes Recht.“ Dafür sei aber vieles andere möglich. Und davon sei gerade „noch sehr viel im Fluss“.

Dieses Ringen, Planen und Überlegen aller bestätigt auch stellvertretende Dekanin Kathrin Klinger: „Einerseits können wir uns Weihnachten ohne einen Gottesdienst nicht vorstellen, aber angesichts der Zahlen …“. Dennoch lautet die Botschaft des Dekans: „Traut euch, Präsenzgottesdienste zu halten – unter aller Vorsicht.“ Dieses Verantwortungsbewusstsein und die damit verbundene Kreativität spüre er bei allen Pfarrern im Dekanat. „Auf dieser Wegstrecke können wir viel Neues entdecken.“

Klare Regelung

Den Vorwurf, die Kirchen brächten mit Gottesdiensten Menschen in Gefahr, will er nicht gelten lassen: „Jeder muss für sich selbst wissen, ob er hingehen will oder nicht.“ Außerdem habe jede Kirchengemeinde klare Hygienekonzepte und man habe sich in der Pfarrkonferenz auf folgendes Vorgehen geeinigt: „Gottesdienste werden abgesagt, wenn der Schutz der Besucher nicht gewährleistet ist.“

Auch kommen in einigen Kirchengemeinden nun weitere Anmelderegelungen hinzu. „Die Kirchenleitung hat uns empfohlen, damit zu arbeiten, wenn die Möglichkeit besteht, dass die Kapazitätsgrenze des Kirchenraumes oder der Freifläche erreicht wird“, erläutert Schäfer. Dabei gehe es nur um einen Versuch der Organisation von Besucherströmen für die einzelnen Veranstaltungen.

Platz für spontane Gäste soll in einem gewissen Maß aber frei gehalten werden. „Da wird es zum Beispiel in der Stadtkirche an den Feiertagen auch keine freie Platzwahl geben und die Gottesdiensthelfer werden den Besuchern Plätze im Kirchenraum zuweisen.“

Weniger Besuch?

Aber: „Ich denke, es kommen eh nicht so viele wie sonst“, meint Altensittenbachs Pfarrer Gerhard Metzger. Niemand wird in Lauf kommen; die Kirchengemeinde verzichtet als einzige im Dekanat komplett auf Präsenzgottesdienste während des Lockdowns. Den fast komplett digitalen Weg beschreiten beispielsweise Offenhausen und Pommelsbrunn: Lediglich die geplanten Andachten an Heiligabend draußen finden statt. „Das ist für uns die vertretbarste Version“, begründet Pfarrer Johannes Schroll die Entscheidung in Pommelsbrunn.

Auch das oder Absagen aus Solidarität zum Handel kann Dekan Schäfer nachvollziehen. Trotzdem ist für ihn das Zusperren der letzte Schritt: „Kirche verkauft sich unter Wert, wenn sie sich nicht als systemrelevant sieht.“ Sie bilde einen anderen Baustein der Gesellschaft als zum Beispiel die Wirtschaft. Mit diesem Privileg gelte es gewissenhaft und verantwortungsvoll umzugehen, mahnt Schäfer: „Wir verkaufen nichts, sondern wir teilen Hoffnung, Liebe und Gemeinschaft in dieser schweren Zeit.“

Details zu den Gottesdiensten bitte dem Kirchenzettel entnehmen oder zwecks kurzfristiger Änderungen bei den Kirchengemeinden informieren.

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