Spiele und Rituale

Tipps zum Thema Taschengeld

Um im Umgang mit Geld eine Balance zwischen Ausgeben und Sparen zu lernen, empfehlen sich Hilfsmittel wie ein eigener Geldbeutel oder eine Spardose. | Foto: JenkoAtaman - stock.adobe.com2021/09/AdobeStock-259242113.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Mit dem ersten Schultag steht für viele Kinder auch das erste Taschengeld an. Doch wie nähern sich Eltern dem Thema am besten, welche Regeln sollten aufgestellt und wie kann dem Kind der Umgang mit Geld generell nähergebracht werden?

„Sich Zeit nehmen“ sollte das Motto sein, wenn sich Eltern das erste Mal mit ihren Kindern über Taschengeld unterhalten, rät Evelyn Kittel-Kleigrewe, die am Landratsamt die Fachaufsicht für Kindergärten im Nürnberger Land innehat. Eine gute Aufklärung und Bewusstseinsstärkung seien wichtig, bevor es das erste Mal Bares auf die Hand gibt. Warum brauchen wir Geld, woher kommt es, was ist Geld überhaupt? – all das seien Fragen, die Eltern im Vorfeld klären sollten, rät sie.

Wo kommt Geld her?

Hilfreich sei hier zum Beispiel Spielgeld, das man ganz leicht selbst herstellen könne. Beim Spielen im Kaufladen bekomme das Kind dann ein erstes Gespür für die Bedeutung. Dabei kann auch der Unterschied zwischen Münzen und Scheinen erklärt werden – als kleine und große Zahlungsmittel, die schwerer oder leichter zu transportieren sind. Und damit der Nachwuchs begreift, dass Geld eben nicht vom Himmel fällt, lohne es zu erklären, was die Eltern arbeiten und wie sie ihr Geld verdienen.

Generell könne laut Kittel-Kleigrewe bereits im Vorschulalter, ab fünf Jahren, mit Taschengeld begonnen werden. Ein Euro pro Woche sei ein guter Start, für Erstklässler hält sie drei Euro wöchentlich für angemessen. „Der Betrag kann pro Klasse und Jahr um einen Euro gesteigert werden“, sagt sie und rät von zu großen Einheiten ab, damit das Kind sein Geld auch wertzuschätzen lerne. So könne es sich bereits kleine Spielsachen oder den Eintritt ins Kindertheater selbst leisten. Nach der vierten Klasse sollten Eltern dann mit dem Nachwuchs gemeinsam besprechen, wie es weitergehen soll. Eine Ritualisierung sei hier essenziell – also zum Beispiel den Montag als „Zahltag“ festzulegen.

Balance wichtig

Im Umgang mit Geld sei auch eine Balance zwischen Sparen und Ausgeben sehr wichtig, sagt Kittel-Kleigrewe. Dafür würden Utensilien wie ein eigenes Portemonnaie oder eine Sparbüchse helfen. „Kinder lernen, sich das Geld selbst einzuteilen, verantwortungsvoll damit umzugehen, sich eigene Wünsche und Träume zu erfüllen und auch zu schenken.“ So würden sich Kinder mit Fragen wie „was brauche ich“, „was gönne ich mir“, „habe ich ein Hobby, das ich verfeinern möchte“ oder „möchte ich jemandem etwas Besonderes zum Geburtstag schenken“ nach und nach selbst beschäftigen. Geld für andere auszugeben, sich selbst in Verzicht zu üben und ein gezielter Umgang mit Konsum seien weitere wichtige Lernschritte.

Von Geldgeschenken an Kleinkinder und Grundschüler rät sie eher ab. Wenn, dann sollten nur kleine Beträge zu einem anderen Geschenk dazugegeben werden, „sonst droht Überforderung“, warnt sie. Geld sollte in diesem Alter generell noch keine allzu große Rolle spielen – gemeinsamen Erlebnissen und Unternehmungen käme eine viel wichtigere Bedeutung zu. Und auch mit einem Konto könnten Kinder noch nicht viel anfangen – „dafür fehlt ihnen die abstrakte Vorstellungskraft“.

Jeder hat eigene Regeln

Doch was, wenn der Sitznachbar in der Schule mehr Taschengeld bekommt? „Dann ist es wichtig zu erklären, dass jeder andere Regeln hat“, sagt Kittel-Kleigrewe. Die Eltern sollten deutlich machen, dass Menschen unterschiedlich viel Geld besitzen und verschiedene Ausgaben zu stemmen haben. Zwar sollten sie dann an ihren Grenzen festhalten, die Frage aber nicht gänzlich außer Diskussion stellen und zum Beispiel ein halbes Jahr später noch mal mit dem Kind darüber sprechen. Bei Geschwistern könne man mit dem Alter argumentieren: Die große Schwester hat ja früher genauso viel bekommen und braucht jetzt eben etwas mehr, für Schule, Freunde oder ähnliches.

Eine andere Möglichkeit, dem Wunsch nach mehr Taschengeld nachzukommen, sei, den Nachwuchs etwas dafür „tun“ zu lassen: Aufgaben im Haushalt erledigen zum Beispiel oder im Garten mithelfen. „Man sollte sein Kind fragen, was es selbst für sein Geld tun würde.“ Denn eigenes Geld sei der erste Schritt in Richtung Selbstständigkeit und eigener Handlungserweiterung.

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