Immer weniger Frauen in der Kommunalpolitik

„Parteien sind keine Männerclubs“

NÜRNBERGER LAND – In den Gemeinden des südlichen Landkreises leben in etwa gleich viele Frauen und Männer. Auf den Listen der Parteien für die Kommunalwahl spiegelt sich das aber kaum wider. Das kritisiert unter anderem Marlene Mortler.

Am heutigen Sonntag, 8. März, ist Weltfrauentag. Das nimmt die Europa-Abgeordnete Marlene Mortler zum Anlass, um auf den Missstand der Ungleichheit in der Politik hinzuweisen: „Frauen sind in der Politik bis heute unterrepräsentiert. Teilweise ist ihr Anteil in den Parlamenten sogar rückläufig. Das gilt besonders für die kommunale Ebene.“

Auch das Nürnberger Land bildet da keine Ausnahme. Nur die Grünen haben im südlichen Landkreis ihre Listen überwiegend paritätisch besetzt. Ansonsten kandidieren meist doppelt so viele Männer wie Frauen für den Gemeinderat. Dabei leben in fast allen Gemeinden ähnlich viele Frauen wie Männer. Laut der Gleichstellungsbauftragten des Landkreises, Anja Wirkner, ist das in Bayern der Normalzustand.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Das Problem scheint aber nicht einfach mit einer Pflicht zur paritätischen Besetzung von Wahllisten mit Frauen und Männern lösbar zu sein. Denn es finden sich prinzipiell weniger Frauen, die überhaupt bereit sind, sich aufstellen zu lassen. „Das liegt oft an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie spielt in der Lebensphase, in der Männer häufig für den Gemeinderat kandidieren, für Frauen eine große Rolle. Viele wissen nicht, wie sie dabei noch ein Ehrenamt unterbringen sollen,“ erklärt Wirkner. Auch schrecken Frauen wohl vor dem rauhen Klima und Umgangston in der Politik zurück. Als dritten Faktor nennt Wirkner die Unsicherheit vieler Frauen, sich eine solche Position gar nicht erst zuzutrauen.

Gesellschaft, Wirtschaft und Politik müssen sich weiter verändern, gerade die Parteistrukturen. Und das gilt auch – oder besonders – für die CDU/CSU. Wir müssen Frauen davon überzeugen, dass Parteien keine Männerclubs sind und Hinterzimmerpolitik betreiben, sondern dass sie eine Plattform sind, mit der sie viel bewegen können. Und davon profitieren übrigens nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer“, argumentiert Mortler.

Es gibt Lösungsvorschläge

Gleichstellungsbeauftragte Wirkner hat schon Lösungsansätze parat: So könne man zum Beispiel die Sitzungen straff durchziehen und zielführend moderieren, um sie möglichst wenig zeitaufwändig zu gestalten. Auch der Zeitpunkt, wann die Sitzungen gehalten werden, könnte an die Lebenssituation angepasst werden.
Oder man könnte die Möglichkeit schaffen, dass Frauen ihre Kinder mit zu den Sitzungen bringen können. „Das gilt natürlich auch andersherum. Auch alleinerziehenden Vätern muss die Vereinbarkeit des Berufs- und Familienlebens mit dem Ehrenamt gegeben sein. Schließlich geht es ja um Gleichberechtigung,“ fügt Wirkner hinzu. Des Weiteren sollen Frauen gezielt angesprochen werden. Denn vielen kommt der Gedanke, in die Politik zu gehen, erst gar nicht. Politik und Familie lassen sich oft nur schwer vereinbaren, meint die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Anja Wirkner.

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