Aufzuchtzeit für Rehkitze beginnt – Tipps für Hundehalter

Jungtiere niemals anfassen

Rehkitze verbergen sich im hohen Gras und fliehen nicht, wenn die Mähmaschine kommt. Naturschützer und Jäger bitten darum, in der Kinderstube des Wildes Rücksicht walten zu lassen. Vor der Mahd sollten Landwirte die Flächen abgehen. | Foto: Fotolia2017/05/rehkitz.jpg

NÜRNBERGER LAND – Ein Spaziergang nach der kalten, tristen Winterzeit lockt vor allem auch Hundebesitzer ins Freie. Wer mit seinem Hund in Wald und Flur geht, sollte sich besonders jetzt im Frühling bewusst machen, dass er draußen nicht alleine unterwegs ist, sondern sich im „Kinderzimmer des Wildes“ bewegt.

„Gerade im Frühling und im folgenden Frühsommer werden die Jungtiere geboren. Es ist die Zeit, in der die Natur zu einer gut gefüllten Kinderstube wird und deshalb ungestört sein sollte“, berichtet Umweltingenieur Michael Kraus vom Jagdschutz- und Jägerverein Nürnberg-Land. Jungtiere wie junge Feldhasen ducken sich in Sassen, Fasanenküken sitzen in Wiesen, Hecken- und Feldrainen und Lerchen brüten im niedrigen Gras. Während sie auf den ersten Blick für den Spaziergänger nicht zu erkennen sind, spüren freilaufende Hunde die schutz- und wehrlosen Jungtiere schnell auf. Die im Frühjahr hochträchtigen Rehgeißen sind sehr schwerfällig und haben meist keine Chance, jagenden Hunden zu entkommen. Selbst brütende Altvögel auf ihren Nestern oder deren noch nicht flügge gewordenen Jungen können zur leichten Beute werden. Kehren die Hunde zu ihren Besitzern zurück, haben diese oft keine Ahnung, welche Tragödie ihr Vierbeiner soeben angerichtet hat.

Rehkitze nicht anfassen!

Rehkitze und andere Jungtiere dürfen dabei unter keinen Umständen angefasst, gestreichelt oder auf den Arm genommen werden. Der menschliche Geruch, der anschließend an ihnen haftet, ist ihr Todesurteil: Die Rehgeiß würde ihren Nachwuchs nicht mehr annehmen. Das Kitz müsste verhungern oder ist seinen Fressfeinden ausgeliefert.

„Rehgeißen sind jedoch keine Rabenmütter. Auch wenn man diese nicht sieht, sind sie stets in der Nähe. Rehkitze kommen nahezu ohne eigenen Körpergeruch auf die Welt. Rehgeißen, die das Leben ihres Nachwuchses schützen wollen, legen die Kitze daher in Wiesen oder im Wald ab und suchen es nur zum Säugen auf, um das Versteck durch ihre eigene Witterung Fressfeinden nicht zu verraten. Hierzu gehören Fuchs, Marder, Dachs, aber auch Greifvögel, Katzen und Hunde“, erklärt Umweltingenieur Kraus.

Haustiere haben Jagdinstinkt

Von Dackel bis Dobermann – Hunde haben einen natürlichen Jagdinstinkt. Ganz besonders deutlich wird dies im Bereich um Lindelburg herum, wo im letzten Winter ganze vier Rehe von Hunden gerissen wurden. Zwei Rehe mussten sogar auf Grund ihrer schweren Verletzungen vom zuständigen Jagdpächter von ihren Leiden erlöst werden.

Daher sind alle Hundehalter aufgefordert, ihre vierbeinigen Freunde besonders jetzt in der Brut- und Setzzeit an die Leine zu nehmen. Grundsätzlich sollten zumindest in dieser sensiblen Zeit Wiesenflächen gemieden werden. Werden die Muttertiere nämlich von Mensch oder Haustier abgeschreckt, werden die Jungtiere zu selten versorgt und könnten gerade in den ersten Tagen durch den entstehenden Mangel eingehen.

Auch Katzenhalter haben eine Mitverantwortung: Jeder, der sich eine Katze zulegt, übernimmt die Verantwortung für das Haustier. Alle Hauskatzen, auch die anhänglichsten Schmusekatzen und gut genährte Tiere, haben einen natürlichen Jagdinstinkt. Insbesondere Bodenbrüter, Eidechsen oder auch junge Hasen sind hier betroffen.

„Die Naturschutzgesetze verbieten grundsätzlich, wildlebende Tiere mutwillig zu beunruhigen, zu belästigen, zu fangen, zu verletzten oder gar zu töten“, sagt Michael Kraus.

Friedliches Miteinander

Er appelliert an alle Hundebesitzer, beim Spaziergang in der freien Natur nach Wildtieren Ausschau zu halten, auf Distanz zu bleiben und ihren Vierbeiner beim Waldspaziergang an die Leine zu nehmen. Als beaufsichtigt gilt ein Hund dann, wenn er auf den Wegen in Sichtweite und im Einwirkungsbereich von Frauchen oder Herrchen ist. Wird er gerufen, muss er jederzeit und sofort zurückkommen. Dann ist ein friedliches Miteinander von Hund und Wildtieren kein Problem.

Befindet sich ein Hund außerhalb des Einwirkungsbereich des Hundehalters und stellt einem Wildtier erkennbar nach, so ist der Jagdschutzberechtigte nach Bayerischem Jagdgesetz und auch nach Bundesjagdgesetz verpflichtet, zum Schutz des Wildes tätig zu werden.

In letzter Konsequenz kann dies bedeuten, dass der Jäger berechtigt und sogar verpflichtet ist, einen Hund der wildert zu erschießen, um das Wild zu schützen. Informationen zum richtigen Verhalten mit dem Hund in der Natur erhält man z.B. in einem Begleithundekurs, wie er auch vom Jagdschutz- und Jägerverein Nürnberg Land angeboten wird. Hier lernt der Hund nicht nur wichtige Kommandos wie Sitz, Platz und Fuß, sondern auch der Hundeführer wird über allerhand Wissenswertes informiert und mit ausgebildet.

Michael Kraus

Informationen zum richtigen Verhalten mit dem Hund in der Natur unter www.jagd-bayern.de/uploads/media/hundeflyer.pdf und zu den Begleithundekursen unter www.jjv-nuernbergland.de

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