Kommentar

Hü, hott und die Glaubwürdigkeit von Zahlen

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Fehler sind menschlich und passieren. Gerade in dieser Zeit, in der vor allem die Behörden unter Druck und am Anschlag arbeiten. Dass die Stadt Nürnberg erkannt hat, dass ihre Corona-Zahlen falsch sind und sie sich damit einen Fehler eingesteht, ist gut. Doch zugleich fördern die falschen Behauptungen über unkorrekte Werte im Landkreis zu Tage, wie fragil die Stimmung in der Bevölkerung ist.

„Das Vertrauen in diese „Zahlen“ ist halt dahin“, bringt es ein Facebook-User auf den Punkt. Berechtigterweise. Seit einem Jahr richtet sich das Leben an der Inzidenz aus. Gerade jetzt, wo sich aufgrund sinkender Fallzahlen erste Perspektiven auftaten, erfährt sie eine enorme Bedeutung. Ein falscher Wert und denen, die am Existenzminium sind, wird wieder ein Strohhalm genommen. Das macht wütend. Ein falscher Anstieg raubt Glaubwürdigkeit.

Und das wiegt umso schwerer, wenn Verwirrungen und Hoffnungen in vielen Feldern aufeinandertreffen: Darf die Gastro öffnen? Wer entscheidet das? Was heißt „ein stabiler Wert“? Dürfen die Kinder in die Schule? Keine Prüfungen oder jetzt doch welche? Die Bürger verlieren zunehmend den Überblick, was gilt und was nicht. Das Hin und Her macht mürbe. Sie können (oder wollen) weder Behörden noch dem Qualitätsjournalismus Glauben schenken – zusammen mit der Spaltung der Gesellschaft durch Impfvorzüge eine gefährliche Entwicklung, die die Verantwortlichen ernst nehmen sollten.

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Vielleicht ist es Zeit, das System endlich zu überdenken. Denn wurde nicht vom Bund beschlossen, nicht nur die Inzidenz zu berücksichtigen, sondern auch die Zahl der Geimpften und den R-Wert (Er bildet ab, wie viele andere ein Infizierter ansteckt)? Ist es nicht auch entscheidend, wie die Krankenhäuser belastet sind? Doch diese wegweisende Ergänzung des Infektions­schutzgesetzes schlägt sich nirgends nieder …

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