Jubiläumsveranstaltung mit vielen Attraktionen

Viele Gäste beim 25. Hopfenfest in Speikern

Uwe Schlenk (roter Anorak) aus Neunkirchen gewann den Hopfenzupfwettbewerb 2014.2014/09/88639_HopfenfestSpeikern-hopfenzupfenwettbewerb-gja_New_1410793564.jpg

Die Kindervolkstanzgruppe des Heimatpflegevereins Aurach aus dem oberen Altmühltal.

SPEIKERN (gja) — Seit 25 Jahren ist in Speikern das Fest rund um das „Grüne Gold“, das der „Heimat- und Geschichtsverein Neunkirchen“ organisiert, ein Publikumsmagnet. Zum Jubiläum schien es, als wollten all die Besucher aus den Vorjahren wieder dabei sein, so gewaltig war am Sonntag der Andrang zwischen der „Fränkischen Hopfenscheune“ und dem Bauernhof des „Simmersbauer“.

Franz Semlinger, der Vorsitzende des „Heimat- und Geschichtsverein Neunkirchen“ und seine vielen Helfer konnten sich freuen, der für die gute Qualität des heimischen Hopfens unentbehrliche Regen, steuerte zum Hopfenfest nur wenige Tropfen bei, ansonsten war alles „eitel Sonnenschein“. Somit konnte Semlinger im Museumsgarten eine große Gästeschar begrüßen, darunter Neunkirchens Bürgermeisterin Martina Baumann, die dem „Geburtstagskind“ die besten Glückwünsche der Gemeinde überbrachte. Der stellvertretende Landrat Norbert Reh bezeichnete das Speikerner Hopfenfest als bedeutendstes Fest im Landkreis Nürnberger Land.

Mit Altbürgermeister Roland Goldhammer und Elmar Gramann, dem früheren Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Geschäftsführer des Hopfenpflanzerverbands Hersbrucker Gebirge, konnte der Museumsleiter selbst Gäste begrüßen, die bereits beim allerersten Hopfenfest vor 25 Jahren dabei waren. Damals bei der 700-Jahr-Feier von Speikern, als als Attraktion ein die Hopfenernte darstellender Festwagen mitfuhr, entstand die Idee für die weiteren Hopfenfeste.

Seit der Heimat- und Geschichtsverein vom Ehepaar Betty und Konrad Pinzer eine Scheune übernahm, renovierte und zur „Fränkischen Hopfenscheune“ umfunktionierte und im Jahr 2000 mit einem Anbau erweiterte, sorgt das Museum dafür, dass die Bedeutung des Hopfens in der Region nicht vergessen wird. Seither gibt es jährlich wechselnde Ausstellungen. Wie der zweite Vorsitzende Gerhard Ott erzählte, sei die aktuelle Sonderausstellung „16. Mai 1950/2013 – ein Tag wie jeder andere?“ besonders sehenswert.

Mit textreich gestalteten museumseigenen Exponaten wird der Wandel unserer Gesellschaft in einer Gegenüberstellung dargestellt. Vom Montag, den 15. Mai 1950 ist auch eine Kopie der Pegnitz-Zeitung zu sehen, mit der politischen Schlagzeile „Einheitsfront der Westmächte“.

Ebenso interessant war für die Festbesucher auch ein Rundgang durchs gesamte Museum „Fränkische Hopfenscheune“. Die im Laufe der Jahre zusammengetragenen Exponate gewährten Einblicke in die Anfänge des Hopfenanbaugebiets „Hersbrucker Gebirge“, wo der Stadt Hersbruck bereits 1774 das Siegelrecht verliehen wurde, um die Echtheit des Hersbrucker Gebirgshopfens zu garantieren. Weiter war zu erfahren, dass das noch heute gültige Reinheitsgebot von 1516 zur Bierherstellung nur Gerste, Hopfen und Wasser zulässt. Wie Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf erzählte, war es heuer, dank des vielen Regens geradezu optimal für das Wachstum der Hopfendolden, deren Alphasäure neben dem Aroma der wichtigste Geschmacksgeber des Bieres ist.

Sehenswert ist ein im Erdgeschoß original nachgebautes Hopfenfeld, dessen Stangenanlage einst im Besitz des Deinsdorfer Hopfenbauers Fritz Koch war. Besonders stolz ist das Speikerner Hopfenmuseum auf die ausgeliehene älteste Hopfenpflückmaschine der Welt. Zum Jubiläumsfest durfte Museumsleiter Semlinger die Familie Lutz aus Hersbruck begrüßen, deren Vorfahren Sebastian und Hans Lutz im Jahre 1900 die Maschine in ihrer Reparaturwerkstatt in der Grabenstraße erfanden.

Um den Wissensdurst wie auch den richtigen Durst zu stillen, war für alle Hopfenfreunde viel geboten. Im Museumsgarten sorgten die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins unermüdlich für Essen und Trinken, es gab reichlich Literarisches über den Hopfen. Auf der abgesperrten Milchstraße stand eine Kuchentheke und gegenüber in der Wolfshöher-Bar durfte man außer „Hopfentee“ auch einen „Hopfentropf“ probieren. Zum Mitnehmen zauberten viele fleißige Hände aromatisch duftende Hopfenkränze und –sträuße.

Für die Kinder war allein schon die Traktorfahrt mit Landwirt Gerhard Merkl zum Hopfengarten ein Erlebnis. Auf dem Hopfenfeld erfuhren alle Beteiligten, dass im Sinnspruch „Der Hopfen will jeden Tag seinen Herrn sehen“ viel Wahrheit steckt, denn ein Hopfenbauer hat bis zur Ernte des „grünen Goldes“ ein umfangreiches Arbeitspensum zu bewältigen.

Bei der Rückfahrt zum Hof erklärte der Hopfenbauer die weiteren Stationen: Nach der Pflückmaschine geht’s weiter zum Förderband, die den Hopfen zum Sammelbehälter transportiert. Nach der Hopfendarre wird der Hopfen in Säcke gefüllt, die bis zu 85 Kilo wiegen.

Beim Hopfenfest hat natürlich das richtige „Hopfenzupf`n“ schon Tradition. Fritz Kroder bediente die Stoppuhr, als Männer wie Frauen beim Hopfenpflück-Wettbewerb ausprobierten, wer in zwei Minuten die meisten Dolden abzupft. Die schnellsten Finger hatten Sabine Raschendorfer (128 Gramm) und Uwe Schlenk (105).

Besonders schön anzusehen war wieder die Kindervolkstanzgruppe des Heimatpflegevereins Aurach aus dem oberen Altmühltal. Mit ihren stündlich vorgetragenen fränkischen Volkstänzen begeisterten sie die Zuschauer genauso wie die anderen Mitglieder der Brauchtumsgruppe mit alten Handwerkstechniken. In ihrer katholischen bäuerlichen Werktagstracht zeigte Martha Seis die Herstellung von Brotbacknäpfen aus Pfeifengras.

Hans Blank demonstrierte das Dengeln von Sensen und Sicheln. Wie man aus Seegras ein Seil erzeugt, wie es früher zum Binden von Korngarben verwendet wurde, konnte bei Lorenz Scharnagel abgeschaut werden. Da machte nicht nur das Zuschauen Spaß – beim Buttern oder beim Herstellen eines Strickes aus Sisal oder Hanf durften die Besucher auch selbst mal Hand anlegen.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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