Über 1000 Besucher beim Hopfenfest in Speikern

Das „grüne Gold“

Die fleißigen Hopfenkranzherstellerinnen des Heimat- und Geschichtsvereins Neunkirchen2013/09/69398_hopfenfesthopfenkraenze_New_1378739164.jpg

SPEIKERN (gja) ­­­­— Früher, in den Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts, war Speikern eine Hochburg innerhalb des Hopfenanbaugebietes „Hersbrucker Gebirge“. Als Erinnerung an den fast ausgestorbenen Hopfenbau – in Speikern gibt es nur noch den „Simmersbauern“ – hatte der Heimat- und Geschichtsverein Neunkirchen zum 24. Hopfenfest eingeladen. Rund um das Museum „Fränkische Hopfenscheune“ genossen über 1000 Besucher ein abwechslungsreiches Programm.

Umso mehr die Sonne am Sonntagnachmittag zum Vorschein kam, umso mehr Besucher strömten herbei, um die gemütliche Atmosphäre des Traditionsfestes zu genießen. Die große Helferschar des Heimat- und Geschichtsvereins Neunkirchen hatte noch zusätzlich Tische und Bänke im Museumsgarten und auf der Milchstraße aufgestellt, trotzdem gab es kaum ein freies Plätzchen.

Unter den vielen Gästen konnte Franz Semlinger, der erste Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, auch jede Menge Prominenz begrüßen: Neunkirchens Bürgermeister Kurt Sägmüller war ebenso gekommen wie sein Amtskollege Georg Brandmüller aus Schnaittach. Zu den vielen Gemeinde- und Kreisräten gesellten sich der stellvertretende Landrat Norbert Reh, Altlandrat Helmut Reich, MdL Kurt Eckstein, Bezirksrat Norbert Dünkel und Landrat Armin Kroder.

Der Landkreischef zeigte später seine Fingerfertigkeit beim Hopfenzupf-Wettbewerb, wo 2. Vorsitzender Gerhard Ott mit der Stoppuhr den schnellsten Pflücker ermittelte. Neben Andreas Tiedtke, Landtagskandidat FW, und Michael Groß, Bezirkstagskandidat SPD, beteiligte sich auch BBV-Präsident Günther Felßner, der mit 230 Gramm zum Schluss die meisten Dolden im Eimer hatte. Bei den Kindern siegte Cedric Polster mit 45 Gramm.

Wer ganz genau wissen wollte, wie und wo der Hopfen angebaut wird, begleitete den „Simmersbauern“ Gerhard Merkl bei seinen mehrmaligen Fahrten zum Hopfengarten. Die Hopfenernte, die in früheren Zeiten noch die gesamte Verwandtschaft mobilisierte, sei natürlich mit den heutigen Maschinen um einiges einfacher, erzählte der Landwirt, trotzdem bedarf es bis zur Ernte des „Humulus Lupulus“ vielerlei Handarbeit.

Im Frühjahr beginnt die anstrengende Arbeit auf dem Hopfenacker mit dem Abrainen und Abeggen. Die noch kleinen Hopfenstöcke müssen geschnitten, Spieße eingesteckt, Drähte angehängt und daran der Hopfen angeleitet werden.

Öfter müssen die Gerüstanlagen repariert und die vom Wind abgerissenen Stöcke wieder aufgehängt werden. Der Hopfenbauer entfernt unerwünschte Triebe, kürzt die Seitenarme und reißt überflüssige Blätter ab. Außer der wichtigen Stalldüngung werden die Hopfenreben von Mitte Mai bis Ende August immer wieder gespritzt. Im September werden die Reben dann abgeschnitten, aufgeladen und zur Maschinenpflücke auf den Hof gefahren. Der Pflückabfall wird später weggefahren und die übrigen Reben werden zerkleinert und kompostiert.

Bei den Führungen in der Scheune des „Simmersbauern“ konnten die Besucher den weiteren Weg des Hopfens an der mächtigen Pflückmaschine beobachten. Danach „wandern“ die Dolden in die Trockenkammer (Darre) und weiter zur Pflege auf dem Hopfenboden. Später wird der Hopfen eingesackt und zur Waage gefahren.

Für die ungezählten Fragen stand Gerhard Merkl gerne Rede und Antwort, so erfuhren die Besucher auch, dass der Niederfall die Feier nach der Hopfenernte ist und sich nicht auf eine Person bezieht, der vielleicht vom süffigen Endprodukt Bier zu viel erwischt hat und deshalb niederfiel.

Schau in der Hopfenscheune

Interessantes rund um das Bier gab es außerdem im viergeschossigen Hopfenmuseum zu sehen: Alte Arbeitsgeräte des Hopfenanbaus geben einen Einblick ins ehemalige Hopfenanbaugebiet „Hersbrucker Gebirge“, das seit 2004 als 15. Siegelbezirk dem großen Hopfenbaugebiet Hallertau angeschlossen ist.

Noch heute gilt das Reinheitsgebot von 1516, laut dem zur Bierherstellung nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden dürfen. Prunkstück des Museums ist sicherlich die älteste Hopfenpflückmaschine der Welt, gebaut 1906 von Sebastian Lutz aus Hersbruck.

Für weiteren Zeitvertreib sorgte die Sonderausstellung mit dem Thema „Ach du liebe Zeit!“ und im Freien die Hüpfburg und die Auftritte der Schnaittacher Tanzgruppe „Letz Fetz“. An verschiedenen Verkaufsständen gab es regionale Honigprodukte, Glücksbringer aus Hufeisen und schmiedeeiserne Geschenkartikel.

Die absoluten Renner des Tages waren natürlich wieder die schönen Hopfenkränze und Sträuße, gebunden von den Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsverein Neunkirchen – ohne dieses herb-aromatische Souvenir verließ kaum ein Besucher das Hopfenfest.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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