Vier Schönbergerinnen und ihre erste Flugreise

Mit 80 zum ersten Mal über den Wolken

Die Schönbergerinnen Kunigunde Dittmann, Evi Höpfner, Annelies Stiegler und Rosa Költsch (von links) erlebten einen nicht ganz alltäglichen Urlaub. | Foto: Cichon2018/09/Erster-Flug-Schonbergerinnen-Berlin-ci.jpg

SCHÖNBERG/BERLIN — Zum Fliegen ist es nie zu spät: Das dachten sich vier Schönberger Schulfreundinnen, alle Jahrgang 1937. Zwei von ihnen hatten noch nie eine Flugreise unternommen. Im Sommer ging es dann mit dem Flugzeug nach Berlin. Und auch ansonsten war der Urlaub kein ganz alltäglicher…

„Es war einmalig, zu erleben, wie es ist, schwerelos in der Luft zu sein“, erzählt Evi Höpfner. Aber abgesehen von Start und Landung sei es dann doch nicht so aufregend gewesen, wie vorab erwartet, erzählt die noch 80-Jährige. Spannender sei eher das Drumherum gewesen, stellten die Seniorinnen übereinstimmend fest.

So legte Annelies Stiegler bei der Sicherheitskontrolle vor dem Hinflug zum Beispiel nur ihren Koffer auf das Gepäckband. Auf die Frage eines Flughafenmitarbeiters, ob sie nicht auch Flüssigkeiten dabei hätte, antwortete sie prompt: „Na klar, Ingwertropfen.“ Ihre Freundin Kunigunde Dittmann warf lachend ein: „Und ich hatte noch Melkfett zum Eincremen dabei.“

Als der Flugbegleiter hörte, dass zwei der Frauen noch nicht geflogen sind, gab es für sie einen ganz besonderen Service: Während des Flugs erklärte er unter anderem, mit welcher Geschwindigkeit das Flugzeug unterwegs ist oder was am Boden gerade zu sehen ist. „Wir haben Dresden von oben gesehen. Das war toll“, erinnert sich Rosa Költsch begeistert.

Übernachtung im Stockbett

Abgesehen vom Flug war aber auch der Rest der Woche alles andere als ein typischer Seniorenurlaub. Statt im Hotel oder in einer Pension zu übernachten, wollten die vier Frauen das „Laubenpieper-Leben“ kennenlernen, wie Höpfner sagt. So kamen sie in einer Schrebergartensiedlung im 30 Kilometer südlich vom Flughafen gelegenen Großziethen unter. Geschlafen wurde in Stockbetten in einer 5,19 Mal 3,40 Meter großen Laube. „Bei der Hitze ist man oben im Stockbett fast erstickt“, sagt Stiegler und lacht. „Und als ich dann auch noch gebacken und Marmelade gekocht habe, war es noch wärmer“, fügt Höpfner an.

Auch bei den Nachbarn war das ungewöhnliche Quartett schnell bekannt: Denn zum Einkaufen in den einen Kilometer weit entfernten Supermarkt ging es mit dem Schubkarren. „Wir hatten ja kein Auto dabei“, sagte Höpfner pragmatisch. Ihre „Für eine Woche braucht man schon einen Kasten Wasser. Das hätten wir ja nicht alles tragen können“, fügt Rosa Költsch an.

Bei der Hitze nur in den Liegestühlen im Garten entspannen, kam für die rüstigen Damen nicht in Frage. Sie schauten sich lieber die Hauptstadt an, besuchten das Brandenburger Tor, das Nikolaiviertel und den Alexanderplatz, gingen zum „Shoppen“ in ein Kaufhaus und machten eine Schifffahrt auf dem Wannsee. „Hinterher waren wir aber fix und fertig“, räumt Költsch ein.

Als auf dem Rückflug dann auch noch Höpfners Bordkarte verschwunden war, wurde es kurz hektisch. „Ich musste mir eine neue ausstellen lassen und wurde bei der Sicherheitskontrolle dann ganz genau untersucht“, erzählt die Seniorin. Später fand sich die Bordkarte im Gepäck der Freundin wieder.

„Es war ein sehr schöner Urlaub“, so Stieglers Fazit. „Wir haben sehr viel gelacht“, stimmt Költsch zu. Man darf schon gespannt sein, wo es als nächstes hingeht…

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