Fische mit Schadstoff belastet

Negativrekord im Röthenbach

Der Röthenbach mündet in der gleichnamigen Stadt in die Pegnitz – hier fließt er am alten Sägewerk (im Bild) vorbei. Foto: PZ-Archiv2015/08/sa__gewerk_ro__thenbach.jpg

DIEPERSDORF/RÖTHENBACH— Brachsen und Forellen aus dem Röthenbach gehörten 2013 zu den am stärksten mit Perfluorierten Tensiden belasteten Fischen in Bayern. Diese Chemikalien stehen im Verdacht, Krebs auszulösen.

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) untersuchte im Juli 2013 insgesamt drei Fischproben aus dem Röthenbach. Die Werte schwankten zwischen 72,3 und 711 Mikrogramm Perfluoroctansulfonat (PFOS) pro Kilogramm. PFOS ist einer der wichtigsten Stoffe aus der Gruppe der Perfluorierten Tenside, er wurde auch im Finstergraben bei Diepersdorf – der in den Röthenbach mündet – und jetzt aktuell im Birkensee nachgewiesen. Höhere PFOS-Werte als die Brachsen und Forellen aus dem Röthenbach wies laut einer vom LGL im Internet veröffentlichten Tabelle bayernweit keine andere Fischprobe auf, die zwischen 2006 und
2015 von der Behörde überprüft wurde.

Wasseranalysen von Landrats- und Wasserwirtschaftsamt im Finstergraben lassen den Verdacht zu, dass PFOS in den Jahren 2013 und 2014 aus der Diepersdorfer Kläranlage strömte (die Pegnitz-Zeitung berichtete). Ob damals auch Werte innerhalb der Kläranlage gemessen wurden und wie die Situation heute ist, hat die zuständige Gemeinde Leinburg bisher nicht beantwortet. Schadstoffe, die womöglich aus der Altdeponie am Birkensee sickern (siehe nebenstehenden Text), sollten sich eher im Grund- als im Oberflächenwasser finden.

Schädlich in Tierversuchen

PFOS ruft im Tierversuch Leberschädigungen hervor und beeinträchtigt die Fruchtbarkeit. Außerdem förderte es das Wachstum von Tumoren. Ob diese Resultate auch auf den menschlichen Organismus übertragen werden können, ist noch nicht erforscht. Der Stoff, der eigentlich europaweit verboten ist, dank Ausnahmeregelungen aber in mehreren Industriesparten weiterhin verwendet werden darf, reichert sich in der Umwelt und vor allem in Wasserlebewesen an.
2013 riet das LGL deshalb davon ab, Fische aus dem Röthenbach zu verzehren. Das sei „aus Vorsorgegründen“ geschehen, so eine Sprecherin des LGL zur Pegnitz-Zeitung.

Das Landratsamt ging damals ebenfalls nicht von einer akuten Gesundheitsgefährdung aus. Lediglich bei regelmäßigem Verzehr sei diese „nicht mit der erforderlichen Sicherheit ausschließbar“ gewesen, so die Behörde bereits am Donnerstag. Die Warnung des LGL sei damals nicht kommunziert
worden, weil es am Röthenbach „keine Fischereiberechtigten“ gegeben habe.
Der Bach entspringt bei Altdorf, fließt durch den staatlichen Lorenzer Reichswald und dort am Naherholungsgebiet rund um den Birkensee vorbei. Er mündet schließlich
bei Röthenbach in die Pegnitz.

Die Tabelle mit PFT-Werten von in ganz Bayern gefangenen Fischen findet sich unter der Adresse bit.ly/1JAUdUZ im Internet.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel