Auskünfte zur PFT-Belastung nur häppchenweise

Fischen im Trüben

Ob die im Birkensee – hier im Bild – gemessenen Werte mit jenen bei Diepersdorf zusammenhängen, ist offen. Foto: PZ-Archiv/Sichelstiel2015/08/birkensee_wurzel_herbst_02.jpg

DIEPERSDORF — Im Leinburger Trinkwasser sind Perfluorierte Tenside (PFT) aktuell nur in minimaler Menge nachweisbar. Die Belastung von Birkensee und Finstergraben bedeutet laut Experten keine akute Gesundheitsgefahr. Also nur ein Sturm im Wasserglas? Problematisch war in den vergangenen Tagen vor allem die Informations­politik der Behörden.

Nur häppchenweise drangen die Fakten an die Öffentlichkeit. Von dem Messergebnis eines Nürnberger Instituts, das im Birkensee eine erhöhte PFT-Konzentration festgestellt hatte, sei Landrat Armin Kroder „kalt erwischt“ worden, schrieb die Pegnitz-Zeitung am Montag. Diesen Eindruck vermittelte das Landrats­amt. 2013 und 2014 habe man kon­stant geringere Werte gemessen, hieß es. Einen Tag später bestätigte ein Sprecher, dass es bereits 2014 einen Anstieg gab. „Kalt erwischt“ – wohl eher nicht.

PFT war für die Behörde schon länger ein Thema, nachdem die teilweise verbotenen organischen Verbindungen am Auslauf der Diepersdorfer Kläranlage festgestellt wurden. Die Suche nach dem Verursacher lief zu diesem Zeitpunkt bereits, auch das Wasserwirtschaftsamt war eingebunden. Freilich: Offen ist nach wie vor, ob dieser Fall mit der Verunreinigung das Badegewässers im Reichswald zusammenhängt, doch zwischen Birkensee und Kläranlage liegt gerade einmal ein Kilometer.

Belastete Forellen schon 2013

Ins Bild passt, dass die Pegnitz-Zeitung erst am Mittwochabend und erst auf Nachfrage vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen – und nicht von der Laufer Behörde – erfuhr, dass mit PFT belastete Fische bereits 2013 im Röthenbach schwammen. Das LGL empfahl den Laufern damals, „die Fischerei­berechtigten“ vor dem Verzehr zu warnen. Landrats­amtssprecher Günther Häusler sagt, dass dieser Hinweis eingegangen sei. Eine Warnung sei aber nicht ausgesprochen worden, weil der Röthenbach durch staatlichen Wald fließe und dort nicht an Angler verpachtet sei – „es gab keine Fischereiberechtigten am Röthenbach“. In den Fluss mündet der Finstergraben, an dem die Diepersdorfer Kläranlage steht.

Der Leinburger Bürgermeister Joachim Lang, für diese zuständig, hat die Fragen der Pegnitz-Zeitung bisher nur schriftlich beantwortet. Es sei „noch einiges zu recherchieren“, hieß es am Mittwoch, alle „Fachbehörden und möglichen Verursacher“ seien eingebunden. Es handele sich um eine sensible Thematik. Am Donnerstag teilte er die aktuellen Analyseergebnisse für das Leinburger Trinkwasser mit. Ihnen zufolge ist in drei von vier Brunnen kein Perfluoroctansulfonat (PFOS), einer der wichtigsten Stoffe aus der PFT-Gruppe, nachweisbar. In einem Brunnen ist die Konzentration weit unter dem Leitwert.

Laut Lang dient jener Brunnen, in dem sich 2013 erhöhte PFOS-Werte fanden, schon seit 1986, nachdem erhöhte Chrom- und Nickelwerte aufgetreten waren, nur noch als Abwehrbrunnen. Das bedeutet: Sein Wasser landet nicht beim Verbraucher, aus ihm wird gepumpt, um zu verhindern, dass Schadstoffe an anderer Stelle auftreten. „Darüber ist die Öffentlichkeit im Übrigen auch informiert“, so der Rathauschef.

Ob nicht nur am Auslauf, sondern auch innerhalb der Diepersdorfer Kläranlage in den vergangenen Jahren PFT-Werte gemessen wurden und wie diese ausfielen, hat die Pegnitz-Zeitung bereits am Dienstag in Leinburg angefragt. Eine Antwort steht noch aus. Vom Landratsamt immerhin die Auskunft: Im Finstergraben fanden sich 2013 2,9 Mikrogramm PFOS pro Liter. Das ist mehr als aktuell im Birkensee.

Das LGL will die neuen Wasserwerte für das Badegewässer am Freitag vorlegen, „wenn alles glatt geht“, wie Pressesprecherin Katrin Grimmer sagt. Zunächst sollte die Analyse laut Landratsamt Wochen dauern. Zum Ausmaß der Belastung im Röthenbach möchte sich das LGL nicht äußern, es verweist auf das Landratsamt. Nur bei regelmäßigem Verzehr von Fischen, so dessen Sprecher Häusler, sei eine Gesundheitsgefährdung „nicht mit der erforderlichen Sicherheit ausschließbar“.

Das passt zur Einschätzung des Erlanger Arbeits- und Umweltmediziners Professor Hans Drexler. Er sagt, die Belastung des Birkensees sei „aus Sicht der Toxikologie nicht so dramatisch“. Doch: „Diese Stoffe haben im Wasser nichts verloren, man muss die Quelle finden und eliminieren.“

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