Wenn der Esel nicht will, will er nicht

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SIMMELSDORF / HERSBRUCK – Wenn am Sonntag um 14 Uhr das Hersbrucker Eselrennen startet, setzten viele auf die Favoriten der letzten Jahre: Djangos Nikolaus und Dajan vom Kaltenhof. Beide sind Kinder des legänderen Django, der das Eselrennen insgesamt zehn Mal für sich entschieden hat. Wer jedoch glaubt, es habe nur etwas mit Glück und guter Zucht zu tun, dass Nikki bereits vier Mal den ersten Platz gemacht hat, der irrt sich.

Einiges Training im Vorfeld ist schon nötig, um Esel und Treiber auf das große Rennen einzustimmen. Geprobt wird auf einer Wiese in Simmelsdorf ganz in der Nähe vom Kaltenhof. Schon seit acht Jahren werden die Esel von Mitgliedern der Wasserwacht Hersbruck angetrieben. Um mit den Eseln mithalten zu können, braucht man natürlich viel Kondition, muss sehr schnell laufen können und darf sich vor Stürzen nicht fürchten. Auch ein Fußballspieler und ein Triathlet sind zur Unterstützung mit von der Partie.

Eigentlich beginnt jedes Training damit, dass die Esel aus dem Stall geholt werden, während die Läufer sich aufwärmen. Danach laufen alle zusammen auf die Trainingswiese, bepackt mit Wasserflaschen und einem Eimer voll mit leckerer Belohnung für die grauen Vierbeiner.

Tobias Ehrmann und Gustl Fleischmann, beides Jungaktive der Wasserwacht, laufen in diesem Jahr zum ersten Mal mit. Was für die Zuschauer beim Rennen immer so einfach aussieht, erfordert doch einiges Können und Einfühlungsvermögen. Erfahrene Läufer wie Veit Steinbauer von der Wasserwacht machen es den Neuen vor: Ein kurzer Schrei, um die Esel anzutreiben und ab geht s. Wie kann ein Mensch so schnell rennen ohne hinzufallen? Durchaus zieht der Esel den Läufer ab und zu hinter sich her.

Nur nicht hinfallen!

Tierbesitzer Ina und Gottfried Wölfel sehen mit kritischer Miene zu und geben hier und da Tipps: „Nie die Leine um die Hand wickeln“, wird Tobias Ehrmann von Ina ermahnt. „Wenn du stürzt und nicht loslassen kannst, kann das böse Folgen haben.“ Auch die Übergabe der Esel an den nächsten Läufer muss geübt werden. Nikki und sein Treiber kommen in Windeseile auf Tobias zu, der nun an der Reihe ist. So schnell wie möglich muss er die Leine übernehmen, aufpassen dass er dem Esel nicht im Weg steht und ihn womöglich ausbremst und loslaufen. Das Wichtigste: nicht hinfallen!

Auch das richtige Antreiben will gelernt sein. Ein einfaches „Lauf los!!!“ reicht nicht. Ein hoher Schrei wirkt dagegen Wunder. Gustl Fleischmanns erste Runde läuft eigentlich ganz gut, bis Nikki bei der Übergabe auf einmal umdreht und Gustl kurz über die Wiese schleift.

Drei junge Fernsehjournalisten von Sat 1 Bayern sind zum Training gekommen , um ganz Bayern aufs Hersbrucker Eselrennen einzustimmen. Doch fürs Fernsehen machen die Esel keine Ausnahme: Stur tun sie auch vor der Kamera nicht immer das, was der Mensch von ihnen will. Das „Sat1 Bayern“ Team will schließlich auch selbst mit einem Esel eine Runde drehen, jedoch traut sich keiner mit den schnellen Eseln Nikki oder Dajan zu laufen.

Zum Glück gibt es Alfred. Der älteste, gutmütigste und gemächlichste Esel lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. „Alfi“ läuft seine Runden meist in Schrittempo und lässt die Konkurrenten des Öfteren an sich vorbeiziehen. An manchen Tagen kann man ihn sogar zu einem kurzen Trab motivieren. Aber wenn ein Esel nicht will, dann will er eben nicht. Das bekommt auch das „Sat1“ zu spüren. Nikki und Dajan sollen jeweils mit ihren Treibern rennen, während Alfi mit dem Sat1 Team rennt. Jedoch interessiert er sich mehr für die schönen gelben Blumen und das saftige Gras, bleibt einfach stehen und frisst.

Es dauert gar nicht lange, bis alle Beteiligten schwitzen, keuchen und sich ausruhen müssen. Meist beendet Ina Wölfel, das Wohl ihrer Tiere im Auge, das Training. Nachdem sie so viel gerannt sind, müssen die Esel sich noch bewegen, weil sie ja auch wie die Menschen schwitzen und auskühlen. Deswegen joggen Zweibeiner und Vierbeiner nach dem Rennen noch ein kleines Stück, bevor es zurück in den Stall geht. Nicht nur die Esel lassen sich durch Futter motivieren.

Nach dem Training wird meistens noch am Kaltenhof gegrillt und geplaudert. Und egal wie das Rennen am Altstadtfest- Sonntag ausgehen sollte: die „F- Sekt“- Flasche wird in jedem Fall geköpft: entweder gegen den Frust oder zum Feiern.

Rebecca Haase

Fernsehbericht diesen Freitag, 30. Juli, 17.30 Uhr, auf „Sat 1 Bayern“ und auf der Homepage des Senders.

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