Bauernprotest gegen ruinöse Preispolitik der Konzerne

„Diese Schleuderpreise zerstören“

Nach der Einkaufsaktion bei ALDI in der Ostendstraße machten die Landwirte ihrem Unmut bei einer spontanen Kundgebung Luft. BBV-Kreisobmann Günther Felßner und der Obermeister der Metzgerinnung Nürnberger Land, Manfred Weber aus Lauf (l.), gaben kurze Statements ab.2015/08/aldibauern4_New_1439904602.jpg

NÜRNBERGER LAND – „Es reicht! Wir haben es satt!“ Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch haben sich gestern auch Bäuerinnen und Bauern aus dem Nürnberger Land an der bayernweiten Aktion des Bauernverbandes gegen die Schleuderpreise der Lebensmittel-Discounter beteiligt. Ziel der örtlichen Aktion war die ALDI-Filiale in der Ostendstraße in Nürnberg. „ALDI ist der Vorreiter dieser Entwicklung“, betonte Mittelfrankens BBV-Präsident und Kreisobmann im Nürnberger Land, Günther Felßner. „Wer bei ALDI einkauft is(s)t billig“, war seine klare Botschaft.

Die Bauern aus dem Nürnberger Land hatten sich zum Einkaufen „verabredet“, die einen kamen mit dem Traktor (rund 20), die anderen, darunter stellvertretender Kreisobmann Siegfried Schmidt und Kreisbäuerin Betty Schmidt sowie weitere Mitglieder der BBV-Kreisvorstandschaft, mit dem Pkw und Milchbauer Horst Kraußer aus Weihersberg hatte im Anhänger zwei Kälber mitgebracht, die für einige Stadtkinder an diesem Vormittag die Attraktion waren.

Transparente und Plakate hatte man auch dabei, mit einer ganz klaren Botschaft: Schleuderpreise zerstören: den Hof, meine Familie, meine Zukunft, meine Heimat. Milch ist ihren Preis wert.

Der Filialleiter von ALDI ist wenig später zur Stelle, will wissen, was hier los ist und ob man eine Genehmigung habe. Brauche man nicht, meint Felßner und erklärt, dass man zum Einkaufen komme und das könne wohl niemand verbieten. Wenig später ist man in der Filiale und hat vor allem Fleisch- und Milch-Produkte im Visier.

Schnell füllen sich die Einkaufswägen, das Milchregal ist schon leer. „Habt ihr nicht mehr“, fragt Günther Felßner den Filialleiter. Der verneint. Felßner: „Kein Wunder, wenn die so billig ist.“ Zumindest hinterlässt man für die Kunden, die an diesem Tag beim Milchkauf leer ausgehen die Botschaft: „Dieser Schleuderpreis zerstört.“ Und dass damit Schluss sein muss, macht man dann auf dem Parkplatz ziemlich deutlich. Die Leidtragenden sind die Bauern, dazu kommen Trockenheit und Ernteausfälle – die Situation ist für viele Betriebe bedrohlich.

Günther Felßner: „Wenn jetzt nichts gegen diesen Verdrängungswettbewerb unternommen wird, wird die bayerische Landwirtschaft ans Messer geliefert. Und nicht nur das: Über kurz oder lang geht die Misere alle Verbraucher an. Denn der Preiskampf zwischen den Handelskonzernen wird dazu führen, dass am Ende nur noch ein großer Handelskonzern übrig bleibt, der dann nicht mehr nur bestimmt, zu welchem Preis wir einkaufen, sondern auch was wir einkaufen. Wer Qualität und Nachhaltigkeit will, darf nicht so mit hochwertigen Lebensmitteln und uns Bauern umgehen.“

Man dürfe nicht nur Nachhaltigkeit von anderen fordern, sondern müsse sie auch selbst leben, lautete die Forderung. Es wären die Landwirte, die mit ihrer oft harten Arbeit jeden Tag auf’s Neue dafür sorgen, dass die Versorgung mit sicheren und gesunden Lebensmitteln gewährleistet ist. Das sei keineswegs so selbstverständlich, wie es die vollen Regale in den Supermärkten und die grellbunten Schildchen für die unzähligen Rabattaktion glauben machen wollen.

In diesem Jahr liegen die Erträge beim Getreide und beim Raps deutlich unter dem Vorjahr. Doch noch weit größere Probleme gibt es bei den Pflanzen, die seit Wochen der extremen Hitze ausgesetzt sind und viel zu wenig Wasser abbekommen haben: Bei Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben werden wegen der Trockenheit immense Schäden erwartet. In weiten Teilen Bayerns konnten die Bauern zuletzt kein Heu mehr für Ihre Kühe einbringen, in manchen Gebieten rollen schon die Maishäcksler – vier Wochen früher als geplant, um noch das zu retten, was zu retten ist. Doch der geerntete Mais liefert nur wenig Energie, das Futter in den bayerischen Ställen wird knapp. „Der heiße Sommer hat uns Landwirten extrem zugesetzt. Und gleichzeitig sind die Preise, die sie für Milch und Fleisch, insbesondere Schweinefleisch, bekommen bereits seit einiger Zeit nicht mehr annähernd kostendeckend. Diese Schleuderpreise der Discounter zerstören unsere Landwirtschaft und alles, was davon abhängt. Deswegen gehen wir jetzt auf die Straße“, sagt Felßner.

Auch Manfred Weber, Obermeister der Metzgerinnung aus Lauf, fordete die Verbraucher zum Umdenken auf und regionale Produkte zu kaufen. „Wenn es keinen Bäcker und Metzger mehr gibt, dann fehlt uns Lebensqualität und auch die Arbeitsplätze sind kaputt.“ So nach und nach leeren sich die Einkaufswägen. Wenn es umsonst ist, sagt kein Kinde nein. Aber zumindest einige gehen nachdenklich nach Hause, die Argumente der Bauern beschäftigen sie. Und das wollte man erreichen.

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl