Michael Ceglar kandidiert für den Bundestag

Die Piraten hissen schon die Segel

Piraten-Kandidat Michael Ceglar ist in Lauf aufgewachsen. Foto: Sichelstiel2012/07/47624_ceglarmichaelkandidatpiratenlauf_New_1343203264.jpg

LAUF — Ein Laufer ist Direktkandidat der Piraten für die Bundestagswahl im nächsten Jahr: Michael Ceglar, der im Wahlkreis Nürnberger Land/Roth antritt, setzt seine Schwerpunkte bei Basisdemokratie, Wirtschafts- und Sozialpolitik. Der 49-jährige Ingenieur, der ein Kind hat und in der Pegnitzstadt aufgewachsen ist, steht damit auch für eine Partei, die längst mehr sein will als eine Internet-Lobbygruppe.

Herr Ceglar, Sie sind erst im Oktober Parteimitglied geworden, nun sind Sie bereits Direktkandidat. Kann man bei den Piraten im Augenblick schnell Karriere machen?

Ceglar: Nein, kann man nicht. Vor allem in großen Landesverbänden wie dem bayerischen nicht. Wer wirklich in den Bundestag will, muss vorne auf die Liste kommen, mindestens Platz 6 nach aktuellen Umfragen. Es gibt aber rund 90 Kandidaten für die Liste. Im Augenblick wird noch diskutiert, wie die Aufstellung genau vonstatten gehen soll. Der Landesparteitag findet im September statt.

Glauben Sie, dass Sie genügend politische Erfahrung haben? Die Kandidaten der anderen Parteien werden damit punkten.

Ceglar: Ich habe auch schon früher Politik gemacht, war bei den Jusos und der SPD. Aber der kompetenteste Politiker ist doch sowieso der normale Bürger. Wer länger im Bundestag sitzt, weiß gar nicht mehr, wie das normale Leben aussieht. Die Piratenpartei ist eine Bürgerpartei, sie besteht aus ganz normalen Leuten.

Warum gerade die Piraten, warum sind Sie nicht bei der SPD geblieben?

Ceglar: Ich bin vor der Wahl 1998 abgesprungen. Die etablierten Parteien nehmen nicht mehr auf, was an der Basis passiert, die SPD zum Beispiel hat ihre sozialpolitische Kompetenz an einen Herrn Hartz outgesourct. Das hat mit Demokratie nichts zu tun. Im Gegensatz zu den Piraten: Dort kann jeder selbst zu den Parteitagen gehen, dort reden und Anträge stellen und über das Internet mit anderen Mitgliedern diskutieren.

Aber so erhalten auch Spinner eine Plattform.

Ceglar: Das ist doch ein Argument der Feiglinge. Spinner werden durch die Diskussion aussortiert. Die Masse verhält sich intelligent, wenn man sie nur informiert und ihr genügend Raum zur Diskussion lässt. Bundestagsabgeordnete wissen auch nicht immer, worüber sie abstimmen. Nehmen Sie nur den Euro-Rettungsschirm. Die wenigsten Abgeordneten hatte eine Ahnung, welchen Blankoscheck sie gerade ausstellten.

Das ist ein gutes Stichwort. Sie treten ein für eine Europäische Föderation. Ist das angesichts der Währungskrise der richtige Zeitpunkt für so einen Vorschlag?

Ceglar: Es ist der beste Zeitpunkt, weil der Vorschlag die Probleme löst. Wir müssen uns auf übernationaler Ebene organisieren. Die globale Wirtschaft nimmt keine Rücksicht, sie reißt sich alles unter den Nagel, weil es kaum Regeln gibt, die sie daran hindern. Unsere Krise ist ja auch keine Währungskrise, sondern eine Bankenkrise und eine politische Krise. Die Banken haben sich mit griechischen Anleihen vollgepumpt, dafür gab es das meiste Geld. Ihr Hintergedanke: Europa wird einen Staat schon nicht pleitegehen lassen. Das Hauptproblem ist, dass wir Europäer nicht genügend organisiert sind, um dem eine demokratische Steuerung entgegenzusetzen. Warum haben die USA trotz höherer Schulden keine Währungskrise? Weil sie ein Staat sind und eine einheitliche Wirtschaftspolitik haben. Die Märkte suchen sich immer die Schwächsten aus – und der Euro hat keinen Staat.

Warum traut die Öffentlichkeit den Piraten eigentlich keinen wirtschaftspolitischen Standpunkt zu?

Ceglar: Weil man noch zu wenig über uns weiß. Wir haben unser Gesamtprogramm noch nicht vollendet. Dieses werden wir bei unserem Bundesparteitag darlegen. Es kann aber jeder unsere Diskussionen im Internet verfolgen.

Die Grünen haben lange gebraucht, um mehr als bloß Öko-Partei zu sein.

Ceglar: Bei uns ist das ein schneller Prozess, schneller als bei den Grünen. Die hatten nämlich viele Reibungsverluste bei der Umsetzung von Basisdemokratie. Mit dem Internet lässt sich das besser organisieren. Ich gehe davon aus, dass wir bei der Bundestagswahl weniger Protestwähler als überzeugte Wähler haben werden. Die Leute sehen, dass wir nicht nur Musik kostenlos downloaden wollen.

Bei der letzten Bundestagswahl kamen die Piraten auf 1,9 Prozent der Direktstimmen im Wahlkreis. Was erhoffen Sie sich?

Ceglar: 1,9 Prozent war damals schon ein gutes Ergebnis. In den Umfragen liegen wir aktuell bei acht Prozent. Mein Ziel ist, mindestens so viele Erststimmen zu bekommen, wie die Partei Zweitstimmen erhält.

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