Pfarrer Ziegler verlässt Kirchensittenbach

„Überall offene Türen“

Johannes Ziegler macht den Weg ins Kirchensittenbacher Pfarrhaus frei: „Hier hat es mir immer sehr gut gefallen.“ | Foto: M. Wildner2017/04/8032882-1.jpeg

KIRCHENSITTENBACH – „Ich will noch einmal aufbrechen.“ Nach fast genau 20 Jahren verlässt Pfarrer Johannes Ziegler die Gemeinde Kirchensittenbach, am 23. April wird er im Gottesdienst verabschiedet. Danach tritt er im unterfränkischen Schwebheim seine neue Stelle an. Vor allem die „immer offenen Türen“ der Menschen im Sittenbachtal werden ihm in guter Erinnerung bleiben.

„Anfangs tat ich mich wirklich schwer, die Leute zu verstehen. Mittlerweile klappt es aber ganz gut“, sagt Johannes Ziegler und lacht. Mit dem fränkischen Dialekt hatte der gebürtige Augsburger zu Beginn so seine Probleme. In manchen Situationen, erzählt er, fühlte er sich fast wie im Ausland. „Es war ein langer Lernprozess für mich, bis ich auch die Bedeutung hinter dem Gesagten richtig verstanden habe.“

Immer willkommen
In einer Gemeinde mit 21 Ortsteilen sei es eine Herausforderung für einen Pfarrer, zu lernen, wie er am besten auf die einzelnen Menschen zugeht und einen Draht zu ihnen aufbaut. Der erste Kontakt war allerdings meist schnell hergestellt: „Offene Türen gab es hier immer. Auch im übertragenen Sinn: Ich fühlte mich jederzeit herzlich willkommen“, stellt Ziegler rückblickend fest. Diese „offenen Türen“ waren es auch, die ihn vor fast 20 Jahren, an Pfingsten 1997, aufs Land zogen. Denn in seiner vorherigen Pfarrstelle in Coburg sei es oft schwierig gewesen, die Leute kennenzulernen. „Das ist auf dem Dorf viel einfacher“, verrät er.

In seinem ersten Jahr in Kirchensittenbach wohnte Ziegler in einem kleinen Haus an der Hauptstraße. Der Umzug ins Pfarrhaus war eines der Ereignisse, die ihm im Gedächtnis bleiben werden. Ein weiteres folgte 2005: Die Einweihung des neuen Gemeindehauses nach dem Umbau der alten Schule sei „einfach schön“ gewesen. Auch die zahlreichen Wochenend- und Jugendfreizeiten bereiteten dem Pfarrer immer viel Freude. „Man hat richtig gemerkt, wie auf den Ausflügen die Gemeinschaft mehr und mehr gewachsen ist“, erinnert er sich.

Was den 57-Jährigen aber am meisten begeisterte, war die Freude der Kinder am gemeinsamen Singen. „Vor allem im Religionsunterricht wurde viel und gern gesungen. Ich brauchte nur meine Gitarre auszupacken, schon waren die Kinder dabei“, erzählt er lächelnd. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen lag dem Pfarrer ohnehin schon immer am Herzen. Deshalb setzte er sich vor einigen Jahren besonders dafür ein, dass die Kirchengemeinde eine Unterstützung in der Jugendarbeit bekommt. Als der Prediger Alexander Pauli in der Landeskirchlichen Gemeinschaft Hersbruck eine 70 Prozent Stelle antrat, fragte Ziegler sofort nach, ob er nicht für die verbleibenden 30 Prozent in Kirchensittenbach arbeiten möchte. Seit September 2014 ist Pauli nun als Jugendreferent hier tätig.

„In die Jugend zu investieren, ist mir besonders wichtig. Sie ist immerhin unsere Zukunft und es ist nicht einfach, sie für die Kirche zu begeistern“, erklärt er. Gemeinsam mit Pauli und mehreren ehrenamtlichen Helfern gestaltete Ziegler den Unterricht für die Präparanden und Konfirmanden neu. „Es ist jetzt weniger Frontalunterricht und mehr Gruppenarbeit. Das macht auch den Kindern mehr Spaß.“ Außerdem finden seit vielen Jahren die Konfirmandenfreizeiten auf Burg Wernfels statt. Dort organisiert und gestaltet der „Christliche Verein Junger Menschen“ (CVJM) die sogenannten „Konficastles“.

Zu allererst musste Ziegler jedoch eine andere große Aufgabe in Kirchensittenbach meistern: die Nachfolge seines Vorgängers Johannes Mrusek. „Das waren sehr große Fußstapfen“, gibt er zu. Mrusek war 35 Jahre Pfarrer in der Gemeinde und hat damit eine ganze Generation begleitet. Er arbeitete hier bis zum Beginn seines Ruhestands. Seine Nachfolge als junger Geistlicher anzutreten, sei anfangs nicht immer einfach gewesen. Ziegler ist deshalb dankbar, dass er von Pfarrer Mrusek und dessen Frau Unterstützung bekommen hat. Besonders an die Jubelkonfirmationen und die Weihnachtsgottesdienste auf Burg Hohenstein erinnere er sich gerne zurück, die er zusammen mit dem Ehepaar Mrusek gestaltete.

Neue Herausforderung
Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet: Pfarrer Ziegler und seine Familie fühlen sich sehr wohl in Kirchensittenbach. Trotzdem sucht er noch mal eine neue Herausforderung. „Wir wollten eigentlich im Großraum Nürnberg und damit in der Nähe von Bekannten und Freunden bleiben. Auch wegen der beruflichen Tätigkeit meiner Frau.“ Ganz geklappt hat es zwar nicht mit Mittelfranken, weil im Umkreis derzeit keine entsprechende Stelle frei war. „Aber Schwebheim ist ja auch nicht allzu weit weg. Wir werden sicher immer wieder den Weg in die Hersbrucker Schweiz finden“, sagt er lächelnd.

In der unterfränkischen 4000-Seelengemeinde übernimmt Ziegler die zweite halbe Pfarrstelle und ist dort schwerpunktmäßig in der Konfirmandenarbeit tätig. Los geht’s für ihn allerdings erst zum 1. Juni: „Wir wollten uns noch ein paar Wochen Auszeit gönnen, um den Kopf frei zu bekommen. Wir werden in dieser Zeit in der evangelischen Familienkommunität „Siloah“ mitleben: Das ist eine Gemeinschaft aus mehreren Familien, die in dem Ort Neufrankenroda bei Gotha Landwirtschaft betreibt und vor allem für Jugendgruppen Erlebnisfreizeiten mit pädagogischem Hintergrund anbietet“, erklärt er.

Am Sonntag, 23. April, um 9.30 Uhr findet in der St. Bartholomäus Kirche der Abschiedsgottesdienst statt. Dann tritt neben dem Posaunenchor auch der Projektchor wieder auf, der bereits im März viele Zuhörer begeisterte. „Das war mein persönlicher Wunsch“, verrät Ziegler.

Die Pfarrstelle in Kirchensittenbach ist zurzeit noch vakant und wird im Mai offiziell im Amtsblatt ausgeschrieben. Einen Tipp für seinen Nachfolger hat Ziegler schon jetzt: „Einfach für alles offen sein.“ Freuen könne der sich auf jeden Fall auf „eine Gemeinde, wo noch viel geboten ist, das schönste Gemeindehaus im ganzen Dekanat, und auf Menschen, die gerne feiern und immer eine offene Tür haben.“

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