Einsatz der Bergwacht

Entbuschungsaktion an der Burg Hohenstein

Gut gesichert arbeiteten sich die Bergwachtler an der Burgmauer entlang. | Foto: M. Ermer2020/10/IMG_9071.jpg

HOHENSTEIN – Samstagmorgen, Regen und Temperaturen im einstelligen Bereich. Zugegebenermaßen kein Wetter, das zum Wandern oder Bergsteigen einlädt. Und dennoch hingen einige Kletterer in den Seilen am höchsten Punkt der fränkischen Schweiz.

Um die Burg Hohenstein nicht von Bäumen und Sträuchern überwuchern zu lassen, seilten sich Mitglieder der Bergwacht Lauf-Hersbruck an den Burgmauern ab und entfernten im Rahmen einer Naturschutzmaßnahme überschüssiges Grün. Daneben werden die Felsen dadurch vor dem Aufsprengen durch die Wurzeln bei Frost geschützt, einzig die „Mehlbeere“ darf ihren Lebensraum behalten.

Die Bergwachtler ließen sich ganz nach ihrem Motto „kein Wetter zu schlecht, allzeit bereit“ von all diesen Widrigkeiten nicht beeindrucken und schnitten mit deutlicher Freude an der ungewöhnlichen Aufgabe den Bewuchs des Burgfelsens zurück. So auch Nachwuchskletterin Lisa, die zum ersten Mal, natürlich gut gesichert und ausgerüstet mit festen Schuhen, Handschuhen und Helm, über die Burgmauer klettern durfte.

Klettern und schützen

Eine gute Übung nicht nur für sie, sondern auch die anderen fünf aktiven Seilkletterer der Sektion Lauf-Hersbruck, die an diesem Vormittag pro Person etwa zwei „Schneisen“ von jeweils einigen Metern rechts und links ihres Seils schaffen werden. Und gleichzeitig ihre Klettererfahrungen mit den Naturschutzaufgaben, für die sich die Ehrenamtlichen ebenso einsetzen, verbinden.

Dafür ist Georg Maul, Vorsitzender des Verschönerungsvereins Hohenstein, als Besitzer der Burg sehr dankbar. Gefördert wird die einmal jährlich durchgeführte Maßnahme durch Karl Rauenbusch und den Landschaftspflegeverein des Landratsamts. Ziel ist es, den Bewuchs um die Burg zu reduzieren – große Büsche werden entfernt, lediglich die „Hersbrucker Mehlbeere“, deren bevorzugter Wuchsort die Felsen bei Kirchensittenbach sind, soll tunlichst vor den Heckenscheren der Bergwacht verschont bleiben und damit weiter wachsen und erhalten werden.

Auch Klaus Albrecht, als Bürgermeister zuständig für das Kirchensittenbacher Gemeindegebiet, lobte den ungewöhnlichen Einsatz. Eigentlich hatte er sich für eine zeitgleich stattfindende standesamtliche Hochzeit im toll geschmückten Burgstübchen zum Burgfelsen aufgemacht, gern nahm er sich aber Zeit für einen kleinen Abstecher. Sein Dank galt den Ehrenamtlichen, die mit „Mut und Vertrauen“ an den steilen Hängen arbeiteten.

Üben fürs Retten

Einen Abstecher an den Fels wollte er verständlicherweise nicht machen, er kenne aber bedingt durch die Geländesituation der fränkischen Schweiz dieses Einsatzgebiet. So habe sich auch die örtliche Freiwillige Feuerwehr einen Rettungssatz zugelegt und übe regelmäßig das Abseilen im schwierigen Gebiet, denn nur so könnten im Ernstfall alle beteiligten Retter ideal zusammenarbeiten.

Während die Mitglieder der Bergwacht noch arbeiteten, fanden auch einige Wanderer ihren Weg, um neben dem ganz langsam aufziehenden, noch neblig-trüben Ausblick ein paar Minuten beim Rückschnitt in luftiger Höhe zuzuschauen. Was wiederum Georg Maul freute.

Denn auch „seine“ Burg ist angesichts der aktuellen Situation von Besucherrückgang betroffen. Kamen in der Vergangenheit jährlich etwa Zehntausend, sind es in diesem Jahr vielleicht sechstausend Besucher gewesen. Auch die weggefallenen Veranstaltungen und Lehrgänge im „Langen Haus“ schlagen sich nieder.

Trotzdem soll es natürlich weitergehen, aktuell etwa mit der noch bis Ende Oktober laufenden Kunstausstellung in den Räumen des Palas. Und mit dem nun wieder freien Blick von und auf die Burg als Wahrzeichen im Nürnberger Land.

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