Hersbruck stimmt für den „Tag der Franken“

Kopfschütteln über „Riesendebatte“

„Die Bilder unserer schönen Altstadt gehen durch die Medien“, lautete eine Antwort auf die Skeptiker unter den Stadträten. Das Hirtenmuseums-Ensemble im Eisenhüttlein wäre ein werbewirksamer Anblick. | Foto: Jürgen Ruppert2016/07/orighight130t5034621364731397643img.jpg

HERSBRUCK (jr) – „Als ich die Anfrage von Bezirkstagspräsident Richard Bartsch auf den Tisch bekam, habe ich mir nicht vorstellen können, dass wir deswegen so eine Riesendebatte führen“, sagte Bürgermeister Robert Ilg kopfschüttelnd. Rund 45 Minuten haben die Stadträte diskutiert, ob sich Hersbruck für den „Tag der Franken“ 2018 bewerben soll. Knackpunkt waren die Kosten.

Der „Tag der Franken“ findet jedes Jahr Anfang Juli statt. 2018 ist Mittelfranken wieder an der Reihe und zehn Städte wurden angeschrieben, ob sie Interesse haben, darunter Hersbruck, Fürth und Schwabach. Zunächst einmal müssen die möglichen Ausrichter ihr Okay geben. Dann entscheidet der Bezirkstag, wer den Zuschlag bekommt. Anschließend wird in Zusammenarbeit mit der ausgewählten Kommune für den Tag ein Programm ausgearbeitet.

„Eine Veranstaltung dieser Größenordnung bedeutet eine große Plattform in den Medien und bietet damit einen unschlagbaren Werbevorteil“, sagte Robert Ilg. Die Finanzierung übernimmt zum größten Teil der Bezirk. Beim Ausrichter fallen Kosten vor allem durch Arbeitsleistungen (Bühnenaufbau) des örtlichen Bauhofs an.

Verwaltungsleiter Karlheinz Wölfel rechnet aufgrund der Erfahrungswerte bei den bisherigen Frankentagen mit Arbeitsstunden in Höhe von 15  000 bis 20  000 Euro. So eine Unterstützung ist alles andere als ungewöhnlich. Die Stadt bringt diese „Manpower“ bei sehr vielen Events ein, egal ob Gitarrenfestival oder Altstadtfest.

„Wir müssen auf der ganzen Linie sparen“, wandte Ulrike Eyrich ein. Sie nannte Gebührenerhöhungen wie etwa bei der Stadtbücherei und den Kulturmanager, den sich Hersbruck nicht leisten kann. Sie und Dorothea Müller Philipps Sohn signalisierten ein „Ja“ nur bei „Kostenneutralität“.

„Wir haben Aufwendungen und müssen etwas anderes eben weglassen“, antwortete Robert Ilg. Jürgen Amann fügte an, dass die Arbeitskosten nicht direkt als Ausgabe anfallen, sondern intern verrechnet werden. Bei allen anderen Veranstaltungen vom Kinderfest bis zum Holocaust-Gedenktag heuer im Januar sei nie über dieses Thema gesprochen worden.

Angelika Pflaum und Marcus Seitz fragten nach dem Zugewinn für Hersbruck. „Die Bilder von unserer schönen Altstadt gehen durch die Medien“, antwortete Stephan Krimm und hob die bayernweite Ausstrahlung des Frankentages hervor. „Es ist die beste Werbung der Welt“, sagte auch Norbert Thiel.

„Ohne einen einstimmigen Beschluss gehen unsere Aussichten, die Veranstaltung zu bekommen, gegen null“, warnte zweiter Bürgermeister Peter Uschalt. Götz Reichel, Gerhard Kratzer („eindeutig eine tolle Chance“) sahen dies genauso und schlossen sich Uschalts Appell „Gebt euch einen Ruck!“ an.

„Ja bei Kostenneutralität“, beharrte Ulrike Eyrich auf ihrem Standpunkt und stellte einen entsprechenden Antrag. Schließlich bedeute es für Hersbruck einen Gesichtsverlust, wenn sich nach einem Zuschlag herausstellt, dass das Event 45  000 Euro kostet und die Stadt dann abwinkt.

Dieser Argumentation folgten nur die Grünen im Stadtrat, wobei keiner der anderen etwas mit der ohne Begründung in den Saal geworfenen Zahl 45  000 Euro anfangen konnte. Norbert Thiel merkte zudem an, dass der Bezirk sehr wohl die Einwohnerzahl Hersbrucks kennt und die Kommune nicht überfordern würde. Ulrike Eyrich und Dorothea Müller Philipps Sohn stimmten gegen die Bewerbung, die klare Mehrheit des Stadtrats war dafür.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert