Stadtrat Hersbruck

Hersbrucker Strudelbad bleibt zu

So ein Bild wird es 2021 nicht geben. Der Hersbrucker Stadtrat sprach sich fast einstimmig gegen die Öffnung des Strudelbades aus. | Foto: J. Ruppert2021/06/SB.jpg

HERSBRUCK – „Es gibt hier keinen, der nicht zähneknirschend gegen die Öffnung stimmt“, fasste Götz Reichel das Bauchgrimmen des Stadtrates zusammen. Angesichts der Fakten votierte das Gremium mit 22:1 dafür, das Hersbrucker Strudelbad heuer geschlossen zu lassen.

Zunächst informierten Bürgermeister Robert Ilg und Verwaltungschef Karlheinz Wölfel über die derzeit laufenden Bauarbeiten im Keller der Therme. Wie berichtet, wurden dort im Winter Schäden an einer Dehnungsfuge und einem Stahlträger festgestellt. Diese Probleme gefährden die Statik der Erlebnishalle. Deshalb beschloss der Verwaltungsrat der Therme (Rathauschef und die Stadträte im Hauptverwaltungsausschuss) eine rasche Sanierung.

Das Strudelbad ist ebenfalls betroffen. Denn dort verlaufen alle Versorgungsleitungen für alle Bereiche, und die mussten gekappt werden. Folge: Die Außenbecken haben kein Wasser. Wegen des überraschend größeren Ausmaßes der Arbeiten ist nun eine Öffnung des Strudelbades frühestens am 26. Juli möglich, eventuell später.

Hohes Defizit

Kernpunkt der Sitzung war aber die Frage, ob das Strudelbad ab dem 26. Juli seine Pforten aufmachen soll. Der Betrieb verursacht ein hohes Defizit. Im ersten Coronajahr 2020 waren es rund 480 000 Euro bei aufgrund der Corona-Auflagen nur 12 500 Besucher mit 40 000 Euro Einnahmen. Zweiter Bürgermeister Peter Uschalt regte eine „Umrechnung“ an. 38 Euro pro Gast, sagte Wölfel.

Bei einem Aufmachen erwarten die Experten heuer ein Minus von 300 00 Euro für etwa sechs Wochen. Der im Hersbrucker Etat eingeplante Betriebskostenzuschuss von 550 000 Euro wird zum Unterhalt der Therme benötigt, die ja derzeit mangels Besucher null Einnahmen verzeichnet.

Hilfen in Gefahr

Die benötigten 300 000 Euro wären also eine zusätzliche Ausgabe, und das bei einer freiwilligen Leistung der Stadt. Dies wiederum würde eine Gefährdung von 2,6 Millionen Euro Stabilisierungshilfen bedeuten, die der Freistaat in den letzten beiden Jahren der Stadt unter Auflagen gewährt hat, und eventuell weitere Unterstützungen ausschließen.

Norbert Dünkel erklärte die Stabilisierungshilfen. Dazu schließt der Freistaat mit einer verschuldeten Stadt einen Vertrag. Hersbruck hat sich darin zu einer Haushaltskonsolidierung verpflichtet. Wenn nun freiwillige Leistungen erhöht werden, müssen andere dafür gestrichen werden. Und die Gemeindeordnung sagt eindeutig, dass ein Freibad keine Pflichtaufgabe ist.

Eindeutiges Ergebnis

22 Mitglieder des Stadtrates sprachen sich schließlich gegen die Öffnung 2021 aus. Für eine letzte Irritation sorgte Doris Dischner. Sie wollte sich bei der Abstimmung enthalten, was die Gemeindeordnung aber nicht erlaubt. Nach einem aufklärenden Hinweis von Robert Ilg entschied sich die HBG-Mandatsträgerin für ein „Nein“ zum Antrag, was dann zum 22:1 führte.

„Die Menschen brauchen eine Aussicht, wie es weitergeht“, sagte Norbert Dünkel. Deshalb wurde der Satz ins Protokoll aufgenommen, dass alles für eine Öffnung 2022 unternommen wird.

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