Zwei Tage nach dem Felssturz in Neuhaus

Gefahr nicht gebannt

Schutz vor Regen: Die Feuerwehr und das THW haben über der Abbruchstelle ein Dach aufgebaut. Foto: M. Döhring2013/05/5_2_1_2_20130530_FELSEN.jpg

HERSBRUCK/NEUHAUS – Tag zwei nach dem Felssturz in Neuhaus: Nachdem am Dienstag die Anwohner der Plecher Straße evakuiert und die Unfallstelle weiträumig abgesperrt wurde (zum Video), haben die zuständigen Behörden und Rettungsdienste weitere Schritte zur Sicherung der Unfallstelle in die Wege geleitet.

Um das unmittelbare Risiko eines erneuten Herabstürzens von Felsen zu minimieren, bauten die Feuerwehren aus Neuhaus, Hersbruck und Krottensee gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk aus Lauf und Pegnitz gestern ein großes Dach über die Abbruchstelle am Burgfels. „Dadurch wird verhindert, dass noch mehr Wasser in das Gestein eindringt“, sagte Kreisbrandrat Norbert Thiel. Denn für die kommenden Tage ist Dauerregen gemeldet. Bis Anfang nächster Woche prüft die Feuerwehr mit einem Lasergerät mögliche Auffälligkeiten im Felshang und bei den Gesteinsrissen. „Sollte sich etwas verändern, werden die Gemeinde, das staatliche Bauamt und die Feuerwehren sofort alarmiert“, so Thiel.

Schon jetzt mit Untersuchungen und der Sicherung verbleibender lockerer Felsbrocken zu beginnen, ist wegen des vielen Niederschlags nicht möglich. Für kommenden Montag ist eine Sitzung des staatlichen Bauamtes, der Feuerwehr, der Polizei und des Geologen Jörg Gründer anberaumt. „Dann wird das genaue Vorgehen besprochen“, sagt der Direktor des Bauamtes Erlangen-Nürnberg, Karl-Heinz Sirtl.

Geplant ist, noch lockere Felsbrocken mit 50 bis 80 Tonnen Gewicht zu sichern oder zu entfernen, ein Mauerteil, das momentan in der Luft hängt, abzubrechen, das heruntergestürzte Geröll von dem Felshang zu räumen und natürlich die Felsbrocken auf der Plecher Straße abzutransportieren.

Vor alledem nimmt aber Geologe Jörg Gründer am Montag die Absturzstelle unter die Lupe. Mit einem Seil wird er sich von der Burgmauer abseilen und den Felsaufbau im Detail studieren. Bis zu zwei Tage wird dies dauern. Nach seinem Urteil richtet sich das weitere Vorgehen. „Wir sind bestrebt, die nächsten Schritte dann sofort einzuleiten“, so Bauamt-Direktor Sirtl. Schließlich soll der Felshang schnellstmöglich so abgesichert werden, dass die Plecher Straße geräumt und wieder befahren werden kann.

Die bis zu 5000 Autos, die normalerweise auf der Route Neuhaus-Plech täglich fahren, werden großräumig umgeleitet – Lkw über Auerbach und Pkw über Höfen, Pfaffenhofen, Velden nach Neuhaus. Der Neuhauser Bürgermeister Josef Springer rechnet damit, dass die Staatsstraße mindestens zwei bis drei Wochen gesperrt bleibt. Und auch die Anwohner der Plecher Straße müssen sich darauf gefasst machen, die nächste Woche noch bei Freunden oder Familie unterzukommen. „Ich habe heute alle Betroffenen bei mir im Rathaus darauf vorbereitet“, sagte Springer der HZ.

Die Sicherheitslage am Burgfels ist nach wie vor riskant. Obwohl Geologe Gründer davon ausgeht, „dass das Wesentliche schon heruntergekommen ist“, besteht die Gefahr weiterhin, dass Gestein ins Tal rutscht. Dienstagnacht stürzten rund 300 Tonnen Geröll vom Felshang und der Burgmauer auf die Plecher Straße. „Die starken Niederschläge der letzten Tage waren sicherlich ein Auslöser dafür“, sagt Gestein-Experte Gründer. Sickert in die lehmgefüllten Spalten Wasser ein, weicht der Fels auf und rutscht dann möglicherweise ab. Ob das aufgestellte Gerüst wegen der geplanten Sanierungsmaßnahmen des staatlichen Bauamtes für den Felssturz mitverantwortlich war, dazu wollte sich Gründer nicht äußern: „Das wäre voreilig.“ Die Kripo Schwabach hat die Ermittlungen dazu gestern eingestellt, wie Polizeisprecherin Simone Wiesenberg erklärte.

Wie lange die Sicherungs- und Räumungsarbeiten dauern werden, ist derzeit noch völlig unklar. Das bayerische Finanzministerium, der Freistaat Bayern ist Eigentümer der Burg Veldenstein, verspricht indes schnelle und unbürokratische Hilfe. Zwar steht noch nicht fest, wie hoch der Gesamtschaden und die Kosten der Sanierung zu beziffern sind. Unabhängig davon hat der Freistaat im Doppel-Haushalt 2013/2014 schon 1,1 Millionen Euro für die Generalsanierung der Burg eingeplant.

Gegen den Vorwurf, der Felssturz hätte durch frühere Sanierung der Stellen verhindert werden können, wehrt sich der zuständige Baudirektor. Nach Feststellung größerer Risse wurde die Sanierung „nach Ende der Frostperiode“ eingeleitet, so Sirtl. „Wir sind auf Gutachten angewiesen und haben reagiert.“

„Mit Besorgnis“ blickt der Bürgermeister von Vorra, Volker Herzog, nach Neuhaus. Denn Teile des Artelshofener Wachtfelsens sind in einem kritischen Zustand. Felsbrocken von bis zu 15 Tonnen könnten sich im schlechtesten Fall abspalten. Die Gemeinde hat deswegen ein Gutachten in Auftrag gegeben (wir berichteten). Das Ergebnis wird in gut vier Wochen erwartet.

Keine Bedenken hat dagegen der Hartensteiner Bürgermeister Werner Wolter. „Die Burg Hartenstein hat keine auffälligen Schäden“, so der Gemeinde-Chef. Das bestätigte ein Gutachten vor drei Jahren. „Unsere Burg steht fest auf dem Felsen.“

Weitere Bilder von der Unfallstelle in der Galerie auf www.n-land.de.

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