Er brachte die Stadtwerke und den TSV Lauf wieder auf Vordermann

Hans-Dieter Zantop stirbt mit 77 Jahren

Der ehemalige Leiter der Stadtwerke und des TSV Laufs, Hans-Dieter Zantop.2020/05/Hans-Dieter-Zantop.jpg

LAUF – Hans-Dieter Zantop ist tot. Der an Demenz erkrankte frühere Leiter der Laufer Stadtwerke und langjährige Vorsitzender des TSV Lauf starb am vergangenen Mittwoch, dem Tag seines 77. Geburtstages.

Zantop hat sich in 32 Jahren an der Spitze der Städtischen Werke nicht nur bleibende Verdienste um die Versorgungseinrichtung erworben, sondern die Stadtwerke auch zu dem gemacht, was sie heute sind: ein modernes und zukunftsfähiges Unternehmen. In den 16 Amtsjahren beim TSV sanierte Zantop den Verein und baute eine vollkommen neue Sportanlage auf, mit Turnhalle, Kegelbahnen und Vereinsheim.

Hans-Dieter Zantop war geborener Nürnberger. Nach einer Elektrikerlehre bildete er sich neben dem Job bei Siemens zum Techniker weiter, holte das Abi nach, absolvierte ein Ingenieurstudium in Elektrotechnik und schloss während seiner Arbeit  bei der Firma Brown Boveri & Co  zusätzlich ein BWL-Studium ab.

Ideale Voraussetzungen für seine Bewerbung bei den Stadtwerken in Lauf: 1975 wurde er deren technischer wie kaufmännischer Leiter. Und fand hier seine berufliche Erfüllung: Seine Leidenschaften hießen fortan Strom, Wasser und Gas, bis er 2007 in den Ruhestand ging. Zantops Engagement ging so weit, dass „wir in den ersten fünf Jahren in Lauf tatsächlich nicht einen einzigen Tag Urlaub machten“, wie sich seine Frau Sigrid erinnert.

„Zuverlässigkeit und Weitsicht“

Betriebswirtschaftlich holte er damals die Stadtwerke aus den roten Zahlen und technisch modernisierte er sie in allen Belangen. Höchstes Lob gab es für Zantop bei seiner Verabschiedung vom damaligen Bürgermeister Rüdiger Pompl. Er nannte den Geschäftsführer einen „umtriebigen, vordenkenden und technisch hoch versierten Werkleiter, der die Einrichtung meilenweit vorangebracht hat“.

Er, Pompl, „schätzte ihn für sein Beharrungsvermögen, sein taktisches Können, sein Verhandlungsgeschick, seine Sozialkompetenz, sein Engagement, seine Ungeduld, seine Zuverlässigkeit und seine Weitsicht. Zantop hat die Stadtwerke umgekrempelt, ausgebaut und wieder umgekrempelt.“ 

Klaus-Dieter Brinke vom Betriebsrat bezeichnete den Verstorbenen als „Vorbild an Leistung, Engagement und Arbeitseinsatz. Er war Tag und Nacht erreichbar, unfassbar manchmal für uns“, fasste Brinke zusammen, dass der Geschäftsführer immer das Ganze im Blick hatte und  bei einem Rohrbruch doch selbst in der Grube stand.

Pumpwerke, Brunnen und Hochbehälter

Hier nur einige Projekte aus der Ära Zantop: Die Laufer Wasserversorgung hat er auf neue Beine gestellt. Nach dem Pumpwerk in Rudolfshof schon 1982 wurden in den 90er-Jahren im Spitalwald neue Brunnen gebohrt. Am Industriegebiet entstand die rund sieben Millionen Mark teure Aufbereitungsanlage.

Unter anderem entwickelte Zantop zusammen mit einem befreundeten Professor die deutschlandweit erste Entarsenierungsanlage. Auf dem Kunigundenberg entstand ein neuer Hochbehälter. Mit Dutzenden neuer Leitungen wurden die Ortsteile an die Kernstadt angeschlossen.

In Sachen Strom wurde das lokale Leitungsnetz nicht nur von 6000 auf 20.000 Volt umgestellt und über 100 neue Trafohäuschen gebaut, Zantop sorgte auch für ein neues Umspannwerk, baute eine hochmoderne Netzleitwarte und verbesserte mit einem Ringnetz die Versorgungssicherheit. Unter Zantops Führung wurde die Stromversorgung-GmbH mit Neunkirchen gegründet wie später auch die Gasversorgung Neunkirchen.

Dass die Stadtwerke Lauf heute auch Gasversorger sind, ist ebenfalls Zantops Verdienst. Nach dem Auslaufen der Konzessionsverträge mit der Nürnberger N-Ergie stieg der Geschäftsführer mit den Städtischen Werken als federführender Partner ein. Sein Credo: „Eine Kuh die man melkt, verkauft man nicht.“

Eine Einstellung, mit der Zantop auch immer für die Eigenständigkeit der Werke kämpfte und sie 1999 in eine GmbH umwandelte. Auch das heutige moderne Kundenzentrum in den Stadtwerken entstand noch unter seiner Geschäftsführung.

Verdienste um den TSV

Wie „seine“ Stadtwerke führte Zantop als Vorsitzender 16 Jahre lang den TSV Lauf in ein neues Zeitalter. Hintergrund dafür war wohl Zantops Zeit als Leistungssportler. In Zirndorf spielte er in jungen Jahren Handball auf Bundesliganiveau und trainierte später bei den „77ern“ die Kinder.

Bleibende Verdienste erwarb er sich aber beim TSV. Einem Verein, der Ende der 70er-Jahre tief in den roten Zahlen stand. Zantop ging mit klaren Konzepten und mit Hartnäckigkeit ans Werk und baute nicht nur die Schulden ab. In seiner Amtszeit wurde 1983 eine neue Turnhalle auf dem Vereinsgelände errichtet, später kamen das Vereinsheim, die Bundeskegelbahnen, die Minigolf­anlage und eine neue Erschließung hinzu.

Der neue „Rußige Aidt“

Unter Zantop wurde der „Rußigen Aidt“ im Rahmen der Hämmernkirchweih eingeführt, die vorher vom Spielmannszug wiederbelebt worden war. „Für den TSV war Hans-Dieter Zantop wie ein Sechser im Lotto“, sagt der langjährige Weggefährte und heutige stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Siegfried Stilper. Zantop wurde mehrfach geehrt, unter anderem als Ehrenvorsitzender des TSV, aber auch als Ehrenmitglied des Laufer THW.

Privat und in seiner wenigen Freizeit war Zantop ein Familienmensch, wie seine Frau Sigrid erzählt. Im Haus in Rudolfshof erholte er sich am liebsten, hier trafen sich Freunde und Verwandte. Umsomehr traf ihn und seine Frau ein schwerer Schicksalsschlag: Das einzige Kind, Tochter Helga, kam 1998 mit 24 Jahren bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall ums Leben.

In den vergangenen Jahren wurde Hans-Dieter Zantop von seiner Frau versorgt. Seit Ende 2019 lebte er im Heller-Stift in Röthenbach, wo er Mitte dieser Woche starb.

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